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Achter Band.
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Das Königreich Sardinien.

kaum gekannter Weise den Nationalgcist Sardiniens anregen, und den König in sei-nen nationale» und politischen Bestrebungen bestärken.

Zwischen Ostreich und Piemont bestand nämlich ein alter Handelsvertrag von1751, nach welchem letzteres auf den Salzhandel mit dem Canton Tessin Verzichtleistete. Obwol durch die Verträge von 1815 außer Gültigkeit getreten, hatte Pie-mont jenen Vertrag dennoch, zumeist des Nachbarfriedens wegen, eingehalten, glaubteindessen das Gesuch Tessins im Jahre 1816 um Transiterlaubniß für seinen Salz-bezug von Marseille billigcrweise gewähren zu müssen. Um Piemont aufS neue unterseine» Einfluß zu bringen, dem es durch die allmäligen Anstrengungen des Königsentschlüpft war, klagte Ostreich laut über Tractatbrnch und erhob heftige Reklama-tionen bei der sardinischcn Regierung. Die Antwort lautete entschieden abschlägig.Diese unerwartete Festigkeit steigerte den Zorn der östreichische» Regierung. Siegriff zur Repressalie und legte durch ein Dccret (20. April 1816), das durch seineFassung beleidigte, einen so starken Einfuhrzoll auf piemontesische Weine, daß der-selbe einem Einfuhrverbot gleichkam. Der ausgedehnte Wcinhandcl mit der Lom-bardei war eine Lebensbedingung für die piemontesische Weincultur. Indessen äußertesich die Wirkung dieser Repressalie in ganz entgegengesetzter Weise, als Fürst Metter-»ich gehofft hatte. Die Liberalen, die Interessenten, alle Männer von nationalemEhrgefühl bezeugten laut ihren Unwillen, den Karl Albert selbst offen theilte. Ineinem Appell an die öffentliche Meinung vertheidigte der König mit Würde die Ge-rechtigkeit seiner Sache*) durch eine einfache Darstellung; die Zollerhöhung wurdeausdrücklich als „Repressalie" bezeichnet. Um nicht zu verhehlen, daß er die poli-tische Bedeutung der Maßregel erkenne, befahl er fast gleichzeitig die Publicationeine-,mit Frankreich auf günstiger Grundlage abgeschlossenen Handelsvertrags, ausdem Ostreich seinerseits leicht erkennen konnte, daß Piemont nicht isolirt dastand undfür jede Eventualität einen Alliirtcn hatte. Kaum waren diese beiden Acte veröffent-licht, als sich in der Hauptstadt und bald im ganzen Lande eine enthusiastische Agi-tation verbreitete. Mit Stolz und Jubel sahen die Piemontescn, wie sich ihr Königjener Großmacht gegenüber, vor der Italien sich beugte, vor der auch Piemont solange sich gebeugt hatte, zum Interpreten des nationalen Geistes, z»m Beschützer der-nationalen Würde machte. Die durch die Repressalie zumeist bedrohten Weinbau-provinzen bezeugten die lebhafteste Genugthuung über die unabhängige Politik desKönigS. Die eben versammelten Provinzialra'the von Vercclli, Casale u. s. w. sandtenDeputationen an Karl Albert, um ihn zu beglückwünschen und zu versichern, daß siezu allen Opfern bereit seien. I» Turin ließen die Bürger häufig auf den Stra-ßen und vor dem Schlosse des KönigS, zum größten Misvergnügen der jesuitischenPartei, begeisterte Lebehochs auf Karl Albert erschallen. Als eS bekannt wurde, dassder König am 6. Mai (1816) auf der Piazza d'armi eine Revue über die Truppenabhalten wolle, strömte ganz Turin an diesem Tage auf die Straßen, durch die derKönig passircn mußte, um ihn durch die großartigste Manifestation zu ehren. DochKarl Albert erschien nicht. Er contremandirke die Revue auf einen andern Tag,weil jesuitische Höflinge ikn versichert hatten, daß die Bürger ihn mit dem Rufe:Es lebe der König von Italien! empfangen wollten**), und er sich aus Klughcits-

wag, ich halte mich bereit zum Wille» Gottes, und es würde ein Glück für mein Herz sein,wenn man unserer nationalen Unabhängigkeit Gewalt anthun wollte. Man wird erfahrenweffen ich fähig bin."

*) Dieser Appell erschien in der officiellen Zeitung vom 2. Mai 1846.

**) Zn einem Briefe vom 6. Mai schrieb der König: „...Ich habe sichere Meldung erhal-ten, daß man den Ruf: Es lebe der König von Italien! ausbringe» will, und schiebe deshalbdas Manoeuvre auf. Die Meisten hatten ihren Arbeitern zu diesem Zweck Ruhetag bewilligt;die Studenten, rine große Meng« Bolk« sollte sich versammeln. Sage man von mir, wasman wolle: ich glaube diese« Opfer der Ruhe und dem Wohl« des Landes darbringen »»müssen. Wenn die Zeit wird gekommen sein, dann mögen sie, statt zu schreien, ihr Blut wdem meinigen für da« Vaterland vergießen." 4tz,l. die Documenlensammlung lyiialteno»,2. Abth., l, 461.