Tlls Königreich Sardinien. '>47
ES lebe Srciiien! Es lebe Neapel! Es lebe Italien! An vielen Orten »Nichtensich in den betäubenden Freudenlärm Evvivas auf die fünf Jahre vorher in Neapelerschossenen Bruder Bandiera. Um das Andenken an das vergossene Blut dieser bei-den Jüngling« und ihrer Schicksalsgefährten zu ehren, strömten Männer und Frauen,wie auf ein gegebenes Zeichen, nach der Kirche der Nunziata, wo man mit nochtief bewegter Stimme ein feierliches Tcdeum zum Himmel sandte.
Auch in Turin machten die Nachrichten auS Neapel tiefen Eindruck. Es er-schien nun Allen gewiß, daß nicht nur Turin, sondern auch Florenz und Rom denvon Neapel betretenen Weg zur konstitutionellen Verfassung einschlagen müßten. Einegroße Anzahl von Bürgern begab sich nach dem Palais deS neapolitanischen Ge-sandten, um ihn durch freudige Hochrufe auf dir neapolitanische Verfassung zu be-glückwünschen. Abends war Turin illuminirt. Sei es, daß daS Municipium derHaupstadt, zum größten Theile aus Patriciern zusammengesetzt, die Verwirklichungder königlichen Absichten beschleunigen wollte, ses es, daß einige Mitglieder vom Ver-langen nach Popularität gedrängt wurden: in der Municipalsitzung vom 3. Febr.kamen die öffentlichen Begehren zur ausschließlichen Berathung, in der Absicht, die-selben dem Könige zu empfehlen. Der Advocat Sineo schlug nur die Bitte an denKönig um Gewährung der Volksbewaffnung vor; Graf Santa-Rosa ging weiter,und schlug die Bitte um Verfassungsverleihung vor. Nach kurzer aber lebhafterBerathung wurde der Vorschlag des Letzter» mit 36 gegen 12 Stimmen angenom-men. Gewiß ist, daß viele Votanten der Majorität positive Kenntniß von der Ab-sicht des Königs, eine Verfassung zu geben, besaßen, daß sie selbst wußten, wie derenglische Gesandte zu Turin, Lord Abercromby, am 2. und 3. Febr. im Namenseiner Regierung dem sardinischen Minister des AuSwärtlgen und des Kriegs, Sän-Marzano, ausdrücklich die baldige Verleihung der Constitution angerathen und Öst-reich gegenüber britischen Schutz zugesagt hatte.*) Graf Santa-Rosa wurde seitjenem Tage der Liebling des Volks; man feierte seinen Namen auf Banketen unddurch Manifestationen vor seinem Hause.
Karl Albert präsidirte eben am 7. Febr. einem außerordentlichen Ministerrath,der sich mit der Verfaffungsfrage beschäftigte, als sich die beiden Abgeordneten desMunicipiumS, Nigra und Colli, zur Überreichung der votirten Adresse nach demSchlosse begaben. Aus dem Schloßplätze und den anliegenden Hauptstraßen warenzahllose Bürger in verschiedenen Gruppen versammelt. Auf vielen Gesichtern drücktesich ängstliche Spannung, auf andern ruhige Erwartung, auf noch andern freudigeHoffnung aus. Die Haltung Aller war ruhig und würdig. Gegen Abend verbrei-tete sich das Gerücht, daß der König im Angesicht« der versammelte» Volksmengenicht deliberiren wolle, und wenige Minuten darauf zerstreuten sich die Bürger frei-willig und In ernster Stille. Über die Antwort deS König« an die Deputation ver-lautete nicht«. Doch laS man an verschiedenen Straßenecken die Worte: „Bürger!Ordnung und Mäßigung! Der König hat gesagt, daß er die Wünsche seiner Völ-kcr befriedigen will!" Dies genügte, um die Gemüther mit Vrrtraurn und Freudezu erfüllen. Am folgenden Morgen vernahm man, daß die wesentlichsten Punkteder Verfassung i„ einem zur vorgerückten Abendstunde abgehaltenen Ministcrconsell
^ worden. ^ Eine ungcmcme Spannung beherrschte die ganze Stadt,
^lle Easrs, alle Straßen füllten sich mit hj,,. und hcrwogender Menschenmenge; ein-zelne Artikel der Verfassung liefen gerüchtweise von Mund zu Mund. Gegen 4 UhrNachmittags fand endlich die Publication des königlichen Manifeste» statt. Die Ent-> )c>dung war gefallen. Die sardinischen Völker wurden zu freiem Verfassung»-berufen, traten in die Reihe der selbständigen Nalionrn Europas! „Nun die
Lord Abercromby'« vom .1. ffcbr. 1847 an Lord Palmerston in derFragen Office veröffentlichten diplomatischen Corrcspondcn; über die italienischen
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