Band 
Achter Band.
Seite
532
JPEG-Download
 

532

Das Königreich Sardinien.

ihm nicht unbekannt, daß die Jesuiten in seinen Staate» tiefere Wurzel geschlagenund verzweigter waren als selbst im Kirchenstaate, und daß sie sich die königlicheAutorität unter seinen beiden letzter» Vorgängern in fast unbedingter Weise dienstbargemacht hatten. Karl Albert war deshalb gezwungen, mit größter Vorsicht undKlugheit zu Werke zu gehen, und die nur geringe Gewalt, die er, obwol absoluterMonarch, factisch geerbt hatte, um so geschickter anzuwenden. Er konnte sich denLiberalen, für die er Sympathien hegte, um so weniger offen anschließen, als erdadurch nicht nur den mächtigen innern Feind gegen sich aufgebracht, sondern auchÖstreich und Nom den Fehdehandschuh hingeworfen hätte. Gezwungen zu kempori-siren und eine günstigere Zukunft vorzubereiten, berief er die gemäßigtsten Männerbeider Parteien zu seinen oberste» Nätben, sich möglichst persönlichen Einfluß aufdie Politik vorbehaltend und hoffend, die jesuitische Partei allmälig nach sich zu ziehen.Östreich und Nom dcsiguirten ihm zum Premier und Minister des Auswärtigen ihrergebenstes und eifrigstes Werkzeug, La Scarsena; doch wählte Karl Albert späteran dessen Stätt den gemäßigter» Grafen Solara dclla Marghcrita, den die Jesuitenwenigstens nicht als ihren Feind erkannte». Durch ihn hofften Letztere die sardinischeDiplomatie bei dc» auswärtigen Höfen in Händen zu behalte», und bei der vorherr-schenden religiöse» Richtung des Königs um so leichter zur Herrschaft über die poli-tische und religiöse Meinung desselben zu gelangen. Die Erfahrung hat gezeigt, daßGraf Solaro dclla Marghcrita solchen Planen keineswegs abgeneigt war. LangeJahre hindurch wußte er sich an den Thron anzuklammern. Wenn Karl Albert sichdieser Partei häufig unterworseu zeigte, und ihre Vertreter selbst durch Orden undWürden ehrte, so hatte er den geheimen, jetzt »»bezweifelten Zweck dabei, sie sich i»der Stellung Sardiniens zu Nom dienstbar zu machen, den allmächtigen EinflußOstreichs daselbst zu brechen und den scinige» zur Geltung zu bringen, wodurch, >wenn dies gelang, größere Einigkeit und Selbständigkeit der italienischen Regierungenangebahnt worden wäre. Doch wurde dieser Plan von der wachsamen und argwöh-nischen Politik Metternich's durchblickt, und der König sal, sich — vermittelst seinereigenen Diplomatie! - beständig verrathen. Eine festere und loyalere Stütze, alsdella Marghcrita bot, erwarb sich der König in dem Cavalicre Pcs di Villamarina,der, ein beständiger Rival des Elstern und gleich ihm lange Jahre hindurch Mun-ster, die Verwaltung des KricgsdeparkemeutS und das specielle Ministerium für dieInsel Sardinien erhielt. Fest und redlich von Charakter, und einen klaren Verstandmit langer Erfahrung verbindend, bildete er den eigentliche» Damm gegen dasÜberfluten des JesuitiSmus in der obersten StaatSleitung. Mit großem Eifer, wen»auch nicht mit gleichem Glücke, gab er sich der Reform dcS stark vernachlässigtenHeerwesens hin. Lebhaften öffentlichen Beifall fand die Ernennung des beliebtenGrafen Barbaroux zum Justizminister, dessen antike Tugenden in Picmont sprüch'wörtlich waren, und dessen juristische- Wissen ihm einen dauernden Namen in derWissenschaft sichert. Den Grafen Gallina und Ncvel, Beide äußerst thätig und denliberalen Principien nicht abhold, Letzterer geschickter Finanzier, wurde für längtetZeit die Verwaltung des Innern und der Finanzen zu Theil. Nur kürzere Zeit

waren die Grafen Pralormo und della Torre, eifrige Beschützer der klerikalen Nich' ^tung, im Ministerium.

Karl Älbert't Regierung und Politik vor der italienischen Rcfornibcwegung.

Zwischen den Meinungen der beiden Hauptparteien stehend, begann indessenKarl Albere auf eigene Hand sein mühsames Reformwerk. Geräuschlos u»d un-scheinbar trat dasselbe zunächst auf, und die liberale Partei erkannte bald, daß wenig'stens auf eine baldige Erfüllung ihrer Verfassungshoffnungen keine Aussicht wäre.allem war es die Criminalgerichtsbarkeit, in welcher einige Verbesserungen durchgcfuywurden. Die Gründung eines Civilverdienstorden« hatte die Belohnung der Bürger-tugend, des hervorragenden Streben» in Wissenschaft und Kunst zum Zweck- ' -

der Oberleitung des Ministerium« des Innern wurde eine Giuuta für Alterthum