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Die Chemie.
Recht auch weiter geschlossen, daß Stoffe, nachdem sie chemisch miteinander verbun-den sind, nicht aufhören zu existircn, sondern veranlaßt werden können, mit ihrenursprünglichen Eigenschaften wieder hervorzutreten.
Auch der Ausdruck Verwandtschaft, oder vielmehr Affinität, findet sich, wiewolnicht in dem jetzt ihm untergelegten Sinne, während bei Glauber eine merkwürdigeStelle vorkommt, aus der erhellt, daß, ohne des Ausdrucks der Verwandtschaft sichzu bedienen, er dennoch eine Vorstellung von gewissen Zersetzungen hatte, die derjetzt üblichen ganz angemessen ist. Er wußte z. B., daß das Ammoniak (8al voI->-tils genannt) aus seiner Verbindung mit Salzsäure, dem Salmiak, durch stärkereBasen, wie Kali, Kalk und Zinkoxyd, in der Hitze ausgetriebcU werde, und es be-ruhe dies darauf, sagt Glauber: „weilen der Galmei (Zinkoxyd) wie auch Kaliund Kalk solcher Natur ist, daß er große Gemeinschaft mit allen ^oidis (Säuren)hat, dieselben sehr liebt und auch von ihnen geliebt wird; also henket sich das 8olaoidum (dir Salzsäure) in der Wärme an denselben, verbindet sich damit, da-durch das 8sl volatils (das Ammoniak) ledig gemacht und zu einem subtilen 8pi>ii"(Salmiakgeist) dlstillirt wird."
Van Helmont (geb. 1577 in Brüssel), vorzüglich in den Niederlanden in gro-ßen Ansehen stehend, ist noch als einer der Ausgezeichnetsten dieser Periode zu nen-nen. Zn mediciuischer Beziehung legt er besonders auf die saure oder alkalischeBeschaffenheit der Säfte und Secrete des Körpers einen großen Werth. Krankhei-ten rühren nach ihm hauptsächlich von Überschuß an Säure oder Alkali her, und erverordnet alsdann die entgegengesetzten Mittel. In chemischer Beziehung sucht erden wichtigen und richtigen Grundsatz durchzuführen, daß ein Stoff in alle mögliche"Verbindungen eingehen kann, ohne damit seine eigenthümliche Natur zu verlieren/da er aus diesen mit allen seinen frühern Eigenschaften wieder abgeschieden werde"könne. Sodann unterschied er genauer als bisher die verschiedenen Luftarten u»dbezeichnet sie als Gase, um ihre Verwechselung mit gewöhnlicher Luft zu vermeide"-
Auch stellte van Helmont einen interessante» physiologischen Versuch an, i»de"'er einen Weidenzweig, der fünf Pfund wog in einen Topf mit Erde sehte, derenGewicht, nachdem sie scharf getrocknet war, genau 200 Pfund betrug. Der Top!wurde mit einem Deckel möglichst vor Staub geschützt und täglich mit Ncgenwassi'begossen. Nach fünf Jahren wurde der Versuch beendigt; es fand sich, daß d'tWeide 164 Pfund an Gewicht zugenommen hatte, obgleich die Erde des Top"'wieder getrocknet, §ast genau das ursprüngliche Gewicht hatte, indem sie nur ein?"Verlust von zwei Unzen zeigte. Ein Versuch, aus welchem van Helmont schliß"daß das Wasser ein Element aller Vcgctabilicn sei, was in Hinsicht auf die cO'mentaren Bestandtheile auch die neuere Analyse bestätigt. Bei Gelegenheit der Be-trachtung deS Einflusses der Chemie auf die Pflanzcnphysiologie werden wir »^'mals auf den eben beschriebenen Versuch zurückkommen.
Neben so manchen guten Beobachtungen und daraus gefolgerten richtig^Schlüssen fehlt es doch dieser Periode auch keineswegs an Übertreibungen und v>c 'facher Neigung, sich einem Glauben an das Wunderbare hinzugeben, wie esbesonnener Naturforschung sich nicht verträgt. Als ein Beispiel von Sonderbarlichkeiten der Art ist es nach van Helmont's Meinung eine ausgemachte Sache, d"rsich in einem Gefäße, darin man ein schmuziges Hemd mit Weizenmehl zusaniwe"'gebracht hat, auS diesen beiden Dingen Mäuse erzeugen!
ES gewährt ein ganz besonderes Interesse, diese Epoche der Vergangenheit,''welcher die Chemie den Lebensproceß und die Heilung als nur und gänzlich vonabhängig und bedingt darstellt, einer ausführlichem Betrachtung zu unterwerfe»,in der Gegenwart es vorzugsweise dieselben Fragen sind, in welchen die .x,
bedeutungsvolles Wort mitredet, und da man von ihr allein in gewissen Theile»ses Gebiets eine befriedigende Auskunft erwarten darf.
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