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Achter Band.
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Das Königreich Sardinien.

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wenn barbarische Willkür Justiz genannt werden kann — wurde im Namen derBarone geübt. Im eigentlichen Worlsiiinc war der Bauer globao sclZoriptus. DieGesetze gingen von einem feudalen, aus Geistlichen und Edelleuten bestehenden Par-lamente aus und verriethen keine Spur der modernen Civilisation. Die Ungerechtig-keit und der Druck des Adels war eine ewige Quelle des Elends rmd der Ver-brechen. Karl Albert und, ihm mit warmem Eifer zur Seite stehend, Villamarinaließen sich durch daS Geschrei, welches der Adel und der Klerus der Insel über ver-letzte Rechte und Interessen erhoben, nicht abhalten, den Feudalismus mit'kräftigenStreichen zu fallen, und die auf dein Fcstlandc des Reichs bestehende Steuer-, Civil-und Criminalgcsctzgcbung auch auf die insularischc Bevölkerung anzuwenden. Zahl-reiche zeitgemäße Verbesserungen wurden überdies in der Verwaltung und im Schul-wesen eingeführt; Anlegung von Straßen und Brücken erleichterten den innern Ver-kehr und beförderten den lange niedergehaltenen Wohlstand. Mit Freude begrüßtenStädte und Land das Bündniß mit der Civilisation, und man nannte Karl Albertden Befreier von der Tyrannei der Barone. Gleich Genua schloß sich die InselSardinien inniger an die alten Provinzen des Reichs an.

Mit dem Jahre 1842 trat eine unverkennbare Wendung hinsichtlich der Rich-tung des öffentlichen Geistes und der Negierungsthätigkcit ein. Zahlreiche Emigrirteaus dem Jahre 1821 kehrten nach Picmont zurück in Folge einer Amnestie, dieKarl Albert bei Gelegenheit der Verheirathung des Thronfolgers, Herzogs von Sa-Vvhen, mit der Erzherzogin von Östreich, Maria Adclaidc, Tochter des Erzherzogsund Vicckönigs von Mailand, Rainer, erlassen hatte. Die gereifter» polnischen Er-fahrungen und patriotischen Ansichten, die diese Männer aus langjährigem Exil mit-brachten, konnten nicht ohne günstige Einwirkung auf den Sinn ihrer Mitbürgerbleiben. Durch die wissenschaftlichen Congresse der bedeutendsten Gelehrten aus allenTheilen Italiens zu Turin und später zu Genua wurde der intellcctuellcn Bewegungein mächtiger Anstoß gegeben, und Karl Albert begünstigte sie durch manche treff-liche Reform der Universitäten und Einsetzung neuer Lehrstühlc für vaterländischeGeschichte., Archäologie, Handelsrecht, Nationalökonomie u. s. w. Es ist bekannt,wie die wissenschaftlichen Congresse jener Zeit auch die polilischen und nationalen'Hoffnungen Italiens anregten. Durch Milderung der Censur für inländische undim Auslande gedruckte Schriften wurde der Entwickelung der Wissenschaften und Li-teratur in Picmont ein freieres Feld eingeräumt, als sie im ganzen übrigen Italiengenoß, wen» man etwa Toscana ausnimmt. Mit den in den Nationalgcist tiefeingreifenden litcrarischcn und patriotischen Schriften Giobcrti's, d'Azeglio's, Balbo's,Durando's und Anderer ging daS litcrarischc und intellektuelle Primat Italiens ent-schieden von Mailand auf Turin über-

Während aber die freiere Richtung des VolkSgeistes die lebhafte Thätigkeitder Presse erweckte, erregten die wiederaufgenommenen Rcformbestrcbnngcn der Re-gierung Sardiniens Argwohn und Groll bei den Höfen der entgegengesetzten Po-Usss, namentlich zu Wien und Rom, zumal die revolutionären Bewegungen imMarken von 1845 —45, die Insurrektion von Bologna,^ ö» N'miini „„h blutige Conspirationsdrama der Brüdcr Bandieragraben Papst Gr""^ ließen, den sich die rctrogradc Politik in Italien ge-

m dessen Staaten dumpfe Verzweiflung mehr als irgend

anderswo auf dcr Halbinsel herrschte, tadelte in einer von Wien aus inspirirten Notean die sarduuschc Regierung die von ihr nnternonnnene» Reformen auf der InselSardinien, m der Absicht, den Sturz des Ministers Villamarina zu erwirken. Dochließ Karl Albert, mehr als je auf die Selbständigkeit seiner Politik eifersüchtig, sichnicht einschüchtern.*) Ostreich fand bald Gelegenheit, seinem Unwillen durch feind-seliges Benehmen Lust zu machen. Gerade diese« Auftreten aber sollte in bis dahin

*) Auf die geheimen Bestrebungen der ackmisch-östreichischen Diplomaten -„spielend, schriebKarl Albert im Mai I81Ü in einem vertimulichen Briefe: „Was auch im Übrigen geschehen