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Siebenter Band.
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554 Der Socialismus in Deutschland.

Gesittung". Er erklärt dagegen, daß ein Grundirrthum sei, zu sehen, daß „diesesDasein für die Menschen ein Zustand des Wohlbehagens sein müsse", da die „Öko-nomie der irdischen Leiden" sie als „Beweise der göttlichen Huld und als Läute-rungsmittel" aufgestellt habe. Wenn dieser Gedanke auch wenig Anhänger unterden wirklich Unglücklichen, namentlich den unverschuldeten, finden dürfte, so liegtdoch eine große Mächtigkeit in dieser christlichen Betrachtung des menschlichen Schmer-zes, und der Verfasser hatte nur Unrecht, die große Frage nach dem wahren Wesendes irdischen Unglücks mit wenigen Zeilen erledigen zu wollen. Bedenklicher freilichist sein zweiter Satz, daß man zu Wohlsein nicht gelangen könne durch „Umgestal-tung der Gesetze und Verbesserung „der Einrichtungen"; den» die Erlösung von denNothständen käme nur „von der Überwindung der Sünde". Mit besserm Rechtedagegen vertritt er den Satz, daß das Christenthum neben der Gleichheit vor Gotteine „Verschiedenheit der eigenthümlichen Gaben und des irdischen Berufs" lehre,und daß die Vernichtung der Autorität im Volke ein Großes und Gutes vernichte,ohne ein Besseres an dessen Stelle zu setzen. Alle diese Einzelheiten, vielfacher Dis-cussivn fähig, bilden den zweiten Theil der kleinen Schrift; der erste dagegen ist einKampf gegen die „Neuerer des Umsturzes", der unter allen gleichartigen Explikatio-nen sich durch Ernst und Maß auszeichnet.

Wesentlich verschieden von Hirscher steht Vinet da. In der Vorrede zu seinerSchrift hat Neander, obgleich er das Jahr 1848 das „Jahr des Frevels und derGottvcrgessenheit" nennt, dennoch in würdigen Worten gezeigt, daß er mitten inseinen rein theologischen Studien die innere Bewegung mit der ihm eigenthüm-lichen Tiefe sehr wohl gefühlt hat. Er erklärt, und wol als der erste unter dendeutschen Theologen der strengern Schule: daß hier in allem Einzelnen der Kampfzwischen den bedeutendsten, allgemeinsten Gegensätze», die je hervorgetreten sind,zum Grunde liegt, und ein tiefer, durch Alles hindurchgehender Faden das Größteund Kleinste, das Innerlichste und Äußerlichste miteinander verbindet. „Wir kön-nen daher wol sagen, es bereitet sich die größte Schlacht vor, die je in den Jahr-büchern der Geschichte verzeichnet worden. Niederlage oder Sieg bestimmt den fer-nern Gang der Weltgeschichte. Und was jener so tief eingreifende allgemeine Gegen-satz ist, den wir als die bewegende Ursache von Allem anerkennen müssen, das ha/Vinet in seiner Schrift lichtvoll nachgewiesen: von der einen Seite Persönlichkeitals das Höchste, von der andern Seite Auflösung alles persönlichen Daseins unddie Leerheit des allgemeinen Begriffs." In der That, die Darstellung Vinet's hateben diese Ausgabe; wir glauben sie nicht besser als mit Neander's Worten bezcich'neu zu können. So schlimm nun, wie Neander sich dachte, daß die sociale Bewe'gung eine Art Götterdämmerung für die ganze Weltgeschichte sein werde, war dieSache freilich nicht: sie war einfach eine naturgemäße Entwickelung in der GesellschaftDeutschlands, die allerdings, wie jede großartige Umwandelung der bisherigen Auf'fassung, auch manches Fernerstehende erschütterte; aber jedenfalls war die Auffassungdieses Mannes in der Frage würdig, und wir halten uns überzeugt, daß durch dieftSchrift eine wahrere Gestalt in der kirchliche» Auffassung der socialen Bewegungangebahnt ist, die um so Bedeutendere- leisten wird, je weniger die Kirche du^die absolute Negation ihren Einfluß zu erhalten trachtet.

Wir haben nun in raschem Überblicke die verschiedenen Bewegungen interatur dargestellt, welche sich an die sociale Frage anschlössen, jede auf ihredieselbe auffassend und bearbeitend. Selten wol, vielleicht niemals, war eine so ^fangreiche Literatur in Deutschland aus einer einzelnen Frage hervorgegangen, ^Literatur, die sich j,, alle Seiten des Lebens, in alle ihr irgend zugänglichender WissekischE hineingedrängt hatte. Aber freilich waren Dem zur rechte» -huch andere Momente zu Hülfe gekommen, die man nicht außer Acht lasse» .chDahin muß vorzüglich das Erscheinen der Eugen Sue'schen Romane, die beka»^..^mit den „Illusteres clo pgris" beginnen, gerechnet werden. Es ist i» Merkmerkwürdig, wie in einer und derselben Zeit neben dem Einflüsse, den Stein S