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China und die Länder seines Cultursystems.
Während der ganzen Zeit seit der Vertreibung der Jesuiten und der Ausrot-tung des Christenthums — es sind jetzt mehr als zwei Jahrhunderte verflossen —erfreut sich Japan unter seiner altchinesischen Feudalverfassung einer ungestörtenRuhe und Wohlfahrt. Das ganze Reich ist in einem blühenden Zustande, und inallen Künsten des Friedens und des Kriegs weniger hinter der Zeit zurückgebliebenals China, das Mutterland seiner Cultur. Das Lchnswesen, welches im Mittel-reiche einem ausschließenden Beamten- und Verwaltungsstaatc weichen mußte, hattehier Kraft genug, sich gegen alle dkspotischcn Gelüste der Machthaber, die unter demEhrentitel Dairi oder Mikado bekannt sind, zu behaupten, wodurch eine gewisseFrische und Selbständigkeit bewahrt wurde. An der Spitze der Feudalherren steht,wie im Frankenreiche zu den Zeiten der Mcrvvinger, ein erblicher Hausmeier, Sco-gun oder Herzog geheißen. Die Hausmeier haben auch hier im Lauft der Zeit dieFürsten der eigentlichen Macht entkleidet und zu einem Opfcrkönig oder Oberpricsterherabgcdrückt. Die Bevölkerung, eine Abtheilung der Ainossamilie, welche mit
den Lieukie'u beginnt, sich hier nach Jeso und Tarakai, nach Kamtschatka, den Kuri-len und Aleuten erstreckt, überragt bei weitem an Körper wie an Geist die mongoli-schen Chinesen; sie ist auch nicht in dem Grade von der Vater Weise in Bande ge-schlagen. Das jesuitische Christenthum hatte hier in den ersten Jahrzehnden des 17.
Jahrhunderts solche tieft Wurzeln geschlagen, daß es nur vermittelst einer rücksichts-losen Grausamkeit ausgerottet werden konnte. Zwischen den Tod unter den furcht-barsten Qualen und den Abfall gestellt, haben einige Hunderttausende den ersten vor-gezogen. Das Reich ward jetzt allen Fremden, mit Ausnahme der dienstfertigenHolländer und der Chinesen, auf ewige Zeiten verschlossen. Vergebens haben Spa-nier und Portugiesen, die benachbarten Russen und die meerbeherrschenden Eng-länder, vergebens Franzosen und Amerikaner unter tausenderlei Verwänden gesucht,den Bann zu brechen: sie sind sämmtlich schmachvoll behandelt und mit Härte
zurückgewiesen worden. Die großen Staaten, zu welchen in unsern Tagen auf denGestadelandschaften längs des Stillen Oceans der Grund gelegt wird, wollen undkönnen wol auch nicht der herrlichen Zwischenstationen entbehren auf der Wasser-straße von Californien und Orcgon nach dem östlichen Mittelreiche und den weitge-streckten Marken der Tatarei. Sie , spotten des ausschließenden Völkerrechts derDairi und des Grundsatzes der Nichtintervcntion.
Die Fahrzeuge Japans sind wie die chinesischen sehr gebrechlicher Art und ihreCapitänc im Seewesen wenig erfahren. Man findet deshalb ringsum auf den In-seln und dem Festlande, in der Boningruppe und Tarakai, zu Kamtschatka wie längsder Gestadelandschaften Koreas und Chinas nicht selten schiffbrüchige oder durch Ge-genwinde verschlagene Bewohner des östlichen Jnselreichs. Russen und Franzosen,Engländer und Amerikaner suchten nacheinander das Unglück dieser armen Leute zuihrem Vortheile auszubeuten. Man will sich den Gebietern Japans durch Zurück-führung ihrer Unterthanen empfehlen; man will dadurch freien Zutritt im Landeund einen Antheil an dem gewinnreichen Verkehre erhalten. Bis jetzt sind alle dieseVersuche mislungen. Die Japanesen sehen die hinter der scheinbaren Menschlichkeitlauernde Selbstsucht. Seitdem die Vereinigten Staaten den ersten Versuch dieserArt machten, sind bereits 15 Jahre verflossen. Zwei Missionare, unser LandsmannKarl Gützlaff und der Amerikaner Wells Williams, fuhren in dem Schiffe „Mor-rison", welches einem amerikanischen Handelshause, Olyphant und Comp. zu Macaogehörte, nach Japan, und gingen in der Bucht Jedo vor Anker, wie sie vorgaben,einzig und allein zu dem Endzwecke, um sieben Leute, welche an den Küsten Chinasstrandeten, in ihr Vaterland Zurückzubringen. Die Japanesen waren aber in Macaoim Christenthume unterrichtet und zu westöstlichen Kundschaftern herangebildet wor-den. Die Regierung des Seogun empfing die fremden wie die eingeborenen Spionemit schwerem Geschütze, und der „Morrisons konnte von Glück sagen, daß erunbeschädigt entkommen und nach Macao zurücksegeln durfte/ Acht Jahre später(1815) rettete ein nordamerikanischer Walsischjäger 22 andere Japanesen und brachte