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Achter Band.
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Die Alpen. 121

selbst bei 2L000 Fuß mit dem Senkblei noch keinen Grund finden konnte. Dieeben angeführte bedeutende Tiefe der Alpenseen bei ihrer verhältnißmäßig geringernAusdehnung beweist deutlich, ebenso wie noch manche andere Erscheinungen, die ichspäter berühren werde, daß die großen Höhlungen des Bodens, welche jetzt ihreGewässer beherbergen, wol nur die Folge großartiger Senkungen und Einstürzungender Felsschichtcn über unterirdischen Cavitäten sein können. ...

Jedermann kennt die mit Recht so berühmten Namen des Genfer-, Züricher-,Bodensees u. s. w., der Seen der bairischen und östreichischen Alpen. Den male-rischsten und lieblichsten Eindruck bringen die herrlichen Seen der südlichen Alpen-gruppen hervor. Dieser Eindruck wird noch bedeutend erhöht, wenn, wie es dennLago maggiore und Comersee leicht geschehen kann, der Wanderer nach einem langer»Aufenthalte in den abgeschiedenen Hochgebirgen in dem Verlaufe weniger Stundenihre mit allen Reizen der südlichen Vegetation geschmückten Ufer betritt. Eine Recheschöner Villen in der so zierlichen italienischen Bauart, umgeben von prächtigen,Gärten und Terrassen, begrenzen den Wasserspiegel; darüber hin ziehen sich die, grü-nen Wälder der Kastanien und Walnüsse an den Abhängen hinauf, bis in derHöhe die nordischen Coniferen wieder ihr Recht geltend machen. Wie herrlich z. B.ist der Überblick des Comersees von der Landzunge von Bellagio aus; die tiefblauenWasser des bewegten Sees bilden hier mit den schöngeformten Bergen der Uferund den zahlreichen Ortschaften, deren helle Farben dem Beschauer überall entgegen-schimmern, einen Gegensatz, der an Schönheit seines Gleichen sucht. Wie vielsachverschieden ist dieser Anblick von dem Charakter der bairischen und salzburger Alpen-seen, welche, wie z. B. der Königssee, zwischen himmelhohen Kalkwänden einge-schlossen sind oder stellenweise von ernsten und monotonen Tannenwaldungen um-säumt werden. Aber dennoch lassen sich wieder manche Vergleichungspunktc auf-finden: die Stelle der schönen Gebirgsplatanen der nördlichen Alpen vertritt imSüden die Olive und die Kastanie; statt des frischen Grün der Buchenwälder, welchedie schweizer Vorberge umgürten, finden wir hier zwar edlere Bäume, aber beidesbleibt beiden gemeinsam: der frische Hauch der Alpennatur.

Das tiefe Blau ihrer Wasser, die herrlichen Contoliren der Berge bleiben die-selben, ob die Früchte des Südens ihre Ufer schmücken oder ob die dunkele Tannesich in ihren Fluten spiegelt: Alles weist darauf hin, daß sie beide nur verschiedenePhasen jener großartigen Natur sind, welche sich uns von den Gletschern der Hoch-alpen bis herab zu den freundlichen Scenen der subalpinen Regionen offenbart.

Durch Wildheit und Großartigkeit der Scenerie sind besonders einige Stellender von hohen steilen Kalkwänden umschlossenen Seen, des Königssees, des Vier-waldstättersees u. s. w-, ausgezeichnet. Der Eindruck solcher Stellen wird noch er-höht, wenn, wie es nicht selten geschieht, durch heftige Stürme ihre dunkelblauenWasser zu mächtigen Wellen aufgeregt werden,best bekannten schönen Versen aus:

Schiller drückt dies im „Teil" in

Wenn der Sturm

In dieser Wasserkluft sich erst verfangen,

Dann rast er um sich mit des Raubthicrs Angst,Das an des Gitters Eisenstäbe schlägt!

Die Pforte sucht er heulend sich vergebens;

Denn ringsum schränken ihn die Felsen ein,

Die himmelhoch den engen Paß vermauern.

6) Pässe und Kämme.

Die zahlreichen Thäler, welche sich zwischen den einzelnen Alpengruppen undGcbirgszügen befinden, werden durch verschiedene größere und kleinere Depressionender Hauptkämme unter sich verbunden. Die mächtigsten dieser Paßeinsenkungcnfind jene, welche die Längenthäler verbinden, da die letztem wegen ihres regelmäßigenCharakters und ihrex größer» Breite stets die vorzüglichsten Communicationswegeim Innern der Alpen gewesen sind. Die, so bekannten Schwierigkeiten der Alpen-