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Achter Band.
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Das Königreich Sardinien.

chen oder Liebesabenteuern, und diese Lectüre gewann eine solche Verbreitung, be-sonders nachdem die Redaction anfing, französische Romane in Übersetzung als Feuil-leton zu liefern, daß sich die Beliebtheit und der Einfluß des Blattes in den unternClassen nicht verkennen ließ. Publicisten von wirklicher Bedeutung wurden dies baldgewahr, und entschlossen sich für die „Flyvcpost" zu schreiben, um dadurch ihrenAnsichten eine möglich große Verbreitung zu verschaffen. Die verschiedensten Ten-denzen waren von jetzt an im Blatte repräsentirt; jedoch nahm die Redaction im-mer auf die herrschende Stimmung Rücksicht. Auf diese Weise nahm die „Flyve-post" einen solchen Aufschwung, daß sich jener erste Begründer im Sommer 1852mit einem ziemlichen Vermögen und einer Verkaufsumme von 100000 Rcichsbank-thalern aus, der Entreprise herausziehen konnte. In den Provinzen hat fast jedesStädtchen s«ine Zeitung. Diese Blätter sind aber, bis auf einzelne achtungswertheAusnahmen, durchaus unselbständig, und bringen oft nur sehr gedankenlose Auszügeaus den kopenhagener Zeitungen.

Das Königreich Sardinien

seit der Rcforinbewcginig bis auf die neueste Zeit. *)

Die sardinischen Berbältniffe im Beginn der italienischen Bewegung.

^Schon waren die freudigen und friedlichen Tage der italienischen Refvrmbewegungseit dem Regierungsantritt Pius lX. fast vorüber, schon war diese anfangs unge-trübte und nur von begeisterter Hoffnung auf die politische und nationale Wieder-geburt des gemeinsame» italienischen Vaterlandes getragene Bewegung auf der InselSicilie», in Neapel und selbst in dem an Klima und Volkssitten milden Toscanain mehr oder weniger lebhaften Revolutionsdrang übergegangen, als die Bewohnerund die Regierung Sardiniens, obwol durch die Ereignisse mächtig angeregt undbewegt, immer noch unschlüssig und ungewiß an dem Scheidewege deS Hergebrach-ten und der entschiedene» Reform standen, und, wenigstens äußerlich, wenig mehralS ängstlich gespannte Zuschauer des italienischen Dramas abgaben. Nicht als obdie freiheitlichen und konstitutionellen Errungenschaften RomS und der andern italieni-sche» Staaten nicht auch in der Bevölkerung SardinienS den unverhohlenen und leb-haften Wunsch »ach gleichen Gütern wachgerufen hatte; nicht als ob in Sardime»das absolute Regierungssystem mit allem Druck seiner natürlichen Gebrechen nichtverhaßt gewesen wäre; nicht als ob endlich die Regierung mit blinder und engherzi-ger Eifersucht an ihrer unbeschränkten Gewalt gehalten und die Nothwendigkeit billigerConcessionen verkannt hätte. Der Grund dieser Unschlüssigkeit, die zuletzt Regierungund Volk voneinander zu entfremden drohte, und dieses langen und bangen Zaudern»lag in besondern, theils nationalen und politischen Verhältnissen Sardiniens, theilsin den, Charakter seines Königs Karl Albert.

Wenn schon der Widerspruch zwischen dem innern VolkSdrange, zwischen denöffentlichen Wünschen und Begehren — die freilich in der gebildeten Mittel- undselbst in einem bedeutenden Theile der Adelsclasse entschiedener laut wurden als inder großen Volksmasse — und der ruhigen, wiewol von mismuthiger Stimmungbegleiteten Haltung des Lande- der äußern Beobachtung auffalle» mußte: so mochte

«1 Der Verfasser dies,» Artikel« ist ltr. pliil Friedrich Srüger zu Turin, '>" Deutscher,der sei« mehren Zabren in den sardinischen -Staaten lebt. D-