Das Königreich Dänemark. 479
der Steuern al- der Communalabgaben. Die dadurch Betroffenen wurden vomStaate entschädigt, und zwar durch Obligationen, die aus den 15fachen (für Dieje-nigen, die unter 200 Tonnen Hartkorn besaßen, den 20fachen) Betrag der Abgaben-erhöhung lauteten.
Der erbliche Pacht ist, wie man allgemein annimmt, ein übles Auskunftsmittelzwischen Pacht und freiem Besitz. Offenbar war diese Pachtweise zuerst darauf be-rechnet, einen plötzlichen Übergang zum freien Besitz zu verhindern. Jetzt aber istdas Verlangen nach demselben so allgemein und eindringlich, daß auf dem Reichstagevon 1852 ein von dem ganzen Bauernstande unterstützter Vorschlag zu einem Zwangs,gesctze eingegeben ward, wonach die Gutsbesitzer verpflichtet sein sollen, das Bauer-gut zu verkaufen.
Faßt man alle diese Verhältnisse zusammen ins Auge, so wird man nichtleugnen mögen, daß die Lage des dänischen Bauernstandes gegenwärtig keineungünstige, vielmehr eine glückliche sei. Im Bewußtsein, daß der Ackerbau dieHauptstarke Dänemarks, hat die Regierung ihr Mögliches gethan, um den vor-her Bedrückten ihre Rechte als Menschen und freie Bürger zu sichern. Sie istdabei mit Mäßigung und doch mit Energie zu Werke gegangen, und die Guts-besitzer, bis auf einzelne Ausnahmen, haben die Zeit begriffen und sich den Anfo-derungen derselben willig gefügt. Die Bauern und ihre Führer kämpfen mit Muthund Ausdauer, um Dasjenige zu erreichen, was noch zu thun übrig ist. ES sindbesonders die Verhältnisse der Käthner, welche fortan die besondere Aufmerksamkeitder socialen Reformatoren in Anspruch nehmen werden; denn für diese zahlreicheClasse von Staatsbürgern ward bisher viel weniger gethan als für die Hufner.Die Anzahl sämmtlicher Käthen des Königreichs im Jahre 1855 war: 90038, vondenen 26557 ohne dazu gehörende Ländereien bestanden, während die übrigen 63481an Gesammthartkorn 21297 Tonnen besaßen. Eine Anzahl von 45873 Käthen(davon 31922 mit 12817 Tonnen Hartkorn) war im eigenen Besitz der Bewohner,44165 (davon 31559 mit 8480 Tonnen Hartkorn) waren in Pacht oder in Miethe.Die Lage der Käthner ist bei weitem nicht so günstig als die der Hufner. SelbstDiejenigen, welche Landwirthschaft haben, müssen in hohem Grade fleißig und spar-sam sein, um die Bedürfnisse ihres LcbenS zu befriedigen ; den Übrigen würde diesunmöglich bleiben, wenn es nicht überall hinreichend Gelegenheit zu Lohnarbeit gäbe.Für Alte, Krüppel, Waisen und Andere, die sich durchaus nicht selbst unterhaltenkönnen, forgt im ganzen Lande ein wohlorganisirtes Armenwesen; jedoch fallen kaumder Gesammtbcvölkerung des Königreichs demselben ganz oder theilweise zurLast. Der Reichstag hat im Jahre 1849 die Lage der Käthner bedeutend durchein Gesetz gebessert, welches die sehr drückende und unbestimmte sogenannte Pflicht-arbeit aufhob. Noch müssen aber viele Reformen diesem Anfange folgen, bevor dieKäthner den Hufner» vcrhältnißniäßig gleich stehen werden. Hauptsächlich gehen dirBestrebungen der Reformfrcunde darauf hin, daß alle Käthner eigene Landwirthschasthaben sollen, und die Zeit dürfte nicht mehr fern sein, wo dieses Ziel erreichtsein wird. >
Die Städte, Handel und Industrie.
Was für das Land der Ackerbau, sind Handel und Gtwerbfleiß für die Städte.Die Verhältnisse der Hauptstadt des Landes beweise« sich indessen hierin ganz ver-schieden von denen der Provinzialstädte. In den Provinzialstädte» blüht der Han-wahrend die Erzeugnisse der Handwerker unbefriedigend sind; in Kopenhagen1 ehe» die Produktionen des Handwerks denen des Auslandes durchaus nicht nach,yrcnd der Handel wenig prospcrirt. Dabei geben sich die kopenhagener Hand-Mühe, nächst der möglichst großen Vollkommenheit in ihrem Fache. ^ achtlingSwerthe Stufe der socialen und politischen Bildung zu erreichen;u, ^ m ^"^"i'aWdten aber steht eS durchgängig mit dieser Bildung ziemli-b übel,uno hiervon kann man selbst den dortigen Handelsstand im Allgemeinen nickt aus-