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Achter Band.
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Das Königreich Dänemark. 489

nach den Buchstaben, und zwar nach einer gewissen, dem betreffenden Exammatvrgefälligen Norm; um den Geist der Wissenschaft handelt es sich weniger. ErnsteVorwürfe in dieser Beziehung muß aber auch zugleich das Untcrrichtswescn in denmeisten (vorbereitenden und grundlegenden) gelehrten Schulen treffen. Das Aus-wendiglernen spielt daselbst noch eine große Rolle, und die pedantische Schuldisciplingibt oft schon hier dem Geiste des jungen Mannes jene einseitige und zugleich pe-dantische Richtung. Rühmenswerthe Ausnahmen unter den Schulen gehören nochzu den Seltenheiten. Die freie und ungebundene Entwickelung wird allerdings auchdadurch gehemmt, daß die materiellen Aussichten für Denjenigen nur höchst geringsind, der eben nicht mit Succcß ein amtliches Examen besteht. Hierzu kommt nochder Umstand, daß es fünf Grade des Zeugnisses gibt, und daß diese einen ungebühr-lichen Einfluß auf die spätere Berücksichtigung des Candidaten ausüben, währendeS doch durchaus unmöglich bleibt, nach dem Ausfall eines Examen die wirklicheBefähigung eines Menschen zu beurtheilen. Viel zweckmäßiger ist die Einrichtungder militärischen Bildungsanstalten, wo kein Grad des Zeugnisses, sondern nur „be-standen" oder „nicht bestanden" besteht. Die dänische Universität hat 5 Professorender theologischen, 8 der rechts- und staatswissenschaftlichen, 10 der medicinischen und24 der philosophischen Facultät. Die Anzahl der Studirenden, welche durchschnitt-lich auf 1100 veranschlagt werden kann, erscheint für Dänemark sehr hoch, sodaßdie Candidaten nur in einem vorgerückten Alter Aussichten auf amtliche Stellun-gen haben können. Besonders gilt dies von den Theologen, und in der That gibtes gegen 700 unbefördertc Candidaten der Gottesgelahrtheit, während alljährlichkaum 50 geistliche Vacanzen vorkommen. Der Krieg mit Deutschland ist in dieserHinsicht nicht ohne Folgen geblieben, denn einerseits eröffnete er vielen CandidatenAussichten, im Schleswigschen Anstellung zu erhalten, andererseits traten viele Stu-dircnde als Freiwillige bei den verschiedenen Truppentheilen ein, wurden zum größ-ten Theile Offiziere, und gelangten also in eine neue Laufbahn. Vor einigen Jah-ren war es in Dänemark zur Sucht geworden, die Söhne studiren zu lassen; derakademisch gebildete Beamte „mußte es ja doch thun" und der schlichte Bürgerwollte nicht nachstehen. Die großen Reichthümer der gelehrten Schulen, und na-mentlich der Universität, welche in dieser Beziehung einzig in ihrer Art dasteht,erleichterte den Ältern die Durchführung ihres Lieblingszweckes. Hatte sich nun erstein junger Mann eine recht gute vorbereitende Bildung erworben, halte erst seinFuß die Schwelle der Universität berührt, so konnte er nicht mehr umkehren, ohneals schlechtes Subject bezeichnet zu werden. Die Bahn zur Industrie, zum Han-del, ja zur Kunst blieben ihm verschlossen. Um seine Reputation zu bewahren,

mußte er den geraden Weg gehen, der ihn in die Classe der unversorgten Kasten-bruder hineinführte. So ist das Verhältniß zum Theil noch gegenwärtig, wennauch die letzte Zeit und ihre, großartigen Erschütterungen den Leuten einigermaßendie Augen geöffnet haben. Über die verdienten Vorwürfe darf man aber die gutenSeiten der dänischen Universität nicht vergessen. Hierher gehört z. B. der Charakterdes kopenhagencr Studentenlcbens, welches viel weniger roh und burschikos ist alsan manchen Hochschulen Deutschlands. Phantastische Vereine, organisirtc Sauf-gelage, Quelle und alle dergleichen Thorheiten sind »»gekannt. In Verbindung mitder Universität besteht eine polytechnische Lehranstalt, die sich verdientermaßen einesbedeutenden Rufs erfreut. Mehr noch gilt dies von der Militärhochschule, derenZöglinge zu sehr kenntnißreichcn und befähigten Offizieren ausgebildet werden.

Ein Blick auf die wissenschaftliche Literatur Dänemark« zeigt eine auffallendeArmuth, wenngleich sie reicher ist als die schwedische und norwegische. Wir müssenhier wiederum bemerken, daß eS nicht an Gelehrten fehlt, und diejenigen Werke, diewirklich erscheinen, zeichnen sich rühmlich auS. Die Grenzen der dänischen Sprach«sind aber so eingeschränkt und der Sinn für großen Bücherkauf hat zugleich so ab-genommen, daß es kein Wunder, wenn die dänischen Gelehrten wenig veröffentlichenund die meisten von ihnen ohne Mühe ihre opers omnia mit sich i" der Tasche