136 Die Alpen.
durch eine Untersuchung der zahlreichen und mannichfachen Pflanzenrcste, welcheman in diesen Ablagerungen findet. Diese Pflanzenrcste bilden, oft in großen Mas-sen zusammengehäuft, die Braunkohlen oder Lignite, welche an verschiedenen Punk-ten sich zwischen den Molaffeschichten befinden und häufig als Brennmaterial aus-gebeutet werden. Man darf diese Braunkohlen nicht verwechseln mit der weit älternSteinkohlenfvrmativn, welche von ganz andern Pflanzenresten gebildet wird, währendin der Braunkohlenformation bereits viele Formen vorkommen, die mit denen unsererjetzigen Bäume schon weit mehr Ähnlichkeit besitzen.
L. von Buch hat erst neuerdings („Monatsbericht der königlichen Akademie derWissenschaften zu Berlin", November 1851) die Lagerung der Braunkohlen °in Europazum Gegenstands einer höchst interessanten Abhandlung gemacht, aus welcher ich hiereinige Resultate anführen will. Er hat gefunden, daß die verschiedenen Braunkoh-lenablagerungen, welche in einer Reihe einzelner Becken zerstreut sind, alle nur ineiner und derselben Epoche gebildet wurde», indem sehr viele der wichtigsten und ammeisten charakteristischen Pflanzen sich mehr oder minder in allen diesen Ablagerun-gen wiederfinden. Man nennt die Blätter dieser vorzugsweise wichtigen PlauzenLeitblätter, weil sie uns vor allem bei der Vergleichung und Parallelifirung der ver-schiedenen Schichten leiten können. Diese Leitblätter find solche, welche überall inMenge und häufig vorherrschend wieder erscheinen, so verschiedenartig auch sonst immerdie übrigen Pflanzenrcste in den Braunkohlenschichten sein mögen.
Die Braunkohlenformation liegt stets in der Mitte zwischen den ältern undden neuesten Tertiärbildungen; sie hat sich nach dem Erheben der Nummuliten-oder Eocenformation durch Bäche und Ströme gebildet, welche die Blätter undBäume der Wälder, die auf wasserfreien Anhöhen standen, in die Tiefe geführthaben. Später, zunächst zusammenhängend mit den großen basaltischen Eruptionenund der diesen folgenden gänzlichen Veränderung der Lebensbedingungen, wurde jenereiche Vegetation zerstört. Jetzt ist sie in ihren Resten nach fernen Erdtheilen ent-rückt, wo der schmale Raum von wenigen Breitengraden, in dem sie eingeengt,wenig Vergleichung mit der Oberfläche zuläßt, über welche sie sich während derBraunkohlenperiode ausdehnen konnte. Es beibt eine.höchst bemerkenswerthe Erschei-nung, daß von den südlichen Gebirgen Italiens bis zum Harze, vom 41. bis 52.",also über 11 Breitengrade, keine Veränderung in Blättern und Stämmen derBraunkohle sichtbar ist, aus denen eine Abnahme der Temperatur gegen Nordenersichtlich wäre. Es scheint also damals auf diesem ausgedehnten Raume noch einegänzliche Gleichheit der klimatischen Verhältnisse geherrscht zu haben.
Das Auftreten der Braunkohlenformation und der Tertiärbildungen in denAlpen überhaupt gibt L. von Buch zu einigen sehr interessanten Bemerkungen Ver-anlassung. Das Alpengebirge scheint in Beziehung auf diese Bildungen in zweiverschiedene Hälften getheilt: in eine östliche und eine westliche Hälfte. In der öst-lichen Hälfte, in Ostreich und einem großen Theile Südbaierns, erfüllen die Ter-tiärbildungen, ihrem Charakter in dem nördlichen und mittlern Deutschland getreu,große Buchten und Meerbusen, und ziehen sich gleichsam an den Ufern der älternGebirge herum. Sie bilden niemals Berge, sondern nur flache Hügel, und zuwei-len findet man selbst kleine Ablagerungen derselben in einzelnen isolirten Thalbeckennoch weit im Innern der Alpen. Ganz anders gestalten sich diese Verhältnisse inden westlichen Alpen, in den Alpen der Schweiz. Vom Gcnfersee bis zum Einflußdes Rhein in den Bodensee liegen die Pflanzenreste -in einer fortlaufenden, zuweilen5000, ja selbst an 9000 Fuß' aufsteigenden Kette in steil erhobenen Schichten,welche häufig von vielen Tausend Fuß hohen Conglomeratschichten der Nagelflue be-deckt werden. Hingegen ist in diesen westlichen Alpen noch niemals im Innernselbst der weitesten Thäler eine Spur von Tertiärbildung beobachtet worden. DieseUnterschiede zwischen den Ost- und Westalpen sind hauptsächlich in den abweichendenorographischen Gestaltungen und den verschiedenen Hebungsepochen dieser beiden Ge-birgssysteme zu suchen. Die östlichen Alpen mußten ihre jetzige Form schon zur