98 China und die Länder seines Cultursystems.
bischen Religionen überhaupt, auf dem Grunde der Sccleuwandcrung aufgebaut.Alles was ist, so lautet die Hauptsatzung dieser weitverbreiteten Religion, war schoneinmal vorhanden und wird nochmals werden und werden, bis das All selbst wiederin die ewige Ruhe versinkt und der Kreislauf der Dinge sein Ende erreicht. Auchdie Religion der Buddhas, deren im Laufe der Jahrtausende gar viele erscheinen, istdiesem ewigen Wechsel der Geburt und des Todes unterworfen. Geht sie ihremEnde entgegen, nimmt Laster und Bosheit auf Erden übcrhand, so taucht ein neuerBuddha aus dem nimmer ruhenden Meere des Werdens empor, um die Religion— und dieselbe lehren alle Buddhas — zu verjüngen und das gesunkene Geschlechtzu heben. Diese Zeit, sagen die Leiter der geheimen Gesellschaften im Mittelreiche,sei bereits gekommen. Maitreya, so heißt der Buddha künftiger Zeiten, sei bereitserschienen; das regierende Herrscherhaus und die ganze bestehende Ordnung der Dingewerden gestürzt, damit aus den Trümmern des Vorhandenen ein frisches, jungesLeben cmporblühen möge.
Diese geheimen Verbindungen nehmen nach den verschiedenen Lehren des Bud-dhaismus verschiedene Namen an. Bald heißen sie Pelien Kiao, die Genossenschaftder weißen Wasserlilie (die weiße Wasserlilie ist ein Symbol der Geburten); balddie Genossenschaft zur Dreieinigkeit und des göttlichen Geistes; bald führen sie auchandere Namen, welche entweder ebenfalls dem Wesen des Buddhaismus entnommensind oder auf einheimischem Aberglauben beruhen. Denn die buddhistischen Missio-nare verfahren gleichwie die Jesuiten: sie haben die vorgefundenen Gebräuche undSitten, das Meinen und Wähnen des Volks mit dem neuen Heile zu verschmelzengesucht. Das Christenthum, welches dem Buddhaismus scheiubar verwandt ist und,freilich in ganz anderer Weise, ebenfalls die Erneuerung und Erhebung der Mensch-heit lehrt, ward deshalb nicht selten mit der Lehre des Schakiamuni und den ausihr fließenden geheimen Bünden verwechselt. Dies zeigte sich schon in frühern Zei-ten, und zeigt sich in unsern Tagen bei allen Verfolgungen, welche die geheimenGesellschaften der Anhänger des Schakia betreffen. Gewöhnlich waren und sind dieChristen mit Inbegriffen.
Diese auf den Umsturz der Mandschu sinnenden Gesellschaften haben sich in denletzten Jahren, besonders innerhalb der Besitzungen des britischen Reichs, zu Malakka,Singapur und andern Orten, sehr vermehrt; haben sogar, wie verlautet, schoneinige mal angefragt, ob ihnen nicht Großbritannien zur Vertreibung der fremdenGebieter bcistehen wolle? Jetzt mögen sie wol ihren Hauptsitz nach Hongkong ver-legt haben, um in der Nähe sicherer gegen ihre Feinde wirken zu können. Diechinesische Regierung erhob hierüber wahrscheinlich Beschwerden. Wäre dies nichtgeschehen, so würde der Statthalter Davis keine solchen barbarischen Strafen, wieBrandmarken, gegen die chinesischen Carbonari verhängt haben. Von diesen gehei-men Gesellschaften ist (November 1850) der Aufstand in Kuangsi ausgegangen; eswird sogar behauptet, der Häuptling, welcher seiner Negierungspcriode bereits denglänzenden Titel Tiente, Himmlische Tugend, gegeben hat, sei ein Bekannter desverstorbenen Gützlaff gewesen, welcher von ihm zum Christenthume bekehrt und mitgroßen Summen unterstützt wurde.
Die Missionare und der Landrichter Wan.
. Die Bemühungen des deutschen Sendboten Gützlaff, der katholischen Ordens-leute aller Art und der verschiedenartigsten protestantischen Missionare, deren be-reits an 130 in China beschäftigt waren und sind, um das Christenthum im Landezu verbreiten, blieben bis jetzt fruchtlos, und werden, wie wir wenigstens glauben,im Ganzen und Großen immer fruchtlos bleiben. Der von Gützlaff 1840 gestifteteund mit so hoffnungsreichen Worten verkündete Chinesische Verein ist jetzt (1852) invollständiger Auflösung begriffen. Eine Anzahl der sogenannten Neophyten verließ denSendboten, sobald er nicht mehr zahlte, und Andere wurden ihrer schlechten Auffüh-rung wegen, worunter Opiumrauchcu namentlich angeführt wird, vom Vereine aus-