352
Die Chemie.
den Alaun, Salpeter, Salmiak und Vitriol, und außer verschiedenen Quecksilber-Präparaten war ihm der Silbcrsalpetcr und die Auflösung des'Goldes bekannt. Die !Destillation und Sublimation waren ihm geläufige, vielfach angewendete Operationen-Die Kenntnisse in dieser Richtung werden durch die Nachfolger vervollkommnet, unddurch Entdeckung des Wcingeists, Weinsteins, Ammoniaks, Arseniks und verschiede- .ner Antimonpräparate vermehrt.
Vergleichen wir daher diesen Zeitraum mit dem vorhergehende», so ergibt sicham Schlüsse desselben ein wesentlicher Fortschritt zu Gunsten des chemischen Wis'scns. Die chemischen Thatsachen erscheinen beträchtlich vermehrt, fie sind in zahlrei-chen Schriften niedergelegt, und es ist schon gewissermaßen ein Stand vorhanden,der die Chemie pflegt und mit den eingebildeten doch auch die wahre» Schätze denNachfolgern überliefert.
III. Zeitalter der medicinischen Chemie.
Schon in den Schriften der frühern Periode ist vielfach die Rede von de«>Steine der Weisen, der zwei Tugenden besitzen soll, nämlich die, alle Metalle >»Gold zu verwandeln, sowie alle Krankheiten zu heilen. Die Auffindung oder Dar-stellung desselben war das Ziel der alchemistischen Arbeiten. Auch ist mehrfach da-von die Nebe, ein flüssiges Gold, aurum potaliile, darzustellen, welchem wunderbareHeilkräfte zugeschrieben wurden. Es scheint jedoch hierfür kein anderer Grund vor-handen gewesen zu sein als die Meinung, daß eine so kostbare Substanz auch aus-gezeichnet in ihrer Wirkung sich erweisen müsse; wie denn auch andere wcrthvollrStoffe, Perlen und Edelsteine als wunderkräftige Medicinen verabreicht worden fi»^
Wie mancher Alchemist nun auch sich rühmte, jene Wunder bewirken zu kön-nen, so konnte doch die Erfolglosigkeit solcher Bemühungen auf die Dauer nicht ver-borgen bleiben, zumal da es sich mehrfach herausstellte, daß gcheimnißvolle Gold-macher im Grunde nur Betrüger waren. Die Beschäftigung mit Alchemie vcrfwsomit in Misachtung und Verfolgung. Dieselbe erhielt sich allerdings noch in derganzen folgenden Periode; allein sie nimmt jetzt einen untergeordneten Rang ein. ,
Wir beginnen diese dritte Periode von der Zeit an, wo Ärzte anfingen sichchemischen Arbeiten zu befassen, wo also die Chemie aus den Händen obscurer Labo-ranten in die von Männern überging, welche dem Stande der Gelehrten angehörte»und einen für die damalige Zeit hoch anzuschlagenden Grad von wissenschaftlich^Bildung besaßen. Die Ärzte hatten bis dahin den Organismus und die Krankheitganz in dem Sinne aufgefaßt, der seit Aristoteles in Aufnahme gekommen war, "»namentlich die Krankheiten nach der Methode des Galenus, mit einfachen Mitteldie keine chemische Zubereitung crfoderten, behandelt.
Paracelsus, im Anfange des 16. Jahrhunderts auftretend, durch mehre Bcobash'tungcn über die energischen Wirkungen chemischer Präparate, namentlich der Met»»^auf den Orgamsmus geleitet, begann nun mit einer herausfodernden Entschieden^das alte System der Heilmethode des GalenuS zu verwerfen und eine ganz chcmWTheorie über den Organismus und seine Functionen aufzustellen. Er stellt Sch>» ^fel, Salz und Quecksilber als die Elemente der organischen Gebilde auf, , >mehr in dem Sinne, daß er diese Stoffe als Repräsentanten gewisser QualÜ<"annimmt, ähnlich wie die Alchemisten sich die Metalle aus Quecksilber undf-l bestehend dachten, ohne daß hierunter die jetzigen einfachen Stoffe zuhen sind. A
Sind nun nach Paracelsus die erwähnten Stoffe in richtiger Art und ,
vorhanden, so sind die Organe in gesundem Zustande vorhanden, während daSwalten des einen oder andern dieser Bestandtheile Krankheiten erzeugt. Die --lung besteht darin, das richtige Verhältniß durch Zufügung oder Äblcitungherzustellem Die verschiedenen Verrichtungen und Erscheinungen am gesundenkranken Körper wurden von Paracelsus und seinen Nachfolgern ganz mitProcessen verglichen oder idemificirt, wie z. B. die Verdauung mit der Gah