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Achter Band.
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550 Das Königreich Sardinien.

der Borüberzug an dem Schlosse, von dessen hervorspringcndstcm Balcon herab KarlAlbert die begeisterte Huldigung seines Volks italienischer und französischer Zungeentgegennahm. Doch in den mächtig dahinbrauscnden VolkSacclamationen lag nichtmehr die heitere, fast unbefangene Freude der Novemberfeste und des 8. Febr.: derEnthusiasmus deS 27. Febr. war männlicher und ernster. Der Gehuldigte und dieHuldigenden schienen in dem überwältigenden Schauspiele das Herannahen einer gro-ßen, erschütternden Epoche zu ahnen. Sicherlich mußte Karl Albert, bei dem An-blick einer solchen Hingebung für ihn, bei einer so überwallenden Liebe zum Vater»lande, den Augenblick genaht glauben, wo er seinen lange Jahre geheim gehaltenen,doch mit desto größerer Innigkeit gehegten Gedanken der politischen Große Italiensin lebensvolle Wirklichkeit versetzen solle. Welche Gewalt, welcher an Zahl über-legene Feind konnte diesem Volke widerstehen, das nicht- glühender wünschte, als„mit der azurnen Locarde auf der Brust und mit italienischem Pulsschlag im Her-zen" dem Vaterland« die höchsten Opfer zu bringe»! Lebhafte Bewegung, vielleichtein tiefer Kampf, schien das Innere des KönigS zu beherrschen. Die gewöhnlicheUncmpfindlichkcit seiner Miene war einem sinnenden Ernste gewichen; sein Gesichterschien noch blässer als gewöhnlich; auS dem fast eingefallenen Auge drangen be-lebtere Blicke. Noch im kräftige» ManneSaltcr stehend, bedeckte weißes Haar sci-uLn Kopf, weißer Bart seine Lippe; doch hatte seine hagere Gestalt nichts von ihrerfosten und würdigen Haltung verloren. So sah daS Volk seinen König. Und mitdem Rufe: Es lebe Karl Albert! den Ruf auf die Unabhängigkeit Italiens verbin-deird, schien eS seine geheime Bewegung zu errathen und ihn zur höchsten Entschri-düng hindrängen zu wollen. Der Sturm der Gemüther wirkte unwiderstehlich; KarlAlbert war, wenn nicht durch ausdrückliches LLort, so doch durch den Sinn derManifestation, zum Helden Italiens proclamirt. An sein Schwert hefteten sich dieBlicke der hunderttausend Männer und Jünglinge, die ihn begeisterungSvoll begrüß-ten. Nach dieser imposanten Revue, wie sie nur je ein König am Vorabend großerGeschicke über seine Völker gehalten, nach dieser überflutende» Ovalion und Huldi-gung konnte keine Macht mehr, außer der deS Todes, zwischen Karl Albert und denentfesselten Nalionalgcist treten. In allen Gemüthern ließ der Tag deS 27. Febr.einen unbeschreiblich tiesc» und andauernden Eindruck zurück; alle Gemüther wur-den von den Schauern einer gewaltigen Zukunft angeweht, von der man sich nochkeine klarere Vorstellung machen konnte, deren Schwere man aber dunkel, ahnungs-voll fühlte.

Im Lauf« de« Tags ging eine unheimlich« Nachricht von Mund zu Mund; «Shieß: der Jnlithron Frankreichs Ist umgestürzt, in Paris ist die Republik proclamirtworden. Nirgends fand der Name Republik damals weniger Anklang als in Pie-monl; kein Land war weniger als dicscö auf solchen Wechsel in Frankreich vorberei-tet. Alle» Classen, allen Parteien, mit einziger Ausnahme vielleicht der jesuitische»,welcher der Umsturz de- JulithronS als Schreckmittel dienen konnte, erschien einefranzösische Republik alü europäische- Unheil, und besonders unheilvoll für die Ge-schicke Italien-. Die vorgeschrittensten Journal« Turin« und GenuaS nannten dieErstehung der französischen Republik ein „verhängnißvolles Ercigniß".

Ler Märzmonat von 15-8: die Rüstungen Karl Albcrt'e, das neue Ministerium, erste Nachricht

von der mallLndcr Erhebung.

Seit den» Tage deS 27. Febr. sollte in Turin für lang« Zeit die wechstlvollsteBewegung anhalten. Zwar verschwanden die Manifestationen, die Versammlungenaus den Plätzen; doch die wichtigen Ereignisse, die sich drängten, beschäftigten destoernster das Nachdenke» der Bürger. Die Nachgebet Karl Albert'S waren verwirrt,wußten sich nicht in die neue» Verhältnisse zu füge», wußten nicht, woran zurr!Hand anzulegen. Auf dem Könige allein lastete die ganz« Schwere der vate^"v>-scheu Angelegenheiten. Zunächst richtete sich sein Augenmerk aus die Armee. T>ur^ein Decret (von, 2. März) rief er alle beurlaubten Offiziere und Soldaten unter o»