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Die Südslawen.
Die Verhandlungen mit dem östreichischen Hofe und das Patent vom 15. Dec. 1818.Hatte der Patriarch schon zahlreiche Gegner gehabt, als er Stratimirowitschdas erste mal des Oberbefehls enthob, und hatte sein offenbares Bestreben, alleNegierungsgewaltcn aus unumschränkte Weise und nur im Sinne der östreichischenRegierung auszuüben, die Zahl seiner Anhänger nicht vermehrt: so sah er nun, dadie Dinge auf dem Kriegsschauplätze eine so schlechte Wendung nahmen, den Sturmseiner Feinde gegen sich losbrechen, der sich seit lange über ihm zusammengezogenhatte. Offen warf man dem Wojwoden ein unverantwortliches Sichselbstübcr-lasscn der sonst so sieghaften Streitkräfte vor, offen dem Patriarchen eine größereAnhänglichkeit an die Sache deS Hofs als an die Sache der Nation; und die Nach-richten über den Fortgang der Verhandlungen, um deren willen Stratimirowitsch nachOlmütz gesandt worden war, vermochten diesen Sturm nicht zu beschwichtigen. Einneues Ministerium war an das Ruder der östreichischen Angelegenheiten getreten,das den Grundsatz hegte, die Südslawen möchten ihre Pflicht gegen den Feind desStaats getreu erfüllen, dann werde man sehen, was sich für sie thun ließe. Natür-lich, daß man nun auf die Unterhandlungen mit Stratimirowitsch nicht so schnellund eifrig einging, als das serbische Volk und wol auch der Patriarch wünschten.Wochen vergingen, ohne daß auch ein einziger Punkt der serbischen Maibeschlüssezur Erörterung kam. Die Eröffnung deS Winterfeldzugs gegen Ungarn und dieschwebenden Verhandlungen des östreichischen Reichstags gab den Grund für dieseZögerung ab. Nebenbei wurden bald Schwierigkeiten gegen den Wirkungskreisdes Wojwoden, bald Bedenken gegen die Ernennung eines Patriarchen gegenüberRußland, bald Anstände gegen die Absonderung eines eigenen serbischen Kronlandeserhoben. Die Kunde von diesem zögernden Verhalten verfehlte nicht die Befürchtungzu wecken, daß die letzten Verheißungen Östreichs kein besseres Schicksal habenwürden, als die von 1690 und 1691, und die den Patriarchen bekämpfende, vonTag zu Tag an Umfang zunehmende Partei verheimlichte es nicht mehr, daß siedamit umgehe, mit Östreich zu brechen und auf die mittlerweile von Ungarn gestell-ten neuen Pacificationsvorschläge auf breitester Basis der Gleichberechtigung einzuge-hen. Ein Umschwung der ganzen Bewegung in diesem Sinne stand jeden Augenblickzu erwarten, und der Patriarch sah sich, um das Äußerste zu verhüten, genöthigt,eine Note an die östreichische Regierung zu richten, in welcher er die Gefahr, in dersich das östreichische Interesse im Süden befinde, unverhohlen auseinandersetzte, und,indem er auf eine ««verzögerte Entscheidung drang, mit den Worten schloß: „Solltedie Diplomatie auch diesmal den Weg der Zögerung einschlagen, so würde ich derserbischen Nation gegenüber vielleicht wider meinen Willen mit der ungarischen Re-gierung in Unterhandlung treten müssen, um einem verheerenden Kriege ein Endezu machen. Hierdurch würde die letztere Regierung doppelt gewinnen, nämlich einealliirte Nation und stärkende Concentrirung ihrer Streitkräfte. Das Heer des Ba-nus besteht zur Hälfte aus Bekennern der griechischen Kirche. Auch diese würdenin der Pacification der Serben mit den Magyaren die Beendigung deS internatio-nalen KriegS sehen. Welche Folgen daraus entstehen könnten und würden, überlasseich der tiefen Einsicht einer k. k. Regierung. Auf jeden Fall erbitte ich mir be-stimmte und schleunige Antwort, damit ich hiernach handeln könne, und mich durchausweichende Antwort nicht in die Lage versetzt sehe, dem Dränge der serbischenNation nachgebend, den Vortheilen der Gesammtmonarchie in dem von mir gewünsch-ten Maße nicht entsprechen zu können." Als Antwort auf diese Note erfolgte vor-läufig nur die Versicherung von Seite der östreichischen Regierung, wie die Treueund Anhänglichkeit der serbischen Nation so laut für sich sprächen und dem Herzendes Monarchen so Nahe lägen, daß eS zur Erwirkung der wohlverdienten Anerken-nung in diesem wie in künftigen Fällen nicht erst dringender Deputationen und Notenbedürfe. Indessen schon in der zweiten Woche nach dem Regierungsantritte desneuen Kaisers erschien das Patent vom 15. Dec. 1848, in welchem die Wahl deSMetropoliten von Karlowih zum Patriarchen und des Generalmajors Stephan Schupli-