Die Alpen. 131.
weniger steil als im Gneuß oder Granit, sind häufig bis zu großen Höhen mitAlpenweidcn bedeckt.
Noch weit größer werden die Unterschiede der Gebirgsformen, wenn man sichvon hier in die Kalksteinzüge begibt, welche in einem breiten Saume die Alpen imNorden und Süden begrenzen. Schon in ihren äußern Charakteren sind dieselbenungemein leicht von den Bergen der krystallinischen Schiefer zu unterscheiden. Mantrifft hier, in Ostreich sowie in der Schweiz, jähe hohe Kalkwände von blaugrauerlichter Farbe und langen zusammenhängenden Rücken, statt der isolirten Felsengipfelder Ccntralalpen. Da zu gleicher Zeit die Höhe des Gebirgs in diesen seitlichenGruppen stets herabsinkt, ändert sich auch der Charakter der Vegetation und derGesammteindruck, welchen der Beschauer empfängt.
d) Einteilung der neptumschen Formationen.
Jedoch sind es noch ganz andere als diese äußern Charaktere, welche den Geo-logen bei einer Untersuchung der Alpengesteine leiten. Zn allen diesen Kalk- undSandsteinen findet man nämlich versteinerte Thiere, die damals lebten, als dieliebn Boden der Meere abgelagert wurden. Diese bilden jetzt den vorzüg-
chjten Anhaltepunkt zur Classificirung und Vcrgleichung der verschiedenen Felsarten.
E neptunischen Gesteine nach den darin enthaltenen Versteinerungen undNut Rücksicht auf ihre Übercinanderlagerung in verschiedene geologische Formationeneingetheilt, deren vorzüglichste ich hier zur bessern Übersicht folgen lasse. Es sinddies 1) die ü'bcrgangsformation, oder auch das Silurische und Devonische Systemgenannt. Dieselbe besteht meist aus schwarzen Thonschiefern und dunkeln grauenSandsteinen (Grauwacke). Zn dieser Formation findet man die ersten und ältestenThieruberreste auf der Erdoberfläche, welche alle gegenwärtig fast gänzlich ausgestor-benen Arten und Geschlechtern angehören. Dieselbe tritt z. B. auf in Deutschlandm der Eifel, am Rhein, geht von da nach Belgien, England, und bedeckt sehrausgedehnte Flächen in Rußland und in Nordamerika. 2) Die Kohlenformation, ins"* großen Massen von fossiler Steinkohle befinden, die in neuerer Zeit
R b * Industrie und das Leben der Völker von so ungcmeiner Wichtigkeit undedeutuug geworden sind. Bekanntlich sind alle diese enormen Steinkohlenlager ausfrühern Pflanzen entstanden, welche in ihren äußern Formen großentheils jenen ähnlichwaren, die man noch heute in den Tropenländern antrifft. 3) Die Triasformation,bestehend aus den drei Abtheilungen, dem bunten Sandstein, Muschelkalk und Keu-per. 4) Die Juraformation, so benannt nach dem Zuragebirge, in welchem manzuerst die Charaktere dieser Felsarten und ihrer Petrefacte sorgfältig studirt hat.Diese Formation nebst der folgenden ist besonders in den Alpen ungemein entwickelt,o) Die Kreideformation, welche einen sehr großen Theil der Erdoberfläche be-deckt. Dieselbe ist nach den geistreichen Untersuchungen und Betrachtungen des schonerwähnten Geologen L. von Buch für die Geschichte unserer Erde und ihrer klima-tologischen Veränderungen von speciellem Interesse. Die zuerst angeführten Forma-tionen finden sich nämlich auf den verschiedenen Punkten der Erdoberfläche bis zuden beiden Polen zerstreut. Die, Temperatur des Erdkörpers, welche damals, wieman aus verschiedenen Ursachen zu beweisen vermag, bedeutend höher war, vertheilteuch zugleich auf eine sehr regelmäßige Weise über die ganze Erdoberfläche bis zu denPolen, sodaß das Leben der Thiere und Pflanzen nicht, wie gegenwärtig, nach ver-'chwdcncn Zonen abgegrenzt blieb, sondern sich im Gegentheile gleichmäßig über dieganze Erde verbreiten konnte. Während der,. Kreideperiode hingegen tritt zuerst einkun"'^ -wischen den Polen und den dem Äquator genäherten Punkten in Bezie-A das Leben und Gedeihen der Thiere hervor, eine Erscheinung, welche sich
. ^ abbis zur Gegenwart immer mehr ausgeprägt hat. 6) Die Tertiärfornia-
/ ex drei Abtheilungen, eine obere, mittlere und- untere, getrennt wird.
rest Formation hat das Eigenthümliche, nicht wie die frühern auf der Erdoberfläche
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