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Achter Band.
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66 Die neue deutsche Lyrik.

sich schwerer nach bestimmten Gesichtspunkten classificiren, da die beliebige Eigenthüm-lichkeit des dichtenden Subjects ihr einziger Maßstab ist, und diese wieder durch keineGedankenfaden mit dem Geiste der Nation und des Jahrhunderts zusammenhängt.Wol gibt eS auch hier Talente, wie Franz Kugler („Gedichte", Sluttg. 1840), derdurch die Plastik seiner Darstellung, die anschauliche Schilderung wirksamer Situa-tionen und die durchgängige Correctheit der Sprache einen hervorragenden Rang ein-nimmt; aber die Mehrzahl dieser Lyriker, die, wie die Spinne, im Gewebe ihrereigenen Subjektivität hängen blieben, erhebt sich, selbst wenn Talent vorhanden, seltenüber das Niveau der Allerweltsdichtung. Die Nipptischpoesie von Ed. Ferrand („Ly-risches", Berl. 1839) fand viele Nachahmer, welche den Damen lyrisch den Hofmachten. Ritterlicher, derber schlug Braun von Braunthal darein („Gedichte",Nürnb. 1839; „Morgen, Tag und Nacht", Dresd. 1834, 2. Anst., 1843), wo-bei poetische Licenzen wie Lanzensplitter herumflogen und bei aller braven Gesinnungund männlichem Ton doch zu viel Staub aufwirbelte. Unter der Poesie des hohenAdelsthums, die durch Fürst Lynar, Graf Loben, Graf Strachwitz, Gras Blair-kensee und mehre Andere vertreten ist, zeichnen sich die „Gesammelten Gedichte"vom Grafen Alexander von Würtemberg (Stuttg. 1841) durch echt adelige Ge-sinnung, Phantasieschwung und sprühende Gedankcnfunken aus. Noch bedeuten-der, wenngleich der Richtung nach entgegengesetzt, sind die Gedichte von Franz Frei-herrn von Gaudy (enthalten in dessen „Sämmtlichen Werken", 24 Bde., Berl. 1844),in denen weniger deutscher Geist als französischer Esprit mit epigrammatisch-fchlag-haftcn Wendungen, und eine trübe, zerrissene Weltanschauung mit Heinisirender Fri-volität und dem das reine Gold des Gefühls auflösenden Königswasser der moder-nen Skepsis vorherrscht. Hierher gehören auch die interessanten Touristendichtungenvom Ritter Anton von Prokcsch-Osten („Gedichte", Stuttg. 1844) und die „Ge-dichte" von F. von Pechlin (Stuttg. 1840 und 1842), die eine gewisse ernsteTüchtigkeit verrathen, dabei von derbem Schrot und Korn sind, Hausmannskostaus der niederländischen Schule. Die gelehrte Poesie ist in den „Fünf BüchernGedichte" von Julius Minding (Berl. 1841) vertreten, welcher den pedantischen Zopfschon durch die griechischen Mottos verräth. Aus der großen lyrischen Concursmasseheben wir noch einige Gemükhspoeten heraus: Theodor Apel („Gedichte", Leipz.1840); Lorenz Dicfenbach („Gedichte", Gießen 1840), nicht ohne Lebendigkeit undKlarheit der Gedanken und Sprache; Nathusius („Gedichte", Magdeb. 1841), ge-haltvoll aber allzu kühn in sprachlicher Neuerung, Wort- und Satzverrenkung; KarlMaier („Sternbilder", Leipz. 1841), voll Pietät und innig; Friedrich Ludwig („Ge-dichte", Kassel 1842), jugendfrisch, in den „Wartburgstimmen" (Kassel 1843) patrio-tisch begeistert; Joseph Mendelssohn („Wilde Blumen", Leipz. 1843), mit elegischerFärbung und sorgfältiger Feile, die indessen nicht alle Trivialitäten beseitigt; Johan-nes Scherr („Laute und leise Lieder", Schaffh. 1842), zwischen Heine und derschwäbischen Dichterschule hin- und herrudernd; Karl Heinrich Schnauffer (Manh.

1846) , extravagant und maßlos; Arnim Werther (Hamb. 1851), nicht ohne Gcdan-kengehalt und Schwung; endlich die beiden Schlester Emil Leonhard („Bürger undMolly", Bresl. 1850) und Richard Kunisch („Primavera", Bresl. 1851), von denender Erste mehr Schwung, der Letzte mehr Zartheit der Empfindung zeigt. EduardKauffer („Gedichte", Leipz. 1849) zeigt sich lebendig, künstlerisch durchgebildet, nur bis-weilen zu pvintirt. Eerman Maurer in seinen „Herzensergießungen" (Leipz. 1847)ist kurz und bündig, während Karl Schimper („Gedichte", Erl. 1840 und Manh.

1847) , ein Naturforscher von Ruf, die ilorss und amoenitatss seiner Nebenstundennach Goeihe'scher Weise zum Kranze flicht, wobei viel Welkes aus den Herbarienmit unterläuft und viel Eckiges, Manierirtes und Carikirtes die Harmonie stört.Tiefer gehende Neflexionspoeten, denen die bloße Ausstrahlung zufälliger Empfindun-gen nicht genügt, sind: Krug („Lotosblumen", Bonn 1840), gediegen und gedanken-voll; Lohe („Gedichte", Leipz. 1840), brillant und vielseitig, aber mystisch-unklar;Horwiß („Lebenssymphonie", Berl. 1842), von originaler Frische, aber eckig und