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DaS Königreich Sardinien.
Fahnen, und befahl er die Aushebung von drei Altersklassen der Infanterie, derBcrsaglicricorpö, deS Sappcurcorps, der Artillerie und des Train. Ein weithallen-der Jubclschrei deS LandeS begrüßte die beginnende Rüstung. Kaum war das lang-ersehnte Gesetz über die Organisation der Nationalgarde bestätigt (2. März), als sichschon am folgenden Tage ein aus mehren hundert Bürgern bestehendes National-gardecorpö bildete, welches über die Ruhe und Ordnung der Stadt wachte. Dietiefe und gerechte Entrüstung gegen die Jesuiten, die sich bereits von der Insel Sar-dinien undHon Genua geflüchtet hatten — in letzterer Stadt wurden ihre Profcßhäuseri» Kasernen verwandelt —, rief (3. März) daS Dccret über die Verbannung desJesuitenordens aus allen sardinischen Staaten hervor. Noch an demselben Tage sahenTurin, Chambcry, Chieri, Novara und andere Städte die Jesuiten und die ihnenafstliirten Orden (wie in Turin die Schwestern vom Heiligen Herzen) davonziehen.In Genua, so sagten Gerüchte, hätten die Behörden und daS Volk bei der Räu-mung der Jcsuitenhäuscr Briefwechsel mit auswärtigen Staatsmännern, mit denHäuptern deS schweizerischen Sonderbnndc« und den Chefs der Fcrdinandca-Conspira-tio» (welche die gewaltsame Fortführung des Papstes nach Neapel und die Einver-leibung deS Kirchenstaats in die neapolitanischen Staaten zum Zwecke hatte), östrei-chische Fahnen und dgl. gefunden. Doch wurden diese Gerüchte nie erwiesen. Derspanische Prätendent Don Carlos, seit langen Jahren mit dem Jesuitenorden unddessen Agenten in intimer Verbindung stehend, verließ zugleich mit seinen AlliirtcnGenua, wo er sich einige Zeit aufgehalten hatte.
Die neue Ordnung der Dinge verlangte mit jedem Tage dringender neue Män-ner am Staatsrudcr. Das Ministerium selbst erkannte immer mehr, daß es der drän-genden Zeit nicht gewachsen, und reichte am 8. Mär; dem Könige seine Entlassungin Gesammtheit ein. Karl Albert beauftragte den Grasen Balbo und den GenueserMarchcse Pareto mit der Bildung eines neuen, des ersten konstitutionellen CabinetS,daS nach mehren Tagen in folgender Weise zu Stande kam. Graf Balbo, Präsi-dent ohne Portefeuille; Marchese Ricci, Minister des Auswärtigcir» Marchcse Pa-relo, Minister deS Innern; Graf Ncvcl, Finanzministcr; Des AmbroiS, Minister deröffentlichen Bauten; Graf SclopiS, Justizminister; General Franzini, Kriegsminister;Buoncompagni, Unkcrrichksministcr. Die Bildung dieses CabinetS war ein wichtigesEreigniß für Piemont. Die öffentliche Meinung begrüßte cS mit nngcthciltcm Bei-fall; vor mehren Ministcrhotcls versammelte sich die Jugend am Abend deS 16. Märzzu freudigen Manifestationen. Pareto und Ricci — Ersterer Erbe eines berühmtenNamcnS — Beide Gcnucscn, und vor kurzem noch Hauptredactcure der „I.egn ita-liana", standen in dem bewahrten Rufe eines entschiedenen und festen LiberaliSmuS,und galten als dem Pariicularismu- abgeneigte oder „italienische" Patrioten, wiedies schon der Name ihres Journals zu erkennen gab. Graf Ccsare Balbo, bereitsbejahrt, war seit den ersten vierziger Jahren, namentlich durch sein Buch „l.v 8,,e-r.i»7.o cl'll->Ii-i", einer der populärsten und gcarhtekstcn Bürger Piemonlk und Ita-liens. Graf Ncvel, ein Sohn deS frühern wenig beliebten Gouverneurs von Turin,galt in der öffentlichen Meinung als stark conservativ, wenn auch nicht dem Abso-lutlsmuS geneigt; doch übersah man seine ohnehin nur im Privatleben geäußerte po-Mschc Richtung in Betracht seines RusS alS tüchtiges finanzielles Talent sowie seinerChalaltelltstigkeit. Biioncompagni hatte sich seit mehren Jahren durch praktischesund schllstlnhcü Wirken um die Unterrichtsverhältnisse seines Vaterlandes verdientgemacht. Die übrigen Minister, mit Ausnahme etwa deS Grafen Sclopis, einesU'chtigc» Ncchtsgclehi^n, genossen eines mehr lvcalen Ruf« al« Liberale von aristo-
kr-"'sche,n Anstrich. '
Tbate^^ Programm dicscS Ministeriums sollte sich schon in den nächsten Tagen insreiimni?"^?'^''^" RcgicrungSacte» auSsprechen. Dahin gehörte: der Erlaß eine«„x,„. r,?« ^''ilgcsrtzeS, die Zusamniciiberufung der Wahlcollegien und die Einbe-siie die c>l,e ^pril, die Ertheilnng einer allgemeinen Amne-
, » -tviciidnng cj„„ ObservalionSarmee nach d» lombardischen Grenze und die