Band 
Achter Band.
Seite
134
JPEG-Download
 

134 Die Alpen.

dehnte und wenig tiefe Meere, dazwischen einige kleine Inseln: dies war wahrschein-lich das Äußere der damaligen Erdoberfläche — sehr verschieden von dem Anblicke,welchen gegenwärtig unsere tiefen Meercsbecken, unsere großen Continente und hohenBerge gewähren. Charakteristisch ist dabei die völlige Abwesenheit der Säugethiere,der Vogel und Reptilien, während die Fische allein die Classe der Wirbelthiere re-präsentiren. Nach und nach vergrößerte sich aber die Masse des freiliegenden Landes,und es traten jene großen „Farcen- und Calamitenwälder auf, welche durch verschie-dene Erschütterungen und Überschwemmungen niedergeworfen, mit Sand und Thongemengt wurden und jetzt als ausgedehnte Steinkohlenlager einen so wesentlichen Ge-genstand der menschlichen Industrie und des Weltverkehrs bilden. Die Dicke derKohlenschichten und ihre große Zahl zeigen, daß diese Periode sehr lang war, undLaß die theilweisen Umwälzungen sich häufig wiederholten.

In der zunächst folgeirden großen Periode der Trias- und der Juragruppe istbesonders das Auftreten großer Amphibien von Wichtigkeit, die sich zusammen mit sehrsonderbaren Thieren, den Ichthyosauren, zuweilen in großer Anzahl, vorfinden. Inder Kreideperiode begegnet man zuerst einer Anzahl von Vogelresten; die Säuge-thiere fehlen gänzlich. Unter den Fischen treten einige neue große Classen auf.

Die Tertiärzeit nun erscheint vorzugsweise als die Zeit der Säugethiere, welchehier zuerst auf der Erde in größerer Menge lebten, während die jetzige, jüngste Periodedurch das Erscheinen des Menschen charakterisirt ist. Indessen nicht nur durch dasAuftreten der Mammiseren, sondern auch durch das Vorkommen der. Jnsektenwelt inzahlreichen Arten wird „die Tertiärzeit der unseligen genähert. In den Alpen befindetsich in der Nähe von Öningen bei Stein eine Bucht, in welcher hauptsächlich durchdie Bemühungen von Oswald Heer bereits mehre Hunderte von fossilen Jnsektenartcngesammelt und beschrieben wurden. Eine zweite ähnliche Localität am Ostrande derAlpen ist Radoboji. Die Insekten lebten hier in den umgebenden Wäldern, derenReste noch jetzt in den Braunkohlen aufbewahrt sind; sie geriethen in den Schlammdes Sees hinein, der, später zur Steinmasse erhärtend, ihre Neste ganz oder theil-weise conservirt hat. Diese Insekten sind alle verschieden von denen der Jetztzeitund am meisten , mit denen der Umgebungen des Mittelländischen Meeres überein-stimmend. Noch zahlreicher sind jedoch bekanntlich die Reste der Insekten jener Zeit,welche man in den Bernsteinen eingeschlossen findet.

6) Plutonische Gesteine der südlichen Alpen.

Es würde zu weit führen und ermüden, wollte ich eine allgemeine Darstel-lung der Verbreitung der Formationen in verschiedenen Theilen der Alpen versuchen.Es möge nur erwähnt sein, daß die neptunischen Kalkstein-, Sandstein- und Schie-ferzüge in Östreich, Baiern, der Schweiz und in Frankreich ununterbrochen denNord- und Nordwestrand der Alpen bilden. Im Süden hingegen ist ihre Verbrei-tung weit unregelmäßiger. Sie treten in den Julischen Alpen, in Jllyrien, Steier-mark u. s. w. in großer Mächtigkeit auf, jedoch weiter nach Westen hin nehmen siestets an Breite ab. An den Ufern der Scsia und in der Nähe des Lago maggioreverschwinden sie gänzlich, und erst nach einer langen Unterbrechung zeigen sich wie-der einzelne Partien derselben in den Meeralpen. Jedoch eine andere Formation,welche in den südlichen Alpen auftritt, darf bei einer allgemeinen Skizze der Alpcn-geologie nicht mit Stillschweigen Übergängen werden: nämlich die Melaphyre, Por-phyre und Dolomitmassen der venetianischen, tiroler und mailänder Alpen.

Sobald man über die Centralkette der östlichen Alpen, über den Brennerpaßoder über einen der hohen Tauernpässe gestiegen ist, wird man plötzlich überrascht durchgigantische, kühngeformte Bergmassen. Es sind auch Kalksteine, die sich aber da-durch von den gewöhnlichen unterscheiden, daß sie außer dem kohlensauren Kalkenoch sehr viel Magnesia oder Bittererde enthalten. Man nennt diese gelbliche sehrkrystallinische Felsart Dolomit, zu Ehren des ausgezeichneten französischen Minera-logen Dolomieu, welcher zuerst gegen Ende des vorigen Jahrhunderts auf ihre Ei-