Baiern unter den Übergangsministerien von 1847—49. 697
dale außerhalb Baiern- ebenso gelungen als innerhalb seiner Grenzen, so hatte dascrnstcre und wichtigere Interesse an Preußens Umgestaltung in eine ständische Mon-archie (seit den Fcbruarpatenten) Baiern mit seinen Geschicken wieder außerordentlichin den Hintergrund treten lassen. Man kannte natürlich auch im Auslande dieEinzelheiten des Treibens der Tänzerin in München nicht genau, intercssirte sich vcr-hältnißmäßig wenig für die davon zunächst betroffenen Persönlichkeiten, und fandim Abschluß durch eine Ministerkrisis mehr einen von jenen lärmmachcnden Cancans,wie man sie jetzt aus München zu hören gewohnt war, als die Zuversicht irgendeiner Änderung des gouverncmentalen Systems. Allein auch diese Auffassung —man darf es nicht vergessen — ward nicht sowol von den liberalen Stimmen derPresse vertreten, als vielmehr von den radical-hierarchischen. Sie vornehmlich such-ten zu verhindern, daß man über dem endlichen politischen Ausgange der Lola-Skan-dale diese selbst vergesse oder doch milder beurtheile. Getraute sich die gestürztePartei im Äugenblicke nicht, daheim mit ihren Mistraucnserklärungen, mit ihremZctcr und Wehe offen hervorzutreten, so war sie desto geschäftiger im Auslande,desto rühriger in Untergrabung des monarchischen Princips außerhalb der Grenzendesjenigen StaatS, welchem zunächst dieses feindliche Treiben galt. Natürlich schloßsich die Demokratie an dieses Geschrei an. Es gibt ja unter deren Bekennen, einejo große Menge, welche Alles, was nur irgend den Autoritäten feindlich, mit Freu-den aufgreift, woher eS auch komme, gedankenlos über die entfernten, Ziele Derer,welche im Augenblicke als Berbündcte erscheinen. Einer klüger,, pessimistischen Rich-tung des demokratischen Heerlagers aber, welche das monarchische und überhaupt dasbestehende staatliche Princip durch sich selbst vernichtet sehe» will, war indessen dieEntfernung Abel's wol keineswegs willkommen, weil sie in diesem einen eifrigenHelfer im Lager des Gegners gesehen hatte; weil sie befürchtete, daß einige poli-tische Erleichterungen dem konstitutionellen Principe zu Hülfe kommen könnten, wo-nach ja die Einmischung von Privatmotivcn in den Gang der öffentlichen Ereignissevon den wahrhaft Progressiven Elementen zurückgewiesen werden mußten.
Wie aber stellte sich die öffentliche Meinung Baicrns zu den Ereignisse»?Man muß hier zwei Perioden unterscheiden: die erste der momentanen Befriedigungdurch Abel'S Sturz, die zweite des Zweifels bis zur endlichen Bildung des Mini-steriums Maurcr-Zu-Nhein-Zenetti. Die große Masse dcS Publicums war allerdingsmit den veranlassenden Präcedcntien ziemlich ausgesöhnt, als ihr gleichzeitig mit demMemorandum von, 11. Febr. die Nachricht von Abel's Entlassung, und namentlichdie Äußerung des Königs (in einer Abendgesellschaft der Gräfin Lola Landsfeld am13. Febr.) zugetragen ward: „Alle meine Minister habe ich fortgejagt, das Jcsui-tenregimcnt hat aufgehört in Baiern." Vorzugsweise gab sich die Residenz der ,»,-befangensten Freude hin; um so unbefangener, als man hier fast ausschließlich vonder jesuitischen Richtung deS vorigen Ministeriums zu leiden, dagegen von andernSünden ihres Systems, z. B. von der Verwendung der Staatsgelder auf königlicheLieblingsplane aller Art, fast nur den Nutzen gezogen hatte. München, da« in der^hat keine organischen Vorbedingungen zu einer großen und gewerbreichen Stadtbesitzt, war unter dem bisherigen Regiment beides ohne sclbstcigene Anstrengungengeworden; eS konnte von neuen, strenger konstitutionellen Grundsätzen beinahe blosl-»,bußen an materiellen Vortheilen erwarten. Überdies war gerade in MünchendaS Urtheil der großen Massen über gewisse Verhältnisse im Allgemeinen äußerstnachsichtig, sodaß man auch der Lola Montez Glück und Erhebung vergönnt habenKurde, zumal die Stadt selbst hieraus klingende Vortheile ziehen konnte. Auf derandern Seite zeigten sich aber freilich viele Privatintcressen und namentlich die hoch-aristokratischen verletzt. Ware blos daS Ministerium nebst einigen seiner fanatisch-sten Anhänge entlassen worden, so würde vielleicht sogar einzig und allein ein Per-sonenwechftl diese Epoche Baiern« haben bezeichnen dürfen. Allein gewiß gabenwenigstens die gleichzeitigen, den Adel unmittelbar verletzenden Veränderungen IMHvfpersonale, die Entfernung und Versetzung Derer, welche der neuen Gräfin gesell«