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DaS Königreich Sardinien. §
dtirs zweifelhaft mache, wenn die Marion nur jedem Augenblick zur Vollbringunggroßer Thaten auf daS Feld gerufen werden könne, auf dein die Sache Italiensausgekämpft werden solle: dann erkenne der Handelsstand freudig an, daß über denkommerziellen die Nationalintercsscn stehen, daß die kaufmännische Specnlation denVerpflichtungen des Bürgers, das Privatwohl dem öffentlichen Wohle untergeorbsei, daß es besser, einen Theil mit Ruhm zu opfern, als daS Ganze mit Schandeverlieren, daß das Heil des Vaterlandes nicht mit leeren Demonstrationen, sondernmit männlichen und hochherzigen Beschlüssen in Obhut zu nehmen. Feierlich schloßdie Petition mit den Worten: „Von diesen Gründen geleitet, vereinigt im Sinn undWillen, und tief durchdrungen von der Wichtigkeit und Größe deS Pfandes, welcheswir Ew. Majestät ,'in Angestchte der ganzen subalpinischen Nation, im Angefachte !ganz Italiens bieten, vertrauend in Gott, der die gerechte Sache der Völker beschützt,
vertrauend in Ihren Höchst»» und Ihre Bestimmung, nähern wir uns ihrem Her- !
zen, und tragen Ihnen aus freiem Willen unser Geld und unsere Habe an, alkBeisteuer zu der großen Verwendung deS öffentlichen Schatzes auf die Befestigungder Vcrtheidigungsplätze, auf die Rüstung deS Heeres, auf jede militärische Vorbe- !reitung, bieten wir Ihnen selbst unser eigenes Leben zur gemeinsamen Vertheidigung ^an, und eilen wir alle bereit, freudig und muthig auf den ersten Wink herbei, umunS um das Kreuz von Savoyrn zu scharen und unter diesem glorreichen angeerbtenZeichen zu siegen oder zu sterben. Und so helfe Gott dem Könige und seinem Volke!"*) ,
Unter den 4 — 500 Unterschriften der reichsten Kaufleute las man die Namen deS !
Marchese Roberto d'Azeglio, der ersten subalpinischen Bankiers Nigra, Barbaroux, !Ponte di Pino, Casana, Todros, Long, BonafouS, View, Bertini u. s. w. — Män-ner, die zum Theil später Gelegenheit hatten, ihre patriotische Verpflichtung in ruhm-würdiger Weise zu bethätigen. j
Seit Mitte deS MonatS Januar war es ein viclverbreiteteS Gerücht, daß der >König sich mit seinen Ministern über die Verleihung einer Verfassung und derenwichtigste Principien verständige. Die Antwort deS König« an verschiedene Depu-tationen, die um Gewährung der Volksbewaffnung u. s. w. baten: daß die Zeit zugrößer» und wichtiger» Dingen gekommen sei, gab den VerfassungSgerüchten nochfesten, Halt. Doch stieg im Dränge der Ereignisse die Ungeduld immer höher,und jeder Tag, der mit Erwartung begonnen und mit Enttäuschung geendet hatte,schien der öffentlichen Meinung ein unermeßlicher Verlust für die Sache Italiens,für die moralische Stellung PicmontS zu den bedrängten Staaten deS gemeinsamenVaterlandes. Au« Genua trafen beunruhigende Nachrichten ein. Am 50. und !51. Jan. waren dort die Gemüther i» der glühendsten Aufregung über die bluli- !gen Kampfe in Palermo, über die Gerüchte von Gräuclscenen in Neapel und über jdir noch ungewissen Schicksale der Insurgenten. DaS leidenschaftliche Volk ver-muthete den verhaßten neapolitanischen Polizciministcr Del Caretto in Genua an-wesend, und brach darüber auf den Straßen und Platzen in Verwünschungen gegendiesen an-. Der Gouverneur von Genua sah sich gezwungen, auf daS Andrängen dckJugend Volksbewaffnung zu bewilligen**), und sogleich wurden wichtige Posten derStadt von rasch improvistrtcn Nationalgarden besetzt. Da lief am 2. Fcbr. das ,Dampfboot „Capri" in den Hafen von Genua ein, und brachte der zu Tausende» has' >renken Menge die Nachricht von der ConstitutionSvcrlcihung in Neapel, von demmstcrwechsel und dem vollständigen Siege der VolkSpartci. In einem Augenblick ändertesich die Physiognomie der Stadt. Die Ungewißheit und leidenschaftliche Agitationö"'g in siürmischcn Jubel über; auf allen Straßen erschallten tausendfache Rufe-
*) Wir thkilm hin da« Wesentliche dieser Petition, die später al« Adresse de« HandelSsta«'des an den König bc,c>chnct wurde, als ein wichtige«, die damalige öffentliche StiinmuniiTurin« lbarakterisirenekt Dokument mit.
»«) Um diesen schritt ,u rechtfertigen, schrieb der Gouverneur nach Turin: „Entweder -»ombardement oder Verfassung."