Die Alpen. 13?
Zeit der Tertiärbildung haben, da ja diese in dem Innern der Thäler oft weit her-aufreicht. In den westlichen Alpen hingegen erfolgte die letzte Aufrichtung des Ee-birgs und die Bildung der Thäler erst nach der Ablagerung der Tertiärschichten,daher auch diese nur auf den Rand der Alpen beschränkt blieben und zugleich nochstark aufgerichtet und zu mächtigen Bergen emporgehoben wurden.
Untersucht man die Gerölle, welche sich in den Conglomeratschichten der Nagel-flue befinden, so sieht man, daß außer den zahlreichen Kalksteinstücken, welche ausdem Innern der Alpen stammen, zugleich viele Fragmente von Gesteinarten vorkom-men, pie von keinem Punkte der Alpen herstammen können, da sie nirgends in den-selben als anstehende Felsenmassen getroffen werden. Es sind dies z. B. Stücke einesschonen Granits, welcher vielen rothen Feldspath enthält und nirgends auf der Nord-seite der Alpen ansteht. Ebenso ist Quarz führender Porphyr denselben ganz fremd,und dennoch liegen solche Stücke in der Nagelflue. Die wahrscheinlichste Annahmescheint wol die zu sein,, daß diese Porphyr- und Granitstücke Theile von aus demInnern emporgestiegenen Massen sind, deren gewaltsames Hervortreten innig mit derBildung der Nagelflue überhaupt zusammenhängt.
Entfernt man sich von den Alpen, so steigen die Braunkohlen und die Schich-ten, welche den Rest einer vergangenen Schöpfung bewahren, nicht mehr bis zuBergketten empor, sondern sie sind jetzt bis zum Meere hin in einzelne Becken ge-lagert am Fuße höherer und älterer Gebirgsmassen, die. aus den damaligen zer-streuten Meeren wie Inseln hervorragten. Auf diesen Inseln wuchsen dann dieBäume und Sträucher; auf ihnen lebten die vierfüßigen Thiere und Insekten, diedurch Flüsse und Bäche in die Meere eingeführt, in ihrem Schlamm vergraben undso als bedeutungsvolles Denkmal längst vergangener Schöpsungsperioden aufbewahrtwurden. Solche Braunkohlen-Binnenmeere hat im Norden der Donau bis zur Nord-see L. von Buch sieben deutlich unterschieden, wovon das oberrheinische Becken nochunmittelbar sich an die schweizer Molasse anschließt.
Noch neuer als die Tertiärschichten sind die quaternären Bildungen, welche sichin der Form mächtiger, mehr oder minder geschichteter Geröllmassen nicht selteneinige Hundert Fuß hoch über das jetzige Niveau der Flüsse erheben. Dieselbenwerden auch mit dem Namen älteres Diluvium in der Geologie bezeichnet. Mandarf jedoch hierbei nicht an die Sündflut denken, da das erste Auftreten des Men-schen entschieden später stattfand, indem niemals Menschenskelette oder Fragmentederselben in diesen Geröllablagerungen gefunden wurden.
1) Die erratischen Blöcke.
Über diesem ältern Diluvium, oder, wo dieses fehlt, unmittelbar auf den älternGesteinen, findet man allenthalben in den Alpen noch eine sehr merkwürdige For-mation, nämlich jene der erratischen Blöcke. Bei dem großen Interesse und denmannichfaltigen Ansichten, welche man in neuerer Zeit darüber aufgestellt hat, scheintes mir nöthig, etwas länger dabei zu verweilen. Es ist in der That ein interessan-ter Anblick, die mächtigen Granit- und Gneußblöcke, welche nur aus den centralcnAlpengruppen stammen können, oft mehr als 30 Meilen weit von ihrem Ursprungs-punkte entfernt zu treffen, und sie zugleich an den Abhängen des Jura oft mehreTausend Fuß hoch ansteigen zu sehen. Schon Playfair hat im Jahre 1806 dieIdee aufgestellt, daß die großen Blöcke an den Abhängen des Jura in ihrer jetzigenStellung durch frühere ausgedehnte Gletscher, welche aus dem Rhonethal kommendüber den Genfersee und das große Schweizerthal bis an den Jura sich erstreckthatten, gebracht worden wären. Ein Wasserstrom, sagt er, so mächtig er auch ge-sti, hätte niemals einen Block von der Größe des berühmten kisrrs L botbei Neuenburg transportiren können; er hätte ihn im Gegentheile in dem ersten Thalefallen lassen, welches er aus seinem Wege getroffen. Überdies müßten öie Eckenund Kanten des Blocks gerundet sein, selbst wenn er eine viel kleinere Distanz durch-laufen, und er hätte so die Form bekommen müssen, welche alle Steine charakten-