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Achter Band.
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Das Königreich Sardinien. 54S

Noccabruiie und Mentone erklärten ihren Anschluß an Picmont. Dom Ätna bis zuden Alpen erstieg der nationale und Frciheits-Enthusiasmus seinem Gipfelpunkt, unddie Evvivas von Millionen Zungen auf ein großes, einiges und unabhängiges Va-terland würden keinen bangen Nachklang in den Gemüthern zurückgelassen haben,wenn das klagende Wort des Dichters:

Obi sollro sncor, ctü laoguv

In giorni co8i delli?

0 povoei sealelli,

' ll voslro cki veera — *)

sie nicht durchzittert hätte. Nur in der Lombardei und in Venedig durfte die natio-nale Begeisterung noch nicht durch Worte oder Rufe laut werden. Während sichdie Bewegung frei auf der ganzen Halbinsel entfaltete, wurde für die Bewohner derLombardei und NencdigS (am 21. Febr.) das Standrecht proclamirt. Aber geradedies sollte den lange zurückgehaltenen Jnsurrcctionskamps von Mailand und die fastgleichzeitige Erhebung Venedigs herbeiführen.

Inzwischen hatte zu Turin eine zahlreiche Bürgerversammlung beschlossen, sammt-liche Gemeinden und Städte Sardiniens zur gemeinsamen Verfassungsfeier auf den27. Febr. in der Hauptstadt zusammenzuberufen. Eine auS den beliebtesten Män-nern (Marchesc d'Azcglio, Graf Santa-Nosa, Advocaten Sineo, Corners, OberstDurando, Graf Chiavariua u. s. w.) zusammengesetzte Vvlkscvmmission leitete imVereine mit dem Munieipium die Vorbereitungen zur Feier. Kaum war der Mor-gen des Festtags angebrochen, als sich auf dem Sammelplätze, dem weiten Marsfcldebei Turin, nach und nach die Deputationen aus fast allen Städten bcS NeichS ver-sammelten. Die Muni'cipicn, die Universitäten, die Gcwcrke der verschiedenen Städtevon Annccy bis nach Spezia, vom Simplon bis nach Nizza erschienen um Municipal-und Nationalbanner geschart, und zum ersten mal reichten sich Savoycn und Ligu-ricn, Picmont und Sardinien unter dem Donner der Artillerie, unter Trompeten»geschmcttcr und berauschenden Hochrufe» die Hand zur Besicgelung dcS innigstenVerbandes. Über 60000 Männer waren als Gaste in Turin eingezogen. Langsamund geordnet bewegte sich der ungeheuere Zug nach der Kirche Gran madre di Diojenseit dcS Po, und von dort durch die lange, Turin in zwei Theile schneidende Po-straße. Die Banner TurinS und GcnuaS wehten an der Spitze; dann folgten dieMnnicipicn von Chambcry, Nizza, Cagliari, Aosta, Novara, Asti, Saluzzo, Alessan-dria, Cnueo, Casale, Mortara, Novi und aller übrigen Städte und Gemeinden.Zwei Fahnen zogen vor allem die Blicke der Zuschauenden auf sich. Auf der einenlaS man die Jahrzahlcn: 1821 — 1831 — 1833. Zahlreiche, im Exil ergraute undgereifte Männer, Picmonlcscn und Gcnucscn, folgten ihr, tief bewegt durch den Wech-sel der vaterländischen Geschicke. Hinter den Hcimgekehrtcn schritt eine Schar meistjunger Männer mit Traucrzcichcn um Hut und Arm, mit düsterer und unruhigerMiene. „Das sind die Lombarden!" rief die Volksmenge überall, wo sie vorbei-zogen, und in tausendfach verschiedener Weise gaben sich nationale» Mitgefühl undbange Ungewißheit über die Schicksale der Skammgenossen kund. Nach den Städtenfolgten die Stände, die Corporationcn, die Eewcrke, die freien Künste, die Uuiversi-taten, die Magistrat»«», die Administration, die Vertreter der periodischen Presse,der Armee, der Marine n. s. w. Dazwischen erhoben sich nicht weniger als 30000Banner und Fahnen, prächtige Triumphwagen, zahllose an frühere Größe erinnerndeEmbleme u. s. w. Kanonendonner und patriotische Hymnen, Glockengeläute undstürmische EvvivaS erfüllten unaufhörlich die Luft, und trugen die glühenden Gefühle""d Wünsche der subalpinischcn Völker zum Himmel. Über drei Stunden dauerte

) Deutsch etwa: Wen drückt noch Kummer niederIn so beglückten Tagen tBald wird, o arme Bruder,

Auch eure Stunde schlagen I