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Achter Band.
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Das Königreich Sardinien.

Die Liberalen verloren selbst in den Momenten größter Ungewißheit nie ganzihr Vertrauen in die guten Absichten des Königs. Seit seiner würdigen und festenHaltung in verschiedenen Differenzen mit Östreich nannten sie ihn das „SchwertItaliens", damit die Hoffnung ausdrückend, daß er einst der fremden Gewalt dasitalienische Primat entwinden und Italien eine würdige Stellung unter den VölkernEuropas erkämpfen werde. In diesem Sinne wurde auch die Sorgfalt des Königsum die Heranbildung eines tüchtigen Heeres und sein auf die Anlegung eines dispo-nibel» Staatsschatzes berechnetes Finanzsystem gedeutet. Weniger als in den gutenWillen setzte man in die Energie deS Königs Zutrauen. Um politische Freiheiten,um eine Verfassung zu gewähren, mußte er entschlossen mit der klerikalen Parteibrechen, die sich seit so langen Jahren um seinen Thron eingenistet, welche alle Mit-tel und Intriguen angewandt hatte, um ihn vom Volke zu trennen, und die beimNahen der Neformepoche eifriger als je bemüht war, einerseits das Gemüth deS Kö-nigs mit Argwohn zu erfülle», andererseits durch jesuitische Ränke die liberale Mei-nung zu spalten und die Lage der Dinge durch geheimes Zusammenwirken mit derfremden Diplomatie zu verwickeln.*) Groß war die Befürchtung aller Patrioten,daß es den Retrogradcn gelingen möchte, den König bis zum Vorübergehen des ge-eigneten Zeitpunkts in ihrem Ränkenetz gefangen zu halten, und auf diese Weise dieHoffnungen und Sympathien des übrigen Italiens für Sardinien zu ersticken. In-zwischen unterließ die freie öffentliche Meinung bei keiner Gelegenheit, wo nur KarlAlbert volksthümlichcn Sinn durchblicken ließ, ihm warmen und lauten Beifalls-rausch zu spenden. Man gewann ihn somit durch Manifestationen der Volk-liebe,und stieß ihn nicht ab durch drohendes Murren.

Karl Albert selbst hatte die freisinnige Richtung, die Pius IX. nach seinem Re-gierungsantritt einschlug, freudig begrüßt.**) Wenn er im Verlaufe der auswärti-gen Bewegung der ersten lebhaftem Rückwirkung derselben auf Sardinien nicht nach-gab, so geschah dieü nicht aus Hang zum Despotismus, sondern weil er in daseigene Reformwerk, da- er seit 16 Jahren unternommen, nicht störend und gewalt-sam von außen wollte eingreifen lassen. Dazu kam später die natürliche Unschlüssig,keit deS Königs, die er selten zu verleugnen vermochte, wenn der Augenblick gekom-men war, einen längst vorbereiteten wichtigen Plan inS Werk zu setzen, sowie derEinfluß seiner Umgebung und das Harren auf eine bestimmtere, wenigsten- seinenAbsichten günstigere Gestaltung der Dinge im Auslande.

König Karl Albert, sein Leben, sein Charakter, sein Regierungsantritt.

Ehe wir, nach diesen allgemeinen Andeutungen über die Verhältnisse von 1847,zur Neformepoche und zu den gewaltigen Ereignissen derselben übergehen, ist esnothwendig, zuvor einen Blick auf da- Leben und den Charakter Karl Albert'« zu wer-fen, und uns auch dessen NrrwaltungSsystem und Politik seit seinem Regierungsantrittzu vergegenwärtigen.

In dem noch jugendlichen Alter von 33 Jahren bestieg Karl Albert 1831 denThron Savoyens, in einem für den Despotismus verhängnißvollcn Jahre. ***) Seine

Minister Karl Albert'«, Graf Solar» della Margarita, hat in einem»m Jahre 1852 zu Turm veröffentlichten „Memorandum" in diesem Betreff, ohne seine eigeneEhre zu schonen, zahlreiche Bekenntnisse abgelegt. Unter Andcrm wird hier enthüllt, wie dieHäupter der jesuitischen und klerikalen Richtung vermittelst des Beichtstuhls auf die politische«nsicht deS KonigS einzuwirken, und, ein oerwersliches Spiel mit seinem religiösen Gefühl"ewend, durch dasselbe Mittel ihm seine geheimsten politischen Plane zu entlocken suchten,folae»^" vertraulichen Briefe vom 2. Aug 1846 brückte sich der König darüber in

tiaer aus: „Die Ernennung des Cardinal« Sizzi zum Minister ist ein sehr wich-

Reformen " ""d beweist, daß der Papst entschlossen ist, den Weg des Fortschritts und derreich- «- ,4" betreten: sei er gesegnet dafür! Er unternimmt damit einen Feldzug argen Öft***l (Kvviva)." Vgl. Gualtcrio's Documentensammlung, 2. Abth , lI/457.

Namen ein.« « " wurde zu Turin am 2. Oct. I7'.b2 geboren. Als Thronfolger führte er dender ältern von Carignan. Sein Vorgänger, Karl Ftlir, starb »l« letzter Sprosse

unern r,me des Hause, Savoyen.