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Das Königreich Sardinien.
und Künste eingesetzt, und diesem trefflichen Institute ist es zu danken, daß Turinsich schon in den ersten Jahren der Regierung Karl Albcrt's mit bewundernswürdi-gen Monumenten schmückte. Jeder tüchtige italienische Künstler war sicher, durchKarl Albert beschäftigt zu werden. Zahlreiche Decrcte rcformirtcn die militärischenVerhältnisse. Allgemeine Dienstpflicht wurde nach französischem Muster eingeführt,und machte es möglich, uöthigcnfalls über 100000 Mann ins Feld zu stellen. Öb-wvl Östreich ziemlich unverhohlen gegen die militärischen Reformen in Sardinien an-kämpfte, und die jesuitische Partei, in der aufblühenden Heercsstarkc in Zukunft eineihr gefährliche politische Macht erblickend, vielfachen Widerstand entgegensetzte, so un-terließ doch Karl Albert nicht, von den 75 Millionen jährlicher Einkünfte 27 Mil-lionen jährlich für die Erhaltung der Armee zu bestimmen und dieser unausgesetzteSorgfalt zuzuwenden. Die Civil- und Eriminalgcsctzgebung wollte Karl Albert gründ-lich und nach zeitgemäßen Principien rcformirl wissen, und zu diesem Behufe wurdeunter dem Vorsitze des trefflichen Barbaroux eine aus den bedeutendsten Mitgliedernder sardinischcn Magistratur zusammengesetzte Commission eingesetzt, die mit Eiferund erleuchtetem Sinne ein fast gänzlich neues Gesetzbuch, das jetzt in Kraft be-stehende Albertinischc, ausarbeitete. Durch ein königliches Dccrct, worin es hieß,daß die Regierung „in einem Theile der bestehenden Institutionen Veränderungeneinführe» wolle, welche der Lauf der Zeiten und der allmälige Fortschritt der Civili-sation nothwendig machen", wurde das Institut eines Staatsraths mit konsultativerStimme gegründet. Die Ernennung der Mitglieder ward jedoch ausschließlich demKönige vorbehalten und die Berathung auf Fragen des Innern, der Justiz und derFinanzen beschränkt.
Während diese und andere Reformen in Gang kamen, traten mehre Ereignisses ein, aus welchen die jesuitische Partei, beunruhigt durch die liberalen Absichten deSKönigs, neue Gewalt und Vortheile zu ziehen wußte. Zu Anfange des Jahres1352 hatten Missionare des Jesuitenordens zu Chambery einen Kramladen von Rc-liquicn und Heiligenbildern errichtet, und damit öffentlich einen schamlosen Ablaßtrödelauf Kosten des abergläubischen Landvolks der Umgegend verbunden. Wenn sich schonbei den Processionen der Missionare häufig die Rufe: Nieder mit den Jesuiten!Nieder mit den Missionaren! hatten hören lassen, so wurde die öffentliche Entrüstungdurch den frechen Betrug des Reliquien, und AblaßschacherS noch gesteigert. Unterdem Rufe: Nieder mit der heiligen Baracke! stürmte und demolirte eine Anzahl jun-ger Leute den Kramladen. Verschiedene Personen wurden verhaftet, doch ein VolkS-haufc verlangte stürmisch und erhielt ihre Freilassung. Die jesuitische Partei schrienun, zumal in Turin, über Anarchie und Rcligionsschandung, und erreichte vonder Regierung eine Militärvcrstärkung für Ehambery, unter deren Schutz die Missio-nare ihr unwürdige- Spiel unbehindert fortsetzten.
Ernstere und in ihren Eonscquenzcn bei weitem unheilsvollere Vorgänge brach-ten die folgenden Jahre. Während die öffentliche Meinung den BestrebungenKarl Albcrt's Beifall zollte, erhoben die republikanischen Flüchtlinge auS demJahre 1321 und der folgenden Zeit, zumeist iu der Schweiz, in Frankreich undLondon, die kühnsten, weitgehendsten Ansprüche an den König. Der bekannteEarbonaro Dal Pozzo richtete an den König von London aus einen offenen Brief,worin er nach einer Verfassung verlangte. Der Genuese Mazzini, da- Haupt desJungcn Italiens, eines unter den italienischen Flüchtlingen im Auslande verbrei-wteu gehrümn Bundes, verlangte mehr: Kriegserklärung gegen Östreich, Herstellungcv" ^'"heit, Freiheit und Unabhängigkeit, sowie Aufruf an die patriotische Jugendden nu ' ö" diesem Zwecke zu den Waffen zu greifen. Sein Schreiben schloß mitwar^n "Sire, ich habe Ihnen die Wahrheit gesagt. Die freien Männer er-wie Antwort aus Ihren Thaten. Wie sie auch ausfallen mag, seien Sie» ^ daß unsere Nachkommen in Ihnen den Ersten unter den Menschen oder den
' Iu,, den italienischen Tyrannen proclamiren werden. Wählen Sie!" Das
ge Italien unterließ nickt, durch geheime Verbreitung eine« Journal« »on