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Das Königreich Sardinien.
ketc, die sich mir »ach lange» Zwischenzeiten in seinem Schlosse folgten, keine Aus-nahme in dieser Lebensweise machen. Kaum von der Diplomatie und der Blütedes picinontcsischcn Adels verlassen, an dessen Glanz und Heiterkeit er sich ergötzthatte, eilte er schon in den Audienzsaal, um mit zutraulicher Aufmerksamkeit dieBitten und Beschwerden harrender Bürger oder Bauern zu vernehmen.
Über seine Negicrungsgrundsähe gibt uns Karl Albert selbst ein gedrängtesGlaubensbekenntnis, das er acht Jahre nach seinem Regierungsantritt in einer ver-traulichen, nur zum Austausch seiner Ideen mit einem Freunde verfaßten Schriftniederlegte.*) Darin heißt es: „Diese Gefühle meiner Jugend (Liebe für Vater-land und Volkswohl) haben sich immer mehr in meinem Herzen befestigt und ver-edelt, und seit meiner Thronbesteigung strenge ich alle meine Kräfte an, um sie aufdas größtmögliche Wohl unsers Vaterlandes hinzuleiten: durch die Gründung einerstarken, a;if billigen und für Alle gleichen Gesetzen beruhenden Regierung; durchAbwendung der Gefahr von der königlichen Autorität, schwere Fehler und Ungerech-tigkeiten zu begehen und die unwiderrufliche Aufhebung des Brauchs, sich in Ange-legenheiten einzumischen, die einzig und allein die Jurisdiktion der Tribunale angehen;durch die Organisation einer über Intriguen und persönliche Rücksichten erhabenen Ver-waltung, geleitet von dem zwar gemäßigten aber beständigen Geist des Fortschrittes;durch Erleichterung und Beförderung der Industrie; durch Ehrung und BelohnungdeS Verdienstes, in welchem Stande es auch hervortritt; durch die Organisation einesHeeres, fähig, mit Ruhm die „nationale Ehre und Unabhängigkeit zu erhalten ; durchEinführung einer so großen Ökonomie, Integrität und Strenge in der Finanzvcr-waltung, daß wir stets im Stande sind, große Dinge zu unternehmen und gleich-zeitig die Lasten deS Volks zu erleichtern; durch Regelung der öffentlichen Verhält-nisse in einer Weise, daß man bei uns volle und ganze Freiheit genießt, außer wennman Böses verüben will."
Als Karl Albert zur Regierung kam, fand er in Sardinien weniger einen inmoralischer Beziehung einigen Staat vor, als durch lockere äußere Bande zusankmen-gehaltene Provinzen. Genua und ganz Liguricn sehnten sich nach ihrer vor weni-gen Jahren erst verlorenen Unabhängigkeit zurück, und haßten die Piemontesen, mitdenen sie kaum gemeinschaftliche und wechselseitige materielle Interessen verknüpften.Die Insel Sardinien, stets von der Regierung des Festlandes vernachlässigt, erblicktein ihrem Verbände mit demselben nur das fortdauernde Werk der Usurpation, undhegte — was ihr insularischcr Particularismus leicht erklärt — noch weniger Sym-pathie für die Dynastie als Genua. In Savoyen und Nizza gab es eine starkefranzösische Richtung, wen» auch ersteres stolz darauf war, dem Reiche die Dynastiegegeben zu haben. Der fremde, zumal östreichische und päpstliche Einfluß war inDardinicn so »nächtig, daß seine Unabhängigkeit in wenig mehr als dem bloßen Na-men bestand. Die oberste Leitung des Tcaaks endlich befand sich in den Händenvon Jesuitenfreundcn. Jesuiten und Affiliirte ihres Ordens beherrschten die Schulenund behaupteten die höchsten Staatsämter. Es lag in ihrer Lebensbcdingung, denObscurantismuö und Despotismus zu erhalten, und zu diesem Zwecke war ihnenjedes Mittel gerecht. Während die Hauptstadt über den Thronwechsel in Jubel an«,brach und die liberale Partei selbst auf eine Vcrfastungsvcrleihung hoffte, empfingdie jesuitische Partei, dein fremden Einflüsse als Werkzeug dienend, den jungenMonarchen mit Mistrauen und Argwohn. Karl Albert, der seinerseits sein ganzes^cbe» hindurch dem Jesuitismus abgeneigt war und selbst bei seiner spätern askttt-sthcn Richtung ihm nie Herrschaft über sein Gewissen einräumte, wagt« es nicht, dir-w» mächtige» Feinde ohne Weiteres den Krieg zu erkläre». Langsam aber sicher
te ex die „„hellvolle Gewalt dieses Ordens und seiner Anhänger zerstören. Es war
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