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Achter Band.
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Die Alpen.

gen und am Fuße des Gebirgs die Neigung allmälig immer unbedeutender wird,sodaß man zuweilen in der Ebene genau dieselben Schichten, welche in dem Ge-birge aufrecht standen, in der ursprünglichen Lage erhalten und mehr oder wenigerhorizontal auskaufen sieht. Auf jene geneigten Ablagerungen sind an den Abhängenund besonders in der Nähe des Fußes der Gebirge andere Felsblöcke abweichend undnicht selten ganz horizontal abgelagert. Es ist dies ein Beweis, daß die letztemSchichten nicht mehr von der hebenden Kraft berührt wurden, welche die erstemaus ihrer ursprünglichen Stellung herausgerückt hat; sie mußten also erst später ab-gelagert worden sein, nachdem das Gebirge schon zu seiner jetzigen Form erhobenwar. Diese Theorie von der Aufrichtung der Gebirge durch mechanische Kräftewurde besonders durch die Beobachtungen von L. von Buch, dem berühmtesten derjetzt lebenden Geognosten, ferner von A. von Humboldt, welcher die Lagerung derGesteine in beiden Hemisphären verglich, von den englischen Geologen, und vorzüglichauch von Elie de Beaumont ausgebildet. Der Letztere hat ihr in mehren meister-haften Arbeiten die speciellste Begründung gegeben.

Es ist klar, daß die Bildung eines so hohen Gebirgssystems, wie die Alpen,einer innern emporrichtenden Kraft ihre Entstehung verdanken müsse, daß es nichtdurch die Einwirkungen von Strömen und Mceresfluten hervorgebracht sein könne,wie man etwa mit mehr Schein von Wahrscheinlichkeit für kleinere Gebirge anzuneh-men versuchen mag. Außer der Schichtenstellung bieten auch die früher angeführtenFormen der Thäler und Berggehänge eine wesentliche Unterstützung für die Richtig-keit dieser Ansicht. Wenn die Thäler nur durch Erosionen der Flüsse entstandenwären, so müßten sie, um nur eines von vielen Beispielen zu erwähnen, in ihremganzen Verlaufe im Allgemeinen ziemlich gleiche Weite und gleiche Formen haben,wie es ja in der That bei den wirklichen Erasionsthälern großer Flüsse in Gerölleoder in kleinen Gebirgsketten der Fall ist. Es ist nicht zu leugnen, daß viele dergroßen Thalbecken früher von mehr oder minder ausgedehnten Seen erfüllt waren,deren Wasser durch Unebenheiten der Thalsohle in den später folgenden Schluchtenaufgestaut war. Erst nachdem diese hervorstehenden unregelmäßigen Felsen von demWasser bis zu einer gewissen Tiefe durchnagt waren, konnte sich der darüber befind-liche See entleeren. Die Bildung des Thalbeckens war demnach nicht, wie manhäufig irrig annahm, von dem frühern See abhängig, da ja sein Wasser sich nur ineiner schon vorher existirenden Erweiterung ansammeln konnte.

Noch weit häufiger wurden die Thalengen als das ausschließliche Product derErosionen betrachtet, und wirklich sind auch in denselben die Wirkungen des Wasserswegen des stärkern Gefälles und wegen der Enge des Flußbettes weit bedeutender.Aber bei einer genauen Untersuchung überzeugt man sich leicht, daß sich die Wirkun-gen der Erosionen nur auf die untern Theile bis höchstens 300 oder 800 Fußüber der Thalsohle beschränken. Diese untern ganz engen Partien können allerdingsblos durch die Kraft des Wasserstroms in dem festen Felsen ausgehöhlt worden sein,und man ist im Stande, wo dies der Fall gewesen, noch häufig an den WändenSpuren des frühern Wasserlaufs und Wellenschlags in der Form kleiner rundlicherund glatter Höhlungen zu bemerken. Aber die ausgedehnten, darüber gelegenenTheile der Thalcnge bis zur Höhe der Kämme und Gipfel sind ganz entschiedenunabhängig von den Wirkungen des Wasserlaufs, und hängen in ihrer Entstehungauf das innigste mit den Ursachen zusammen, welche überhaupt die Bildung derThäler und der sie trennenden Bergketten hervorgebracht haben. Es scheint, wieich bereits erwähnte, dieselbe hauptsächlich in einer Reihe von langsamen, successivenHebungen zu liegen, mit welchen sich an manchen Stellen ein theilweises Zurück-sinken der Schichten verband. Diese Senkungen fanden hauptsächlich da statt- woman gegenwärtig die größten Mulden und Thalbecken und die so überraschend tiefenAlpenseen antrifft.