Band 
Siebenter Band.
Seite
698
JPEG-Download
 

698 Baiern unter den Äbergangsmiinsterien von 1847—49.

schaftlich entgegenstanden, eine nicht mindere Veranlassung zu den residenzlichen Kon-sequenzen vom 11. bis 13. Febr., als die gouvernemcntale Kriegserklärung gegenden Ultramontanismus.

In den Provinzen, einige Theile Altbaierns ausgenommen, war die Befried!-gung über Abel's Sturz weit ernsterer Natur. Man athmete wirklich auf, wie be-freit von einem schweren Alp, und blickte um so vertrauensvoller auf den Ansangder Neugestaltung des Ministeriums durch Ernennung des Herrn von Maurer fürdie Portefeuilles der Justiz^ des Äußern und des Hauses, zumal durch das Memo-randum bekannt wurde, daß gerade er in der Staatsrathssitzung vom. 8. Febr. dieJndigenatsverleihung an Lola Montcz als „die größte Calamität, die über Baiernkommen könnte", laut und öffentlich bezeichnet hatte. Man sah dort in Maurer'sErnennung geradezu eine königliche Verheißung dafür, daß der königliche Wille bes-sern Überzeugungen zugänglich geworden sei, wol auch einen indirekten Beweis da-für, daß König Ludwig den bisherigen Ministern nicht wegen der persönlichen Jndi-gcnatsdiffcrenz, sondern wegen eines Negieruugsprincips den Abschied gegeben habe, iwelches bereits von drei Landtagen als des Neichs Verderb bezeichnet worden. Man ^war in den Provinzen befriedigter vom vorangegangenen Acte als in der Residenz;aber man knüpfte auch weit ernstere Erwartungen an solche Voraussetzungen alsdort. Denn in der Residenz, wo man mit den Verhältnissen, Persönlichkeiten undindividuellen Einflüssen genauer vertraut, konnte in den Äugen der ernstem Pro-gressiven die Ernennung des Herrn von Maurer nicht zuverlässig mit solchen Hoff-nungen gedeutet werden.

Allerdings genoß Maurer als ein Mann von liberaler» Ansichten der frühernZeit und wegen ftines Wirkens in Griechenland Achtung. Allein aus seiner späternStellung als Staatsrath in München war eigentlich nur bekannt, daß er persönlichHerrn von Abel opponire, wie er früher dem Grafen Armansperg in Griechenlandopponirt hatte, d. h. im einzelnen Falle, doch ohne bestimmte Principien im Allge-meinen, mehr aus juristischer Wohlweisheit im Formellen, als aus politischer Über-zeugung im Principiellen. Dessenungeachtet galt Herr von Maurer für einen per-sönlichen Feind des Herrn von Abel. Wer aber daran sich erinnerte, daß früherFürst Wallerstein seinen persönlichen Gegner Abel zum Nachfolger empfing; wernicht vergaß, wie es so häufig überhaupt vorgekommen, daß die persönlichen Feindezu Nachfolgern in Ungnade gefallener Beamten oder doch zu Nachrichtbringern vondieser Ungnade ausgewählt worden waren: der konnte jetzt auch in Herrn von Mau-rer keineswegs mit Gewißheit eine Garantie dafür erblicken, daß außer der Eman-cipation des Staatsoberhaupts von dem ultramontancn Einflüsse noch eine Befreiungdes Landes von den Principien der absolutistischen Hcrrschaftsübung erfolgen solle.Währte es doch sogar längere Zeit,' ehe die Entlassung der Minister Seinsheim undGumppenberg officiell verkündet ward, ja bis zum Ende deS Monats, ehe Diese»wenigstens „interimistische" Nachfolger ernannt wurden. Noch zweifelhafter über denWillen der obersten Staatsmacht zu einer wirklichen Neforni des bisherigen Systemswürde man aber geworden sein, wenn man schon damals erfahren hätte, daß Herkvon Maurer seine Amtsführung mit der Contrasignatur der Jndigenatsverleihungan Lola Montcz begann. *) Daß namentlich das Princip der Dicretenregierung und

*) Obgleich wir gewissermaßen dem chronologischen Gange unserer-Darstellung vorgreifen, .ist es doch nöthig, an dieser Stelle auf die Revclationen hinzuweisen, welche gerade zwf' >Jahre später (Februar 1849) in verschiedenen Erklärungen und Schriften erfolgten. Theil-von demokratischer, theils von ultramontaner Seite wurden den ehemaligen Ministern Maurttund Au-Rhein die heftigsten Vorwürfe über ihre Portefeuilleführung gemacht. Während derLetztgenannte sich gegen die Entfernung der ultramontancn Professoren von ihren Posten zurechtfertigen hatte, ward dem Erster» die Aufgabe, seine Contrasignatur der vielbesprocheneJndigenatsverleihung zu vertheidigen. Er that dies (Reichsrathssitzung vom 17. Febr ) 'einer juristisch spitzfindigen Rede, ungenügend eigentlich für Jedermann. Da er indessen n»weine besondere Erklärung zu Protokoll verhieß, hoffte man dort genügende Aufklärungen sfinden. Zm Wesentlichen hob jedoch diese Erklärung zur Rechtfertigung nur den eine» Pll"