100 China und die Länder seines Cultursystems.
In Betreff seines abenteuerlichen Titels des himmlischen Herrn, so erinnert euch nur,daß unsere drei ersten Könige und die sogenannten fünf erhabenen Gebieter, daßZao, Schun, Jutang und Wenwu, Tscheukong und Kongfutse ebenfalls als himm-lische Werkzeuge Bildung unter den Menschen verbreitet haben, und zwar auf alleZeiten für die Tausende und Zehntausende der Jahre. Ja, auch die verschiedenenLänder jenseit der Meere waren seit den frühen Jahrhunderten, lange lange vorJesus, von Völkerschaften bewohnt, welche unter bestimmten Ncgierungsformcn lebtenund Gesetze und Regenten hatten, um das Unrecht zu bestrafen. Wie abenteuerlichist es nun, den späten Jesus, aus den Zeiten der Han, einen Schöpfer des Him-mels und der Erde, einen Gebieter der Völker und Könige zu nennen?"
„In der Beschreibung der Reiche jenseit des Meeres, Lin aus europäischenSchriften zusammengetragenes Werk, das 1847 in zweiter Auflage erschien, ist zulesen, daß Maria, die Mutter des Jesus, die Frau eines gewissen Joseph gewesenist, daß Jesus mit seinem Vater brach und sich fälschlich einen Sohn des Himmelsnannte, empfangen von der Mutter im jungfräulichen Zustande. Wie er seinenVater verachtete, so verachten die Anhänger seiner Lehre ihre Altern. Den Vorfah-ren, den Fürsten, den erhabenen Abbildern der Geister werden keine Opfer, keineEhrfurchtsbezeugungen dargebracht; die Leute werden von allerlei Abenteuerlichkeitenerfüllt, in der Art, daß sie dem Wahne verfallen, Jesus sei höher als der Himmelund das Gesetz, als Vater und Fürst. Kindliche Verehrung und Anhänglichkeit anKönig und Vaterland, Theilnahme an den Mitmenschen und andere moralischePflichten sind für die Leute gar nicht mehr vorhanden. Deshalb entbrannte derZorn des Himmels, und den Jesus erreichte die Strafe. Der König von Judäa ließihn ergreifen. Seine Verbrechen wurden offenkundig, und er büßte sie nach denGesetzen des Reichs durch Annagelung an das Kreuz. Er konnte den Körper nichtbewegen; das Blut floß sieben Tage lang, bis seine ganze Gestalt davon bedecktwurde. Am siebenten Tage starb er und wurde begraben. Nun streuten seinearmen gesetzlosen und allenthalben sich herumtreibenden Anhänger das Gerücht aus,Jesus wäre nach drei Tagen aus dem Grabe erstanden, hätte noch 40 Tage gelebt,und sei dann in die Höhe geflogen. Das Märchen war in der Absicht erfunden, umdie Menschen zu dem neuen.Glauben zu verführen. Es ist die alte Fabel desSunegan, der sich nach dem Verluste des Treffens ersäufte und, wenn man seineJünger hört, ein Wassergeist wurde; es ist die Fabel der Rebellen der WeißenWasserlilie, welche behaupten, die Geister ihrer in unzählige Stücke zerhauenen Ge-nossen hätten sich in ferne Räume zu den himmlischen Wesen begeben."
„Die ganze Geschichte des Jesus ist voll Unbegreiflichkeiten. Wie konnte derKörper des Herrn des Himmels so wenig Herr seiner selbst sein, daß er gewöhnli-chen Sterblichen gestattete, ihn festzubinden und aus Kreuz zu nageln, daß er ster-ben mußte! Das Märchen seiner Anhänger, Jesus habe als Herr des Himmelsfür die Sünden der Menschen gebüßt, ist ja so außerordentlich lächerlich und abge-schmackt, daß nur ein Wahnwitziger daran glauben kann. Man denke sich nur: derGebieter des Himmels und der Erde ist allmächtig, er kann Alles thun, aber denMenschen ihre Sünden vergeben, nur das kann er nicht! Und deshalb muß er sichkreuzigen lassen! Alle diese Geschichten sind blos erfunden worden, um den schmach-vollen Tod am Kreuze zu beschönigen. Wenn nun aber die Barbaren behaupten,daß am Ende ihre Lehre, gleichwie die unserige, zur Tugend ermuntere und vomLaster abschrecke, so ist dies, merkt wol auf, durch und durch erlogen. Ihre Satzung:Diejenigen, welche an den Herrn des Himmels glauben, müssen auf Erden glückseligund nach ihrem Tode himmlische Geister werden; Diejenigen hingegen, welche diesenGlauben nicht haben, sind hienieden dem Elende und jenseits dem Gefängniß derHolle verfallen, ist der Feind jeder Moral, jeder Tugend. Hiernach sind gläubigeRäuber und gläubige Lasterhafte glücklich, ungläubige Gerechte und Verdienstvollehingegen allem Elende preisgegeben. Niemals ist die schöne Ordnung von Beloh-nung der Tugend und Bestrafung des Lasters so gänzlich verkehrt und verwirrt