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Achter Band.
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Die Alpen. 127

große Mineraloge Werner sich dieser offenbar naturwidrigen Generalisation wider-setzten und zu beweisen suchten, daß die Thäler großentheils durch die Erasion gro-ßer Flüsse hervorgebracht seien und nicht, wie Buffon meinte, durch weitverbreiteteMeeresströmungen. Auch sah man schon damals ein, daß die Erasion nicht hin-reichen dürfte, um die Bildung der Thaler, besonders in großen Gebirgen, zu erklä-ren, und man schrieb daher einer theilweisen Umwälzung und Einstürzung der Schich-te» über unterirdischen Höhlungen einen localen Einfluß zu.

ES dürste als der wesentlichste Fehler ähnlicher Ansichten zu betrachten sein,daß man die so abwechselnden und in verschiedenen Gebirgen so abweichenden For-men der Thäler nur unter einem einzigen Gesichtspunkte auffaßte und sie mit we-nigen Modifikationen auf eine Ursache zurückführen wollte, indem damals die Beobach-tungen der Geologen sich nur auf vcrhältnißmäßig wenige Punkte der Erdoberflächebeschränkten. Jedermann wird leicht einsehen, wie sehr sich die großen Erasions-thäler der Ströme in Geschieben oder in leicht zerstörbaren Ablagerungen von denvielfach verzweigten Thälern hoher Gebirge unterscheiden, welche sich bald zu schönenBecken erweitern, bald in enge Schluchten übergehen.

Für die Auffassung und Beurtheilung dieser Bildungsformen ist es nöthig, dennmern Bau der Erdoberfläche näher zu studiren. Bekanntlich besteht ein sehr gro-per, ja der überwiegende Theil der Gesteine, welche an der Erdoberfläche auftreten,aus Sedimenkbildungcn, d. h. aus solchen, welche durch den Absatz der im Wasserschwebenden festen Felstheilchcn auf dem Boden des Meeres oder großer Landfee»entstanden sind. Die zahlreichen Flüsse und Bäche führen nämlich stets eine großeMenge von seinen Suspensionen, von Schlamm und Sand mit sich, welche ihremehr oder minder trübe milchige Farbe hervorbringen. Sobald sich diese Flüsse inMeere oder Seen ergießen, wo ihre Bewegung aufhört, müssen sie, nach den all-gemeinen Gesetzen der Schwere, die mitgefühlten erdigen Theilchen zu Boden fallenlassen, welche dann am Grunde der großen Wasserbecken stets neue sandige oderthonige Ablagerungen bilden. Die Thiere, welche im Meere leben, werden, sobaldsie nach ihrem Tode zu Boden sinken, in diesen Ablagerungen eingeschlossen. Wennbei spätern Veränderungen der Erdoberfläche, im Laufe langer geologischer Periodender Boden der Meere oder Seen trockengelegt und emporgehoben wird, so erhärtenunter dem Einflüsse verschiedener chemischer Vorgänge die früher dort gebildeten Ab-lagerungen, und bilden dann später feste ausgedehnte Felsschichten, deren Bildungs-zeit im Vergleiche zu andern Ablagerungen den Geologen durch die darin enthalte-nen organischen Einschlüsse aufgedeckt wird, indem sich durch ausgedehnte wissen-schaftliche Untersuchungen gegenwärtig das höchst wichtige Resultat herausgestellt hak,daß in verschiedenen Perioden der Entwickelungsgeschichte unserer Erde stets verschie-dene Thiere und Pflanzen existirten, die sich deutlich von allen frühern und spa-terfolgenden unterscheiden. Es ist natürlich, daß alle Ablagerungen, welche aufähnliche Weise am Boden des Meeres entstehen, im Allgemeinen eine horizontaleLage haben müssen; und dennoch finden wir sie gegenwärtig in den Gebirgen oftsehr mannichfach zerrissen und aufgerichtet, ja zuweilen vertical stehend. Zu gleicherZeit haben sich später zwischen denselben aus dem Innern der Erde geschmolzeneoder breiartige Massen, wie Porphyre, Basalte u. s. w., hervorgedrängt, wodurchnach und nach die frühere Lage und Stellung der Fclsarten wesentlich verändertwurde. Die Aufgabe der Geologie ist es, die Anordnung dieser Fclsarten unddie Stellung der Schichten in den verschiedenen Theilen eines Gebirgs zu verfolgen.Man ist durch diese Untersuchungen zu der Einsicht gelangt, wie innig die Lage undStellung der einzelnen Schichten mit der Aufrichtung und Bildungsweise ganzerGebirge sowol wie mit der Entstehung der Thäler zusammenhängt. Die Verhält-nisse der Schjchtenstellung kann man in der Ebene sowol als an den natürlichenDurchschnitte», welche die Hügel und Berge gewähren, beobachten. An den letzter»sind sie besonders in die Augen fallend und merkwürdig, indem hier die höher»Schichten in der Regel auch am steilsten aufreckt stehen,- während an den Abhan-