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Achter Band.
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Das Königreich Sardinien. 539

rücksichtcn nicht im Angcsichte der Diplomatie durch die Annahme der Demonstrationund ihrer verfänglichen Rufe den Anschein der Offensive gegen Östreich geben wollte.* *)Somit war es den Höflingen durch falsche Berichte gelungen, die Manifestation undihren voraussichtlichen Nachhall im übrigen Italien erfolglos zu machen. Die Bür-ger beklagten das Verhalten Karl Albert's bei dieser Gelegenheit. Doch bald wurdeeS wenigstens einem Theile des Publicums bekannt, welcher Umstand ihn zu diesemVerhalten bestimmt hatte, und der Zorn dcS Volks fiel auf das Haupt der Intri-ganten. Im wiene^ Cabinct verursachte diese nationale Regung Piemonts bösesBlut**), und Fürst Mctternich zog die piemvntestschc Transitfrage so lange hin, bises für ihn zu spät war, sie noch zu lösen.

Die Zeit von 18^7.

Kaum war der Jubel der „glorreichen Tage", wie Karl Albert halb ernst halbscherzhaft diese Zeit der ersten Manifestationen nannte, verhallt, als unerwartet undgeräuschvoll zu Turin die Nachricht eintraf, daß Papst Gregor XVI., der Fürst, derso viele Seufzer der Brust seiner Unterthanen cntpreßt, der sich als unversöhnlicherFeind der Civilisation, der Schulen, der Eisenbahnen und eines freie» Italiens er-wiesen, seine Augen geschloffen habe. Nom athmete auf und jubelte. Aber in denJubel selbst mischtcu sich die Verwünschungen der Vergangenheit, nicht nur in derEwigen Stadt, sondern iu ganz Italic». Rom vor Allen war erfreut, daß es sichdurch den Tod von dem Drucke der eiserne» Hand befreit sah. Man hegte die Über-zeugung, daß eine Fortführung des Gregorianischen Systems unter dem künftigen

Papst nicht mehr möglich sei. Als Pius' IX. Cbaraktermilde bekannt wurde, alsdieser sich zumal, theils aus Gutmüthigkeit und nationalem Sinn, theils aus Stre-ben nach Popularität, durch Erthcilung einer Amnestie, durch Lüftung des Preß-zwangcs (15. März 1847), durch die Einsetzung eines PkovinzialrathS (Ist. April),durch die Gewährung der Natioualgarde (<>. Juli) und der Staatsconsulta (1. Oct.),sowie durch andere Reformen den Volkswünschen geneigt zeigte : da ging die Freud«in stürmische Begeisterung für Pius IX. über, in dem der römische Volksinstinctgleichsam die Negation deS Papstthums als weltliche Gewalt und dem zufolge das

Erstehen eines freiern und würdigern NationallebenS feierte. In der That schien

Pius IX. den Charakter als absoluter Fürst abgelegt zu haben. Er stand dem Volks-sinne nicht antagonistisch gegenüber; er ging in ihm auf. Die erstaunte Welt sahNom schon zu seiner antiken Lebendigkeit und Größe wiedererwache». Volksfestefolgten auf Volksfeste, Manifestationen auf Manifestationen, Banset« auf Dankete.

allen nahen und fernen Städten italienischer Zunge fand der Entbusiasmus derNonier ein rasches und lautes Echo, das dem aufgeschreckten Absolutismus mitRecht als Drohung, als Schrei »ach Freiheit und Gerechtigkeit erschien. Vergeblichrafften die Stammhalter des alten System« ihre Kräfte zur Niedcrhaltung dcS Im-pulscs zusammen: jedes neue Evviva auf Pius IX., auf die Wiedcrerstchung Ita-liens lahmte ihre Macht, machte sie vollends rathloS.

Zunächst und am lebhaftesten trat die Rückwirkung der römischen Bewegung>n Tvscana hervor, wo die Regierung dem ungeduldigen Andrang nachgab, wenn

) Nur erstaunliche Leichtfertigkeit und Unwissenheit des «Verfasser« (Brofferio) der „8,orin(ii I wmonlo , der einzigen neuern Geschichte Pienwnt« in italienischer Sprache, in BetreffMrr weniger auf offener Hand liegenden Handlungen Karl Albert'« läßt diesen sagen, daß

* '^°nig sich aus Furcht vor dem Volk und, an einer andern Stelle, au« natürlicher Aver-die Demokratie dem Anblick de« Volk« entzog, ja, „daß der gute Wille des Volk«i» beleidige» schien"!

28 unverhaltcncn Zorn Metternich'« schrieb Karl Albert in einem Briefe vom

so »in „Dieser arme Fürst Metternich flößt mir Mitleid ein. Wa« mich betrifft,

Inee^kr ?er kleinen, sehr kleinen östreichischen oder retrograden Partei in Piemont festr-?' ""f be», Wege des Fortschritt« fortzufahren, und in Allem, wa« »um Glucke de»k fuhren und unsern Isationalgeist entwickeln kann... Wenn man übrigen« au« unserm