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Siebenter Band.
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556 Der Socialismus in Deutschland.

Einheit, einer Gemeinsamkeit und eine- gegenseitigen BedingtseinS der Interessen dereinzelnen Classen im deutschen Volke.

Aber freilich ging dieser Thatsache eine zweite zur Seite. Die »»gemeine Ver-schiedenheit der socialen Ordnung in den verschiedenen Theilen Deutschlands machtedie Übereinstimmung jener Federungen gänzlich unmöglich. In Deutschland entstanddaher nirgends wie in Frankreich eine sociale Theorie; nirgends dachte man ernstlichdaran, einen socialen Plan für ganz Deutschland zu entwerfen. Der Inhalt allerjener Foherungen war im Ganzen und Großen daher ein wesentlich negativer. Erwar nicht so sehr ein Gegensatz gegen die bisherige gesellschaftliche Ordnung, alSvielmehr nur eine Auflösung der ganzen bisherigen Anschauungsweise. Das Genü>gen an dem Vorhandenen war gebrochen; man sah eine neue Zeit kommen, aberfle war gestaltlos; man vermochte sich nicht mehr Wohl zu fühlen in den scharfbt'grenzten Kreisen des bisherigen Lebens, aber man hatte auch noch keine Vorstellungvon den neuen Dingen, die man erwartete. Die gesellschaftliche Bewegung hatt!daher, trotz aller einzelnen noch so klaren Vorschläge und Versuche, im Ganzendurchaus einen embryonischen Charakter. Nur die Vorstellungen, nicht die wirklichenInteressen waren aneinander gebracht. Das, worauf es ankam, war daher vorallem ein Act oder irgend ein Organ, das fähig gewesen wäre, eben diese Interesse»eines ganzen Volks in ihrem Mittelpunkte zu sammeln. Ein solches Organ ist abereben nur das Hauptorgan menschlicher Gemeinschaft selbst, der Staat. Der Staatfehlte der werdenden Gesellschaft des deutschen Volks. DaS war die allgemeinsteGrundlage dieser unklaren Zustände.

Werfen wir nun aber den Blick nach einer andern Seite, so sehen wir nebe»diesem Werden der deutschen Gesellschaft eine Bewegung, die gleich von Anfang »"'eben diese staatliche Einheit des 'deutschen Lebens zu ihrem Ziele nahm, ohne a"l 'die sociale Richtung viel Rücksicht zu nehmen. Seitdem man namentlich in Preuße"die Hoffnung verloren, eine Verwirklichung der Ideen des Liberalismus und der Hes'stellung eines Deutschen Reichs zu erreichen, war das Streben der Opposition >"den verschiedenen deutschen Staaten ein anderes geworden. Es hatte eiilerseits Mvon den einzelnen Staaten abgewandt, und aus der Hoffnungslosigkeit, in diesenZiel zu erreichen, war die Hinwendung auf die Reichsidee entstanden, anfangs unklardann immer bestimmter. Seit 1844 begann das Streben der Häupter der Dppositi""in allen Staaten, durch gegenseitige Bekanntschaft, durch Besprechungen und e>>"Koincidenz der Kammerbestrebungen eine gewisse Solidarität der freisinnigen Richt»"'gen zu erzeugen. In der That gelang dies, und das Resultat wuchs in jedem Jah^mehr zu einer bedeutenden Thatsache des politischen Lebens in Deutschland her»^Die Opposition des einen Staats ward allmälig eine Macht in dem andern;Kammerinteressen verschmolzen sich, und aus. dieser Verschmelzung erhob sich ^Idee eines Deutschen Reichs in jenen vagen Umrissen, die im Jahre 1848 soUnheil anrichteten. Aber andererseits stand daneben eine zweite Richtung, dieminder bedeutend in gewisser Weise diesem Ziele, in anderer Beziehung ihm wi^.ferner erschien. DaS war die materielle Agitation der Zollvcrcinsbcstrebungen, ^,Kampf, den die Idee der Einheit des Gewerbs- und Handelslebens Deutsch!"'!^zum ersten male auf der Grundlage der nationalen Ökonomie gegen die bishe^,Abschließung des Nordens und seines Handclsinteresses vom Innern Deutscherbegann. Dieser Angriff konnte, bei dem Mangel alles staatlichen Organs, nur in ^Publicistik geführt werden; und hier freilich war er heiß genug. Wir sehen gä"iab von seinem besondern Inhalte; aber das ist dennoch sein allgemeines Resultat ^Wesen, daß er, mit allem Ernste und langathmiger Zähigkeit der festen überz"!^,geführt, zum ersten mal die Idee einer Einheit der praktischen Interessen »achNorden, vorzüglich an die Elbe brachte. Es war dies eines von den Elew"welche der jungen Reichsidee fehlte; sie gewann dadurch eine etwas bestimmwlestakt, und die erste Voraussetzung einer wirklich einheitlichen Gesellschaft in ^,iland, die Idee einer Identität der Interessen der gleichen gesellschaftlichen