556 Das Königreich Sardinien.
freiheit und Constitution vergessen. Palffy trat dem Commandanten Zlchy seine Ge-walt ab, und dieser capitulirte ohne Schwertstreich. Die Truppen empfingen vonder Stadt dreimonatlichen Sold, ließen Waffen, Bagage und Kasse in der Stadtzurück, und schifften sich nach Triest ein. Zichy selbst blieb in Venedig zurück, bisdie wechselseitigen Bedingungen erfüllt waren. Frei um so billigen Preis, riefenjetzt die Bürger der neuen-Republik von Sän-Marco eine Provisorische RegierungauS, an deren Spitze Mauin und Tommaseo standen, und diese Regierung beschloß,die politischen Geschicke und die künftige NegierungSform der Lombardei theilen zuwollen. Treviso, Udine, Polefine schloffen sich, von den Östreichcrn geräumt, derKönigin des AdriameereS an.
Entscheidung des Königs für die Theilnahme am italienischen Kampfe, sein« Proklamationan die Lombarden und Dcnetianer vom 23. März 18-13, der Vertrag des KönigS mit deProvisorischen Regierung von Mailand, die Proklamationen des Königs beim Eintritt in dieLombardei, und seine Rechtfertigung vor der Geschichte.
Größer noch als am 19. März wurde die Aufregung in den folgenden dreiTagen in Turin. Die Ungewißheit über den Ausgang des mailändcr Kampfe-, dieFurcht vor dem Erliegen der Jnsurrection, die Gerüchte über das Benehmen derkaiserlichen Truppe» raubte den Piemontescn den Schlaf, machte ihnen die Tage zuEwigkeiten. Auf allen Straßen angstvolles Hin- und Hcrrennen, Fragen nachNeuigkeiten, Klage» über die Langsamkeit der militärischen Rüstung, abgebrocheneRufe: Nach dem Tesfi»! Nach Mailand! Soldaten, Offiziere und Bürger umarm»ten sich, schwuren Gut und Blut für den von den Lombarden unternommenen Un-abhängigkeitskampf zu lassen. Am Abend beS 22. März wurde der Gras Martini,der, eben auS Mailand angekommen, bei Karl Albert eine Audienz gehabt hatte,von verschiedene» Bürgern erkannt, die inmitten einer großen Volksmenge vor seinemHotel standen. Martini trat zum Balcon hinaus, theilte den Versammelten dc»Sieg der mailänder Jnsurrection mit, und schloß seine Ansprache mit den Worten:„Wir haben eine große Revolution vollbracht, und ihr werdet eine» große» Kriegunternehmen! Der König hat sich für den Krieg entschiede»I" — „Karl Alberthat die Würfel geworfen!" riefen viele Stimme» begeistert antwortend aus der Volks-menge. Blitzschnell liefen diese Worte von Mund zu Mund; und wenige Minutendarauf strömte» Tausende von Bürgern, Studenten und Militär» nach dem Schlosse,um Karl Albert als den Befreier Italiens zu begrüßen. Der König trat auf eine»Balcon, mit heiler», Ernst in der Miene; mit der Rechte» schwenkte er eine italie-nische Trikolore. Bei diesem Anblick ward der BegcisternngSransch grenzenlos, undsiiinbetäubtnde Segnungen und Evvivas hallte» in den Mauern TurinS wider.
Am Morgen des 23. März lasen die Bürger Turin- folgende Proclaman'o"an den Straßenecken: „Völker der Lombardei und Venedigs! Die Geschicke Ita-lien» reifen heran: ei» glücklichere- LooS lächelt dc» mnlhigen Vertheidigern »icdcr-getretencr Rechte. Aus Stanimverwandtschaft, an- Verständniß der Zeit nnd Ge-meinschaft der Wünsche schlössen wir u»S zuerst jener cinmüthigcn Bewunderung an-die Italien euch zollt. Völker der Lombardei und Venedigs! Unsere Waffen, diesich bereits a» eurer Grenze conccntrirtcii, als ihr der Befreiung dc- rnl>m>e>ck>e"Mailand- zuvorkamt, bringen euch »u» für die letzte» Prüfungen jene Hülfe, dieder Bruder vom Bruder erwartet, der Freund vom Freunde. Wir werde» euregerechte» Wünsche unkerstützc», vertrauend in die Hülfe GotteS, der mit s» wunder-barem Antriebe Italien in den Stand setzte, aus eigener Kraft zu handeln (<>i tar»«1» «ü). Und um durch äußeres Zeichen um so besser da» Gefühl der italienische"Einigkeit auszudrücken, wollen wir, daß unsere Truppen beim Betrete» dcS loi»bak-bisch-vciiktianischen Bodens die italienische Tricolorfahnc mit dem Schilde von Sa-voyen tragen. Turin, 23. März 1818. Karl Albert."
In wenigen Augenblicken war diese Proklamation im Munde der ganzen Stavr,von allen Lippen hallte» die Worte Karl Albe«'« wider. Ei» Schrei des unbeschre«