596 Die Pflanzen und Thiere der Vorwelt.
lebenden. Aus Deutschland, Frankreich und England werden Überreste anderer auf-geführt, welche aber hinsichtlich ihrer Deutung nicht alle unbedingtes Vertrauenverdienen. Hiermit wäre die Mannichfaltigkeit der großen Familie erschöpft, undwir vermissen in ihr nur den kleinsten der Repräsentanten, den Klippdachs, vonwelchem noch nirgends Spuren einer frühzeitigen Existenz aufgefunden worden sind.Die Familie der Schweine, welche sich gegenwärtig in mannichsaltigen Gestalten überden ganzen Erdboden verbreitet, cxistirte bereits in der frühesten Tertiärzeit, aberfreilich in ganz eigenthümlichen Gattungen. Adapis aus dem pariser Becken, nurvon Kaninchcngröße, weicht am auffallendsten ab, denn seine Hintern Mahlzähne ha-ben noch nicht die höckerigen Kronen, sondern tiefe Gruben zwischen den Höckern-Die Chöropatamen besaßen die Größe unsers Ebers, aber unterscheiden sich noch inder Anordnung der Zähne, durch welche sich auch das Hyracotherium, wiederumnur von Hascngröße, aus den eoccnen Schichten Englands auszeichnet. Es werde»außerdem noch andere Gattungen namhaft gemacht, aber sie sind wie die fossile»Arten des heutigen Sus, Porcus und Dicotyle von keiner besondern Wichtigkeit-Dagegen verdient noch ein Typus der Vielhufcr Beachtung, welcher eine entschie-dene Neigung zu den Wiederkäuern verräth und ebenfalls die eocene Tertiärepochecharakterisirt. Es sind die schon von Cuvier vollständig erkannten Anoplotherien-Das Skelet zeigt die schlanken und zierlichen Formen der Hirsche; aber die Füßehaben drei hufetragende Zehen, und im Gebiß ist die gleiche Anzahl von sechsSchneidezähnen im Ober- und Unterkiefer ein wesentlich unterscheidendes Merkmalvon den Wiederkäuern. In der Größe gleichen die meisten dem Schafe und Hirsch,obschon einzelne die Dimensionen des Nashorns erreichen, andere auf Kaninchengröße>hinabsinken. Ihr Vaterland war England, Frankreich, Deutschland und Indien. -Die Wiederkäuer der Vorwelt bieten in ihren Familien der Stiere, Hirsche undKameele keine auffallenden Formen, wenn wir nicht etwa den Riesenhirsch Deutsch'lands und Irlands wegen der ungeheuren Größe und Pracht seines Geweihes aus'nehmen wollen. Seine Skeletthcile finden sich in so neuen Ablagerungen, daß d><Ansicht, das Thier sei erst in historischer Zeit von der Erdoberfläche verschwunden,immer mehr Platz greift. Abweichend von der gegenwärtigen ist die geographischVerbreitung der einzelnen Mitglieder der erwähnten Familien. Der Repräsentantunsers stattlichen Ur z. B. verbreitete sich während der Diluvialzeit durch ga»iEuropa und Nordamerika, und umgekehrt der des nordamerikanischen Büffels zugleichauch durch das nördliche Europa bis in das mittlere Deutschland hekab. Von K»'meelen finden wir Überreste in Frankreich und Asien, und von dem jetzt auf dt»höchsten Gebirgen des südlichen Asiens heimischen Moschus in tertiären Schicht^Deutschlands und Frankreichs. Übrigens fällt das erste Auftreten wiederkäuen^Thiere überhaupt nicht vor die mioccne Epoche; in ältern Tcrtiärgebilden fehlen ihsSpuren bis jetzt völlig. Noch müssen wir aber des merkwürdigsten Thieres die»'Gruppe, des höchsten aller Landsäugcthiere gedenken. Die Giraffe, jetzt ein ^wohner des südlichen Afrika, erschien bereits in der tertiären Periode in Frankrc^und-an den Vorhügeln des Himalaya. Hier gesellte sich aber zu ihr ein nicht mi»^eigenthümlicher Wiederkäuer, nämlich das Sivatherium. Der Schädel desselbendie Dimensionen des Elesantenschädcls, und ist, mit dem der Giraffe verglichen,auffallend kurz und hoch; dennoch stimmt die Anordnung der einzelnen Schädelknochund des Zahnsystems so auffallend mit derselben überein, daß Geoffroy St.-H'^xnicht einmal die genetische Trennung einräume» will. Es ist indessen nicht blos""^^ure Größe und allgemeine Configuration, welche diesen Schädel auszeich" ^
- «r* Geweihbildung ist ganz eigenthümlich. Zwischen und hinter den klc» .
tiefen Augenhöhlen erheben sich nämlich zwei mächtige, kurze, dicke, kegclfoll'Knochenzapsen, welche im Leben des Thieres wahrscheinlich mit einem hornige» "zuge bekleidet waren, und nicht weit hinter denselben prangen zwei dreizackigeWeihstangen. Also Hörner und Geweih auf demselben Kopfe. Unwillkürlich °gen sich bei Betrachtung der vortrefflichen Abbildung, welche Falconer und Ea»