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Achter Band.
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Die Alpen.

erfolgt, da das Wasser, welches hier mit geringerer Schnelligkeit fließt, nicht mehrdie Kraft hat, dieselbe» fortzubewegen- In den stark geneigten Thalengen hingegenerlangt das Wasser eine weit größere Geschwindigkeit, und ist daher im Stande, dieFelsen auszuhöhlen und sich ein tieferes Bett zu graben.

Die Form der Berge und Gipfel, welche sich zu beiden Seiten eines Thalserheben, hängt sehr wesentlich ab von der Stellung der Felsschichten, indem da, wodieselben sehr steil aufgerichtet sind oder fast vcrtical stehen, mehr isolirte Fclsenua-deln auftreten als an jenen Punkten, in welchen die Schichten nahezu horizontalsiegen und dann plateauartig auf dem Nucken eines Kammes ausgebreitet sind. Auchdie Beschaffenheit der Felsart, ihre Sprödigkeit und Verwitterbarkeit ist nicht ohnegroße» Einfluß auf die Formen der Berge und Gipfel. Die steilsten und größtenWände kommen im Allgemeinen im Kalk und Granit vor, weil diese beiden Felsar-tcn eine mehr krystallinische, körnige Struktur haben, wahrend die weichern Schieferweit häufiger sanfte und gerundete Abdachungen bilden. In den Kaikalpen, beson-ders in den Dolomiten des südlichen Tirol, kommt es häufig vor, daß auf demNucken der ungeheuern Felswände sich kleine Plateaux ausbreiten, über welche dieeigentlichen Gipfel nur sehr wenig hervorragen. In dem Granit, Gneuß undGlimmerschiefer der Centralpcn hingegen sind ähnliche Verhältnisse sehr selten. Aufihren schmalen Kämmen erheben sich meist jene Hörner und Pics, welche so wesent-lich den Charakter der Hochalpen bedingen. Die obersten Contouren der oberstenSpitzen werden überdies durch die Verwitterungen und besonders die Erosionendurch Regen- und Schneewasser wesentlich bedingt. Das Wasser dringt in die Fels-spalten ei», und bei der großen und anhaltenden Kälte der Hochregioncn gefriert esselbst bis in große Tiefen. Da nun das Wasser bei seinem Übergänge in Eis sichsehr bedeutend ausdehnt, so werden die Felsen durch diese mechanische Kraft nachallen Richtungen zerspalten und zerrissen. An den höchsten isolirtcn Kämmen sinddiese Wirkungen sehr auffallend; sie erscheinen oft wie ein Haufwerk gigantischerFelsentrümmer, die nur durch das vielfache Ineinandergreifen ihrer Kanten undEcken ün Stande sind, der gänzlichen Zerstörung zu widerstehen. Zuweilen bleibeneinzelne Blöcke thurmartig aufgeschichtet übereinandcrliegcn, und der ganze Kamm wirddadurch auf das mannichfasie eingezahnt. Bei fortgesetzter Zerstörung stürzen dieseFelsennadeln in großen Massen in das Thal, und sie bewirken dann jene Verhee-rungen, die in ihrer Nähe so gefürchtet sind. Ein interessantes Beispiel dieser Er-scheinungen gewähren die Aiguilles des Diablerets oberhalb Bex im Nhoncthalc,deren häufige Eiustürzungen zunächst dadurch hervorgebracht wurden, daß die oberngezackten Kalkgipfel auf einer Unterlage von leichter zerstörbaren Felsartcn, von Thonoder Gyps ruhen, welche von Negenwasser nicht selten theilweise unterhöhlt werdenund dann nebst den darüber befindlichen Massen in das Thal herabstürzen.

k) Ursachen der GcbirgSerhcbungen.

Die Ansichten über die Bildungsweise der Thäler und der Bergketten habenin dem letzten Jahrhundert vielfache Veränderungen erfahren. Man hat zuweilendie Thäler fast ausschließlich als die Wirkungen der Wasserströmungen betrachtet,und ging dabei von der Erfahrung aus, daß ein schnellfließender Strom eine bedeu-tende eradircnde Kraft nicht nur auf losen Sand und Geschiebe, sondern auch auffeste Felsen ausübt, welche er vielfach aushöhlt und mit sich fortführt. Diese An-sichten waren besonders früher herrschend. Die berühmten Naturforscher Bourguet undBussen glaubten gesunden zu haben, daß fast in allen Thälern die beiden Seitenin Beziehung auf ihre Formen völlig correspondirtcn, indem hervorspringende Par-tien der einen Seite stets einer entsprechenden Cavität der andern gegenüberstan-den, wie es in der That bei den Windungen der Flußbette in Sand und Geschiebender Fall ist. Sie glaubten, daß alle Thäler in schlangenartigen Windungen zunächstdurch submarine Strömungen hervorgebracht werden; während andere Geologen die-ser Zeit, z. B. der berühmte russische Reisende Pallas, ferner Saussure und der