Band 
Achter Band.
Seite
530
JPEG-Download
 

530

Das Königreich Sardinien.

Brust bot, zitterte und erbleichte er bei Lesung eines Zeitungsartikels, der Verleum-dungen und Schmähungen gegen seine Person oder seinen Ruf enthielt.

Kein billiger und unbefangener Beurtheilcr Karl Albcrt's leugnet, daß seineMangel nnd Fehler in hohem Maße durch seine guten Eigenschaften überwogen wur-den. Unter diesen waren sein Gerechtigkeitssinn und seine strenge Achtung auf eigeneund fremde Pflichterfüllung vorherrschend. Lebhafte Neue empfand er, wenn falscherRath oder sein eigenes, durch äußern Einfluß von Furcht und Argwohn verdüstertesUrtheil ihn in Bezug auf Gerechtigkeit hatte fehlen lassen. Seine eiserne Thätigkeitund sein Eifer für das Wohl seines Vaterlandes ließen ihn nie die Erfüllung seinerPflicht vernachlässigen. Glücklich, wenn sein Streben Anerkennung fand, zeigte eroffene Verachtung für den leeren Beisallsrausch des Schmeichlcrhaufens. Währender die Sparsamkeit mit den öffentlichen Einkünften und die Gewissenhaftigkeit in derVerwendung derselben peinlich auf die Spitze trieb, war er freigebig z»id generös,doch nicht verschwenderisch, mit seinem väterliche» Erbe. Eitler Fürstcnstolz undSouveränctätshochmuth waren ihm von jeher fremd; er, der die Gleichheit aller Lan-desbürger vor dem Gesetze proclamirte, empfing mit gleicher Würde den Mann ausdem Volke wie den Patricier. Meist ernst und selbst düster in seiner stillen Zurück-gczogenheit, aber nie mürrisch und grämlich, hielt er sich fern von den Vergnügungenund Genüssen der vornehmen wie der niedern Masse. Für Fehler und Schwächenseiner Umgebung, wenn sie nicht aus bösartiger Natur flössen, und auch der frem-den Personen, die mit ihm in Berührung kamen, schien er kein Auge zu haben-Treulosigkeit, Falschheit und Heuchelei erfüllten ihn gleich sehr mit Betrübniß undEntrüstung. Seinem Selbstgefühl schmeichelte es, großmüthig gegen persönliche Feindezu sein, zu vergessen, wenn cS in seiner Gewalt stand.*) Unpatriotischc, zumaldeni fremden Einfluß zugethane Gesinnung vergab Karl Albert nie. Von ihm läßtsich, wie nur je von einem edel» Monarchcn, sagen, daß hohes Fürstengcfühl undpatriotische Hingebung, ja Aufopferungsfähigkeit sich auf das innigste in ihm ver-einigten.

Mit einem klaren, ursprünglich lebhaften, aber stark zur Reflexion hingeneigtenGeiste verband Karl Albert nicht unbedeutende Kenntnisse in der Politik, Legislaturund Administration, viel natürlichen Kunstsinn und reges Interesse für Wissenschaf-ten und Literatur. Französisch schrieb er mit ebenso großer Eleganz als Geläufigkeit-Seine Person, voll Würde und antiker Majestät, machte einen angenehmen Ein-druck. Durch sei» feines, doch selbst biö auf den leiseste» Schatten von Künsteleifreie- Benehmen, sowie durch eine anregende Conversationsweise nahm er leicht f"tsich ein, wußte er in heitern Momenten zu bczanbcrn. Hager und von übermittlcrcrGröße, im höchsten Maße schlicht, aber gewählt in der Kleidung, das Gesicht mitfast unwandelbarer Bläffe bedeckt, aber belebt durch ein feines, scharfgezcichnctcsAuge und anziehende- Lächeln, chevaleresk in Bewegung und Sprache: so laßtsich mit wenigen Worten da- Charakteristische in der äußer» Erscheinung Karl -l °bcrt'S andeuten. In Audienzen erschien er wohlwollend, aber rescrvirt, würdig,aber nicht stolz. Seine Lebensweise war einfacher al- die eine- Privatmannes, stetesund mäßig wie die eine- Anachorctcn. In dem von ihm mit königlicher Prachtrcstaurirteni Nesidcnzschlvß bewohnte er für seine Person ein einfaches, einer geräu-migen und wohlgeordnete» Klosterzelle gleichsehendes Zimmer. Auf seinen Tisch kam,namentlich i» den spätern Jahre», selten eine andere Speise als Reis, Gemüse u».Brot, und er mochte für sich, selbst an den Tagen glänzender Hosbälle »"d -Ban-

mals Den mit tyute empfangen, der im Stanigegen mich aussandte, um mich zu erdolche».