Band 
Achter Band.
Seite
519
JPEG-Download
 

DaS Königreich Dänemark. 519

nischen Monarchie zu machen. Für Dänemark wurden sechs, sür Holstein gleich-falls sechs, für Schleswig neun Mitglieder ernannt; die Letzter« gehörten jedochAlle, bis aus den Etatsrath Prehn, zu den entschieden Dänischgesinnten. Am14. Mai ward die Versammlung unter dem Vorsitze des königlichen Gesandten inWien, des Grafen Bille» Brahe, in Flensburg eröffnet. Über die Verhandlungendeckte man den Schleier der Nichtöffentlichkeit: eine Vorsicht, die man sich hätte er-sparen können, indem das Ende schon am Anfange vorausgesehen werden konnte.Der Regierungscommiffar legte einen Plan zur Ordnung des Staats auf der oben-erwähnten Basis vor. Die holsteinischen Notablen protestirten aber gegen jedes Ar-rangement, bei dem die Trennung der Herzogthümer zu Grunde gelegt würde, undbestanden auf eine gleichzeitige Regelung der Erbfolgeangelcgenheit, weil sonst jederEntwurf werthlos sein mußte. Diesen Standpunkt hielten sie konsequent fest,und nach zweimonatlichen Berathungen — die Versammlung ward am 16. Juliaufgelöst — war man nicht weiter gekommen, als mdn am ersten Tage gewesen.

>

t

»

Rücktritt des Novembcrministcrium«; die Combination vom 12. Juli 1851; Veränderung derErbfolge zu Gunsten der Prinzen von Glücksburg.

Während dieser Verhandlungen hatte sich Wichtiges in dem diplomatischen Kreiseereignet. Das Novemberministerium konnte sich nicht vollständig von dem Eiderstaatelossagen, und doch mußte dies geschehen, weil es ein für alle mal der Wille derdeutschen Großmächte und Rußlands zu sein schien. Die selbstzufriedenen Mienen,welche die dänischen Diplomaten nach der Rückkehr des Grafen Sponneck gezeigthatten, verschwanden allmälig, und ernste Noten auS Wien und Petersburg brach-ten dem Ministerium die Gewißheit bei, daß seine Beharrlichkeit gemisbilligt werde.In den letzten Tagen des Mai 1851 ward deshalb eine neue Mission ausgerüstet;diesmal war es Herr von Reedtz selbst, der sich nach Warschau begab, um mit demKaiser von Rußland zu unterhandeln. Über Wien und Berlin kehrte er nach vier-wöchentlicher Abwesenheit nach Kopenhagen zurück. Unmittelbar nach seiner An-kunft wurden StaatSrathssitzungen gehalten, und gleichzeitig verbreitete sich daS Ge-rücht von einer Ministerkrisis. Die Aufregung, welche diese Wendung der Dingehervorrief, war außerordentlich: dieselbe zeigte, wie unklar und unreif daS Volk dieVerhältnisse auffaßte. Das Marzministerium, welches jedenfalls entschieden auftrat,war dem Volke „nicht dänisch genug" gewesen. Nachdem man die Besorgnisse desAugenblicks überstanden, hatte man das Märzministerium verhöhnt, seine Nach-folger aber mit Jubel begrüßt. Das zweite Ministerium hatte 52 Monate einePolitik befolgt, die gar keinen Charakter besaß: es halte gleichzeitig mit dem Eider-staatc und Gesammtstaate kokettirt. Und doch beweinte man jetzt den Fall dieses„energischen und nationalen" Cabinets, und beschuldigte Herrn von Reedtz, daß erin Warschau das Vaterland verrathen hab«. Die Krisis dauerte mehre Tage. Erstam 12. Juli 1851 gelang die folgende Combination: A. W. Moltke, Reedtz, Spon-neck, Madvig, welche in ihren Funktionen blieben; Ilr. Scheel (Justiz), Oberst Fibiger(Krieg), Capitän va» Dockum (Marine), Tillisch (Innere«), K. Moltke-Nütschau(ohne Portefeuille) und Bardenfleth (Minister für SchleSwig mit Sitz und Stimmeim Staatsrathc). Clausen, Hansen und Nosenörn (welcher seit längerer Zeit Mini-ster dcS Innern anstatt Bang gewesen war) schieden aus; Graf H. Rcventlow-Criminil blieb auf seinem Posten als landesherrlicher Commissar in Holstein.

War man denn jetzt aber zu einem bestimmten und befriedigenden Ziel« ge-kommen? Dänische wie deutsche Zeitungen schrien über Verrath. „Die Selbstän-digkeit deS alten Dänemarks ist vernichtet" sagten die erster«; „Schleswig ist incor-p°r»rt" meinten die letztem. In seiner Abschied-rede in Flensburg erklärte Tillischtaktlos genug: er verlasse seinen bisherigen Wirkungskreis nicht auS eigenem An-hebe, unt> ebenso wenig würde der König ihn von demselben abberufen haben,wenn nicht höhere und unabweisbare Staat-rücksichten diese Veränderung nothwen-dig gemacht hätten. Da« erreichte Ziel war ein neue- ÜbergangsmimNerium!