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Achter Band.
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Das Königreich Sardinien.

auch ungern. Die freiere Presse entwickelte sich alsbald zu einer unübcrwältigendenMacht. Zu Pisa, Sicna, Florenz und Livorno folgte» sich begeisterte Manifestatio-nen und tumultuarischc Auftritte. Nach langem Zögern wurde die siürmisch ver-langte Volksbewaffnung (12. Scpt. 1847) gewahrt, und diesem ersten große» Volks-siege, den Toscana mit namenlosem Jubel feierte, folgte bald die Bewilligung derwichtigsten Verfassung-freiheiten. Die Stadt Lncca stand offen gegen ihren bourbo-»ischcn Fürsten Karl Ludwig auf, der seine Staaten an den Herzog von Toscanacedirtc und sich nach Modcna flüchtete. Langsamer trug sich die Bewegung vonder Tiber nach Neapel, nach der Insel Sicilicn über. Doch sie entflammte sich hierum so mächtiger, je eiserner und rücksichtsloser der Widerstand war, der ihr hier be-gegnete. Zu Neggio und Mcssina, dieffcit und jenseit des Faro, erhob die Rcvo- !

lution zugleich ihr Haupt. In Blut erstickt, erstand sie um so gewaltsamer zu An- ^

fang des Jahres 1848 in Palermo: ganz Sicilicn stand in Flammen und riß sichin offenem Kampfe von der bonrbonischcn Herrschaft los. Um nicht auch die Staa-ten des Festlandes zu verlieren, trat König Ferdinand von Neapel den drohenden !

Demonstrationen und revolutionären Zuckungen seiner Hauptstadt mit Gewährung i

der Verfassung und der Nationalgarde entgegen. Vergeblich versuchte» die Herrscherin Parma und Modcna die Bewegung in ihren kleinen verkommenen Staaten durchwiederholtes Einschreite» zu bändigen. Nur um so rathloscr mußten sie sich späterfügen oder wol gar davoneilen. In den der östreichischen Herrschaft unterworfenenLändern Italiens entzündete der erste Freudenschrei der Nömcr in gleichem Grade ^

die Begeisterung für die Freiheit Italiens. Von Mailand und Venedig bis zu de» ;

kleinsten Städten herab harrte das Lombardisch-Vcnctianischc Reich dem allgemeinen !

Ausstände entgegen. Überall organisirte sich drohender Widerstand gegen die Regie-rung, jeder Tag bereitete die Jnsurrection vor.

Unter den italienischen Fürsten war Karl Albert der einzige, welchen die Rcsorm-richtung PiuS' IX. mit Freude und patriotischer Hoffnung erfüllte, s'altoml-! mc»>astral hatte er in frühern Jahren den Männern seines Vertrauens zugerufen; undmit dem ersten Morgenstrahl des italienischen Nationalbewußtseins sah er vielleichtseinen lange erwarteten Stern aufgehen. Er sah seinen Jugcndlraum, der ihn selbst !auf dem Throne nie verließ*), lebendige Gestalt annehmen; und wem anders alsihm konnte cS bestimmt sein, ihn glorreich zu verwirklichen oder sich für ihn zuopfern! In Picmont, zumal in Turin, mußte der gewaltige Umschlag der Dingein Rom um so tiefer empfunden werden, als hier, wie schon bemerkt, der JcsuitiS-mus sei» Hauptquartier aufgeschlagcu hatte. Man sah voraus, daß die Tage desJesuitismus gezählt waren; den» der Alliirte der Gregorianischen Politik mußte unterPiuö IX., der Negation des theokratischen Princip-, über kurz oder lang, seines ge-heimsten innern Halts beraubt, zusanunenbrechen. Und an seinen Sturz knüpfte»sich alle politischen und nationale» Hoffnungen des Landes.

Vergeblich griff die jesuitische Partei selbst zu niedrigen Mitteln, um die Ein-tracht zwischen Karl Albert und seinem Volke zu stören. Vergeblich besoldete sieAgenten, die den Bürgern auf der Straße in bewegter» Momenten zuraunen muß-te», daß man Karl, Albert nicht vertraue» dürfe, weil er Pfaffe von Grundsatz, ge-heimer Anhänger Ostreich- an- Neigung und Vcrschwägcrung sei. Gleichzeitig abersuchten die Häupter dieser Partei den König glauben zu machen, daß hinter der Hei-

lande den anti-östreichischen Geist verbannen wollte, so müßte man den Anfang dazu nntmeiner eigenen Ausweisung aus Piemont machen." Aal. Gualterio's Documentensammlung,2- Abtb., l, 117. ....

^ ') „3» fühle es", schrieb Karl Albert IM in einem Memorandum, welche« einer späternZeit erst bekannt werden sollte, „daß mein Herz bis zu meinem letzte» Seufzer bei dem I»a-men Vaterland und Unabhängigkeit von der Fremdherrschaft höher schlagen wird. Vgl.brüND, kl uns unsKioue in al lia l'.ui lo , S. ^7.

bereits ähnliche'Stelltn au« Karl Albert'« Briefen mitgetheilt, und konnten dieselben leicht adem uns vorliegenden Documenlenschatz durch viele andere gleiche Gesinnung-äußerungenKönigs vermehren.