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Das Königreich Dardinien.
der entgegengesetzte Eharakter der nord- und der süditalicnischen Bewegung noch vielräthselhafter erscheinen bei der Erinnerung an die revolutionären VerfassungskampfeSardiniens von 1821, an die Konspirationen von 1833, und an die zahlreiche» Ma-nifestationen des glühendsten öffentlichen Hasses gegen den politisch-mächtigc» Jesuiten-orden, der in Sardinien tiefere Wurzel geschlagen hatte als im ganzen übrigen Ita-lien und wie ein Fluch auf den Geschicken des Landes lastete. Dennoch zuckle inSardinien, zumal in Piemont und Ligurien, jeder Pulsschlag der italienischen Na-tional- und Neformbewegung nach; ja diese politische Bewegung selbst hatte ihrenersten Impuls schon vor dem Regierungsantritt Pius IX. von der literarischen undintcllectuellen Bewegung Picmonts, durch die Schriften eines Balbo, Gioberti,Massimo d'Azcglio und anderer berühmten Piemontesen erhalten. In Piemont, demeigentlichen Stamme des sardinischcn Staatcncomplexes, wurde der Druck des auslän-dischen Einflusses und der fremden Herrschaft in Italien wie nur irgend anderswoaus der Halbinsel gefühlt. Hier erkannte die aufgeklärte Meinung tief die unheil-vollen Gebrechen und Schäden, die ganze Trostlosigkeit der social und politisch ver-kommenen Verhältnisse Italiens; hier schmachtete man tief nach einem würdigen undfreien,Nationallcbcn. Mehr noch: hier war es klare und wohlbegründete öffent-
liche Überzeugung, daß jede nationale und politische Reformbeftrebung des übrigenItaliens ohne den entschiedenen Beitritt Sardiniens, als desjenigen Staats, der ammeisten moralische und geordnete materielle Kraft in sich vereinigte, fruchtlos auslau-scn müsse für das Heil des gemeinsamen Vaterlandes und die lange geträumte Un-abhängigkeit desselben. Balbo und Gioberti*), zwei hochgefeierte Namen, hattenschon vor Pius' IX. Zeit den innersten Gedanken aus der Tiefe des neuen italieni-schen Geistes hervorgehoben, indem sie Sardinien die Mission beimaßen, als Vorkäm-pfer der nationalen Wiedcrerhebung, als Leiter der künftigen Geschicke Italiens auf-zutreten. Und früher wol schon als die genannten Männer hatte König Karl Albertselbst — was damals freilich Geheimniß blieb — die hohe Mission Sardiniens imSinne gehabt, wenn er 1830 in einem vertraulichen Memorandum niederschrieb**),daß seine Staaten durch weise Einrichtungen, geordnetes Finanzwesen und ein tüch-tiges Heer vorbereitet sein müßten, „große Dinge zu unternehmen", wenn er später(1815 und 1816) in vertraulichen Briefen ***) bekannte: daß er, nächst dem Wunsche,seinem Vaterland«: alles mögliche Heil zu verschaffen, keinen wärmer tzege, als denGeist der nationalen Würde und Unabhängigkeit sich darin entwickeln zu setzen. Die-ser Geist werde auch seinen Staaten eine unermeßliche Kraft verleihen, im Fall« sieje zu dem "Glück berufen würden, für die Vertheidigung ihrer Nationalität einzutreten.
Je erschütternder und tiefgreifender die revolutionäre Bewegung des mittlernund südlichen Italien gegen das Ende des Jahres 18-17 hervortrat, desto ängstlicherund erwartungsvoller richtete» alle gemäßigten Patrioten der Halbinsel itzr« Blickeauf Sardinien, wie nach einem festen Pfeiler in der brausenden Strömung suchend.Ungeduldig wünschten sie eine rasche und entscheidende Wendung in der Politik Pie-montS, wünschten sie dessen Anschluß an „die Bewegung herbei — einmal, weil siehiervon die Bewahrung vor dem wilden Überfluten der Revolution, dann, weil sie° dauernden Sieg der bewegenden freiheitlichen und nationalen Ideen tzoff-
ten. Wenn Karl Albert und seine Staaten bei dem absoluten Regierungssnstem ver-
*) Balbo in seinem berühmten Buch. „I.s »porsnro ckluilj," (1815) und Gioberti in den..I'rolegomoni" (1815) und ,m „tlo-juili. moäeroo" (8 Bde-, 18-17). Über König Karl«N-crt sagte Gioberti nn letztgenannten Werke (III, 57.') .. Um lange Jahre ,st er (der
war,« "tuern Schriftstellern in der italienischen Idee vorausgeeilt.'^ Diese SchriftstellerKarl vin ^so, welche die Handlungen Karl Albert'« in Worte setzten, nicht aber war c«
**) D ^ die Worte Schriftsteller in Thaten verwandelte,rikcr wurde 18-18 veröffentlicht von dem bekannten piemvntcsischen Histo-
***) Man '"timsten Bcrtrautcn und Freunde Karl Albert'«.
>n der Documene' die Geschichtschreibung unschätzbaren vertraulichen Briefe Kar! »lbert's>, -tli.i fg nrensawmlung Gualterio «, „6>i nlrimi rivk)I-rim,-»lj italiani" (Flor- I^5'> sä-)-