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Achter Band.
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Die neue deutsche Lyrik.

sodcn aus den Dichtungen des Firdusi mittheilte. Von dem Geiste orientalischer Lebens-weisheit genährt, war einer der originellsten deutschen Dichter, Leopold Schescr, inseinem „Laienbrevier" (Berl. 1835; 8. Aufl., 1852) mit einem sentenzreichen, andächti-gen Pantheismus und einem tiefsinnigen Versenken in die Mysterien des Alls aufge-treten. Ein reiches, warmes Naturlcben war hier mit Jean-Paulisirender Weihe er-faßt und poetisch verherrlicht. Dieses Erbauungsbuch denkender Laien, das jede Po-lemik gegen den kirchlichen Glauben vermied, wenn es auch seinem innersten Kerne»ach sich feindlich gegen denselben verhielt, tauschte selbst manche gläubigen Gemütherdurch Wärme der Empfindung und ethisches Pathos über seine Tendenz. Die dich-terische Form war paradox-genial, oft hart, scharf und ungenießbar, stets aber unterder harten Schale einen saftreichen Kern verbergend. Schefer's „Vigilien" (Guben1843) enthielten dieselbe tiefe Neflexionspoefie mit unerwarteten, genialen Wendun-gen, bizarren Phantasieergüssen und schimmerdcn Verstandesreflexionen, mit Hegel'-schem und Spinozistischem Pantheismus in einer Form, deren, häufige Ungelenkig-keit keineswegs von speculativen Wendungen und systematisch - abstractem Knochcnge-klapper, sondern von dem allzu großen und dichtgedrängten Gedankenreichthum her-rührte. Schefer ist ein lyrischer Jean Paul, ihm gleich an den Fehlern des Ee-dankenluxus, an oft herber und geschmackloser Form, sodaß seine Verse selbst hinund wieder an Jean Paul'sche Streckverse erinnern, sowie verwandt in allen Tugen-den, in fruchtbarer Phantasie, inniger Hingabe an die Natur, in genialen Arabes-ken des Humors, in reiner, schöner Gesinnung., Unmittelbarer als Leopold Schefergab Georg Friedrich Daumer in seinem „Hasis" (Hamb. 1846) orientalische Dich-terblüten voll Lebensduft, und eröffnete in melodischen Versen mit dem Pulver desOrients und dem Blei des Occidents ein heftiges Feuer auf die christliche Askese.Diese Gedichte Hasis' waren graziös, leicht geschürzt, voll Schwung und Frische,eine Wein- und Liebespoesie, ohne jeden sentimentalen Anstrich, eine Apotheose desheitern Genusses. Wie Daumer die Weisheit des persischen Dichters, so machteBodenstedt in seinen „Liedern des Mirza Schaffy" (Berl. 1851) die heitere Welt-anschauung des Weisen von Tiflis dem deutschen Volke zugänglich. Sowol Daumerwie Bodenstedt zeigten sich als vollkommene Bcherrjcher der dichterischen Fcrm, undWußten durch die Eleganz und den Geschmack, mit welchem sie diese Perlenschnurlebensfcischer Seiitenzen aneinanderreihten, ihnen den Reiz und Werth selbständigerDichtungen zu verleihen. Das Priesterthum der Humanität aber, dessen Flammeim Abendlande, gegenüber den bestehenden Verhältnissen, oft wild und verzehrendwie eine Brandfackel loderte, opferte im Orient behaglich und ruhig, in sich selbstbefriedigt und in Harmonie mit der Welt, an ehrwürdigen Altären, und warf da-durch einen Schimmer von Versöhnung auch auf die mächtig gährende, vorn Kampfeder Gegensätze zerrissene Poesie des Occidents. Besonders fand die deutsche moderneLyrik in ihrer Opposition gegen romantische Verhimmelung und gegen die demfrischen Leben abgewendeten Richtungen Halt und Stütze in der von Jahrtausendenunbewegten Lebcnspoesie des Morgenlandes.

Die Lyrik 1>er alten Richtung: c>) Die naive Lyrik.

Die Lyrik der alten Richtung erging sich entweder unbefangen in den altenGleisen der Wein- und Liebeslyrik und einer tendenziösen deskriptiven Poesie, odersie trat mit Erbitterung und Parteiwuth der Lyrik der neuen Richtung gegenüber,indem sie in Glauben und Sitte, Staat und Kirche die reactionäre Tendenz, dieTendenz der christlich-germanischen Restauration vertrat.

Die naive Lyrik blüht, wie eine Herbstzeitlose, auf allen Wiesen, da ihr Lenzsind ihr goldenes Zeitalter in unserm reflectirenden Jahrhundert nicht mehr zu suchen>st- Dennoch hat sie, als Ausdruck einfacher, wahrer Empfindung, auch in letzterZeit manche liebliche Blüte getrieben. Wir sprechen hier nicht von den Erzeugnissenund Schulen des vorletzten Jahrzchnds, das außer dem Kreise unserer Abhandlungliegt, nicht von der pommerschen Dichterschule, welche sich die abgefallenen Federn