702 Baiern unter den Übergang-ministerien von 1847—4S.
lassungssündcn unendlich schneller und erschütternder sich rächen, als die einer über-strömenden, einer natürlich übcrwüchsigen Kraft «Viciesnt, osvosnt oonsules, r>squill llslrimonti respuillioa capiat», so rief man einst den Staatsmännern des altenRoms zu. DaS ne quill lletrimonti wird in unsern Tagen nur eine freie Pressebeharrlich, umfassend und überzeugend erörtern können; an ihr zerbricht die votusinsita mortrllibus potvrlliss enpillo, sie allein kann schützen vor den tmdulentis tri-buuis, den eonsulidus praevalillis, und sie allein wird in urbo .10 loro tentamontaoivilium dsllorum zu paralysiren, ja für immer zu verhüten wissen."
Eine solche unklare, unentschiedene, und dem Publicum geradezu unverständlicheFassung der staatsma'nnischen Aufgabe mußte bei den Meisten als wüster Wort-schwall vorübergehen. Den Politikern Hähern Stils konnten aber nun nicht mehrZweifel darüber beikonnnen, ob das Ministerium sich Dessen genau bewußt sei, wases zunächst zu thun habe. Nur Spötter durften behaupten, diesem Programme zu-folge würden die Minister vorerst sich ausschließlich der Zcitungslectüre widmen,während die Staatsmaschine fortschnurre, um sich nach beendetem Studium der Zei-tungen den Lebensmarkt behaglich anzuschauen.
Das Ministerium der Morgenröthe oder der guten Hoffnung.
Jene staatsmännische Manifestation erschien am Montag (1. März) im vfficicl- ^len Blatte, nachdem am Sonnabend zuvor das Ministerium vollzählig geworden war.Herr von Maurer hatte die Woche der Alleinherrschaft noch benutzt oder benutzenmüssen, um einige jetzt misliebige höhere Beamte in gleicher Weise wie Herrn vonLassaulx zu beseitigen. Allein daneben waren die Concessionen gegen die Abel'schePartei bereits so weit gegangen, daß man Herrn von Abel's vollständige Omicsci-rung in die Verleihung der Gesandtenstelle am belgischen Hofe nebst dem dazu ge-hörigen Gehalte verwandeln zu wollen vorgab — eine Stelle, welche er unter KönigLudwig niemals antrat, aber später mit dem turiner Gesandschaftsposten vertauschte.Die Ultramontanen hatten Recht: das neue Ministerium begann seinen entscheidungs-scheuen Lauf unter dem Eindrucke der Furcht. Während am 1. März die Livree-bediensteten sich um daS Ausgabefenster der „Münchener politischen Zeitung" dräng-ten, um den Staatsdiener» deren neues Evangelium nach Haus zu tragen, standenbereits aufgeregte Haufen junger Leute um einen Anschlag im Universitätsgebäude.
Es waren just die Jüngsten der Musensöhne, Zöglinge des philosophischen Curses,untermischt mit Theologen, und was sie lasen, war die Anzeige deS Professors Las-saulx, daß er in den Ruhestand versetzt sei, somit Abschied von seinen Hörern nehme-Das war allerdings schon am vorhergehenden Tage, einem Sonntage, bekannt, dochnoch von vielen Seiten bezweifelt worden. Lassaulx war aber nicht nur in seinerPartei, er war auch namentlich unter den jünger» Studenten populär, denen nichtblos der Inhalt, sondern ebenso die formelle Einkleidung seiner Lehre imponiere. Dirmystischen Anschauungen, welche wie Urwahrhcitcn in mark- und kraftvollen» Vor-trage auftraten, bemächtigten sich leicht des poetische» Dranges der Jugend, u»dmußten um so mächtiger wirken, als in der That eine wüstendürre Trockenheit de§sachwissenschaftlichen Vertrags damals zu den charakteristischen Eigenschaften derMünchener Universität gehörte. Dieses erklärte sich schon dadurch, daß, ,außer t>e>'Vertretern des hierarchischen Radicalismus, die Lehrer der Hochschule an ganz l>e-stimmte, wenn nicht sactisch, doch moralisch ccnsurirte Vortrage gebunden waren, !ein solcher angewöhnter Zustand konnte sich seit dem Rücktritte Abel's »och n>^ ^verändert haben. So war es natürlich, daß sich jetzt an Lassaulx's kurzem Abschieddie Aufregung der Studenten entzündete, ohne daß die Agitationen der gestürzte"Partei ein offenes Hervortreten nöthig gehabt hätten. Die Demonstration bcga»"Vormittags mit einem Zuge nach der Wohnung Lassaulx's, dem man einbrachte. Verstärkt durch den Zulauf einer Masse von Neugierigen, bewegte si^hieraus die Menge noch zu drei andern Kollegen und Gesinnungsgenossen des P^ isessors, um hier dieselbe Huldigung darzubringen. Keine Abmahnung der Universi'