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Das Königreich Dänemark.
den Gedanken, daß das freisinnige norwegische Grundgesetz vielmehr nur „ein Werkder Umstände" als eine liberale That des damaligen Kronprinzen gewesen sei. Manwar Plötzlich enttäuscht; die Hoffnungen langer Jahre waren vernichtet. In einemhalbliberalcn Communalgcsetz für Kopenhagen fand man nur einen schlechten Ersatz jfür die gehegten Erwartungen. Die merkwürdigen Aktenstücke, die nach dem Tode ,Christian's VIll. zur Öffentlichkeit gelangten, um auf die geheime Geschichte Däne- ^
marks einen Lichtstrahl zu werfen, beweisen indessen, daß der König immer und niit !
Ernst an die Durchführung derjenigen Ideen dachte, wodurch nach seiner Ansichtder politische Fortschritt und das Volksglück begründet werden sollten, die aber einemächtige Öpposition gegen sich hatten, gerade weil Christian der Entwickelungder Parteiansichtcn niemals ernste Schwierigkeiten in den Weg legte. Der Königwar kenntnißreich, ja gelehrt, ein feiner Beobachter, rechtschaffen und großmüthig.
Er war aber andererseits schwach und schwankend, unfähig zum energischen Auftre-ten, reizbar und gerade dann unüberlegt, wenn er mit der größten Voraussicht zuhandeln glaubte. Er kannte auch alle Staatsthcorien seiner bewegten Zeit undhatte sie mit der feinsten und scharfsinnigsten Kritik geprüft; aber es ist nicht anzu-nehmen, daß er'irgend eine dieser Theorien zu der seinigcn gemacht hat. Er be-fand sich als Politiker auf einem negativen Standpunkte: und doch fodcrte seine Zeitso viel Positives von ihm. Seine Regierung kann in jeder Beziehung als eine Pe-riode der Öpposition und der Gährung bezeichnet werden. Während derselben bil-deten sich die zwei großen Parteien, die später auf dem politischen wie aus dem so-cialen Gebiete so große Rollen in Dänemark spielten: die Eiderdänen und dieBauernfreunde. Sie waren anfangs vereinigt unter denselben Führern, und man ^
konnte damals nur von der Opposition als von einer einzigen weit verzweigten Par- i
tei mit demokratische» und stark nationalen Tendenzen reden. Das demokratische sElement gab sich bei jeder Gelegenheit kund, in der Presse, in öffentlichen Redenund in den Kreisen des Privatleben-. Die „Constitution" war das Stichwort, unddas norwegische Grundgesetz das erwünschte Ziel. Der König bewies sich hierbeisehr gemäßigt. Die häufigen Beschlagnahmen der Journale endigten gewöhnlich miteiner Freisprechung. Örla Lehmann ward zum Advocatcn beim Höchsten Gericht er-nannt, kaum anderthalb Jahre nachdem ihn dieselbe Instanz, wegen majcstätsbelci-digender Rede, zur Gefängnißstrafc verurtheilt hatte. Man darf aber freilich nichtvergessen, daß die politische Seite der Opposition ihrem Wesen nach eigentlich alswenig gefährlich erschien. Hätte man der Presse vollkommen freien Lauf gelassen,so würde sie wahrscheinlich bald von selbst geschwiegen haben; denn das Land fühltethatsächlich den Druck des absoluten NegimcntS nicht, und dieser hatte zudem aufdem Gebiete der socialen Entwickelung bereits so Vielfaches und Bedeutendes gelei-stet, daß man die guten Absichten der Regierung um so weniger in Zweifel sehte.
Die nationaldänische Partei und der Skandinavismus.
Von unendlich größerer Bedeucuug waren die nationale» Bewegungen, die zu deninteressantesten Momenten der nordischen Geschichte gehören. Sie hatten zwei Haupt-zwecke: die Arrondirung des dänischen Element- oder vielmehr dcS dänischen StaatS ^gegen Süden, und die Durchführung der skandinavischen Idee. Diese letztere Ten- idenz war schon alt. Schon in den Jahren l»l>8—Ist traten die ersten Bestre-bungen hervor, die Kalmarische Union wieder ins Leben zu rufen. Bereits gegenEnde des vorigen Jahrhunderts wurden Stimmen laut gegen die Unnatürlichkcit derfortwährenden Kriege zwischen zwei Reichen, Dänemark und Norwegen einerseits,und Schweden andererseits, welche, durch Sprache und Sitten verwandt, unter einemScepter vereinigt, vermittelst ihrer geographischen Lage im Stande sein würden, einenRang unter den mächtigsten Staaten in Europa einzunehmen und den Vermittlerzwischen dem Osten und den; Westen dieses WeltthcilS zu bilden. Ein solcher Staat ^'würde dem russischen Koloß kräftigen Widerstand leisten, den Sund verschließen, n»d *Skandinavien zum Herrscher der Ostsee machen können. Schweden trauerte und