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Achter Band.
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Das Königreich Sardinien.

trug vielleicht viel dazu bei, seine hervortretende Neigung zur Stille, zur ern-, sten und tief religiösen Betrachtung als charakteristische Lebensrichtung in ihm zubefestigen.

§ Selten ist ein öffentlicher Charakter so verschieden dargestellt und beurtheilt wor-

l den, wie Karl Albert. Oft nach seinem äußern Erscheinen und Leben aufgefaßt, hatman die Widersprüche desselben aus zwei entgegengesetzten, einander bekämpfendenNaturen erklärt, und selbst bei Personen, die langer» persönlichen Umgang mit ihmhatten, bedurfte es tieferer Prüfung, um den scheinbaren Dualismus dieses Esaraktcrsdurch die vereinigende» Fäden seines innern Lebens zu lösen. Wir haben hier natür-lich weder das Urtheil der persönlichen Feinde, noch das blinder Schmeichler undLvbsangcr Karl Albert's im Auge. Wenn Diese seine Schwächen, Fehler und Irr-thümer hinter dem idealistrtcn Glänze seiner gute» und edcln Eigenschaften verbergen,und Jene seOicn patriotischen Siun, seine bedächtige Zurückhaltung, seine Frömmig-keit, seine Sparsamkeit u. s. w. für schnöden Ehrgeiz, Tücke, Heuchelei und Geiz aus-geben, so darf uns dies ebenso wenig irren als das Geschrei deS großen Haufens,das Karl Albert's Namen nach seinem Tode zu den Sternen trug und vergötterte,nachdem man sein Lebe» durch wildes Verrathsgeschrei verkümmert und vergiftet hatte.

Mit gutem Grund bemerkt einer der strengsten und freimüthigsten, wenn auchnicht immer billigsten Bcurtheiler Karl Albert's, der berühmte Giobcrti, daß seineFehler hauptsächlich aus seiner vernachlässigten ersten Jugenderziehung herzuleitensind, woran nicht seine Mutter, eine treffliche und charakterfeste Frau, sondern dieZcitvcrhältuiffc die Schuld trugen. Durch später angenommene Grundsätze bemühteH er sich seinen Mängelu abzuhelfen, seine Fehler abzulegen. Doch darf hierbei nicht" unbemerkt bleiben, daß er gerade in Folge seiner Jugendcrlcbnissc in manchen neuen? Fehler verfiel. Don Natur offen und freimüthig, machte ihn der spähende Argwohn,

, Ä von dem er seit seiner Theilnahme an der Jnsurrcction von 1821 als Kronprinzh und später als König umgeben war, oft bis zur Verschlossenheit zurückhaltend. Aus'j Neigung und Überzeugung politisch-liberal und Reformist, erbitterte cS ihn, sich mit! dem für ihn fatalen Namen Carbonaro bezeichnet zu wissen. Seine Unbefangenheit1 mischte sich mit Mistrauen, und um dieses zu verbergen, nahm er seine Zuflucht zurVerstellung. Sein Ernst und sein religiöser Siun verwandelten sich, namentlich inden spätern Jahren, i» Düsterkeit und übertriebene asketische Strenge gegen sichselbst. Die große Abgeschlossenheit, welcher er sich bald nach seinem Regierungsan-tritt hingab, machte ihn schüchtern, unterwarf ihn leicht dem Einflüsse seiner,Um-gebung, und erhöhte seine natürliche Unentschlvsscnheit. Nur wenn eine tiefe Übcr-zeugung ihn beherrschte, vermochte er Ausharren und Festigkeit im Entschluß zuwahren. Ohne Verdruß bekämpfte er Jahre hindurch den Widerstand, den er beider Ausführung einer mit Innigkeit erfaßte» Idee fand. Er schien naebnigeben, jaVerzicht zu leisten, wenn das Interesse seines Vorhaben« e« so wollte, nahm aberdasselbe bei günstigerm Augenblick um so eifriger wieder auf. Kein Freund von vie-len Worten, suchte er seine Gegner eher durch Beharrlichkeit z» ermüden, als siedurch Überredung für seine Grundsätze zu überzeugen. Schon in früher Jugend tratdie Liebe zum Ruhme in ihm hervor. Doch war dieser Hang, der ihn nie verliess,i ^'Ürsncht auf das Verdienst Anderer, sodass es ibm schwer wurde,

bei wichtigen Staatsreformcn und allen Unternehmungen zur Verbesserung der Lan-««Verhältnisse Plan und oberste Leitung abzutreten, selbst wenn er die Unzulänglich-en px,- ejgeuen Kraft erkannte. Als Fürst die höchsten Tugenden anstrebend, schientiefes beunriihigen, wenn er sich von Andern darin übcrtroffcn glaubte. SeinNichtL^^'si - und Ehrgefühl, war im höchste» Grade empfindlich und verletzbar,oder >h" schmerzlicher, als seine guten und redlichen Absichten verkannt

von keinen, i" sehe». Während er auf den Schlachtfeldern der Lombardei sichtreffen lies Mitkämpfer an kalter Todesverachtung und Verwegenheit über-

> u P, und den Kugeln des wüthenden Volks zu Mailand unerschrocken seine- Die Gegenwart. Vtl,. -r«