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Achter Band.
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Das Königreich Sardinien. 561

größerung in Norditalien er fürchtete — seine Zustimmung zum Abmarsch seines Con-ti,igcnts von 15000 Mann ertheilt. Kaum hatten aber seine Truppen Bologna undFerrara erreicht, als er sie zurückrief: nur 2000 Mann folgten dem berühmten undbereits hochbejahrten General Pepe zur Vertheidigung Venedigs. Mehre- kleine Fah-nen von Frcisckaren, zumeist Picmontcscn und Gcnuesen, unter der Anführung derGenerale Torrc, Manara und Anderer, kämpften zerstreut als EuerrillaS, und hat-te» vor dem Herannahen der piemontesischen Hauptstärke die bestürzten, aus kleinernund größer» Städte» vertriebenen Östreichcr vom Tcssin bis zum Mincio gedrängt.Die Legion Torrc's, aus wenigen Hundert Frcischärlern bestehend, hatte die östreichi-schen Garnisonen aus Crcma, Ehcdi, Montechiari und Volta geschlagen, und warselbst bis vor die Thore Mantuas vorgedrungen. Geführt von einem unerschrockenenund verwegenen Manne, schien sie gleich sehr die Überlegenheit und die Feucrschlündedes Feindes wie Hunger und Strapazen zu verachten. Noch vor Mitte Aprilswurden diese Frcischärlerlcgionen unter dem Commando deS Obersten Allcmandi verei-nigt. Nachdem dieser aber vergeblich einige Artillerie verlangt hatte, um in Wälsch-tirol die wichtigsten Pässe zu schließen und damit Nadetzky jede Hülfe auf diesemWege abzuschneiden, lösten sie sich auf oder traten in die piemontesischen Regimenterein.*) In dem Gerüche deS Nepublikanismus stehend, und durch ihre verwegenenWaffcnthatcn den „Ehrgeiz des piemontesischen Generalstabs verletzend, hatten sienicht nur mit der Überlegenheit des Feindes, sondern auch mit Argwohn und Hin-dernissen seitens der mailändcr Regierung, der Landbevölkerung und der einflußreich-sten Generale Karl Albcrt's zu kämpfen gehabt.

Je verschiedener die Elemente der italienischen Heeresmacht waren, je complicir-tcr die strategische Beschaffenheit des Landes, die Lage der Festungen u. s. w. dieKriegsleitung machten, desto mehr bedurfte es eines ordnenden, einigenden und weit-blickende» Fcldhcrrntalenks, eines energischen und entschlossenen Heerführers, um demmit altem Kricgsruhmc bedeckten Gegner und seiner, zwar kurze Zeit außer Fassunggebrachten, doch mit »cubclcbtcm Muthe zur trefflichen Disciplin zurückkehrenden Ar-mee siegreich die Spitze zu bieten. In Karl Albert fand der Unabhängigkeitskriegnur (wie der alte republikanische General Pcve sich treffend ausdrückte) einen hcldrn-müthigen Soldaten, doch einen von militärischem Talent und praktischer Erfahrungentblößten Feldherrn, unschlüssig bei der Ergreifung eines umfassenden Plan-, undbei dessen Ausführung zu viel auf militärischen Muth, zu wenig auf strategische Um-sicht bauend. Nur wenige tüchtige Generale standen ihm zur Seite; und bei der^vahl seiner nächsten Umgebung leiteten ihn mehr persönliche Freundschaft und An-erkennung langjähriger persönlicher Ergebenheit als Würdigung des militärischen Ta-lents. Unter seinen Fcldadjmantcn sah man neben dem tapfer» und erfahrene» Ge-neral Franzini, der sich in seiner Jugend unter Napoleon ausgercichnet hatte, denmehr zum Höfling al« zum Soldaten geeigneten General Marchesc Hcati. An derSpitze deS Gencralstabs stand der General Eanera di Salasco, ein dem Könige mitLeib und Seele ergebener Mann, dem es nicht an großer Thätigkeit und theoretischenKenntnissen fehlte, dem cS aber unvergleichlich leichter wurde, SiegeSbulletinS zuschreiben, als einen guten Schlachtplan zu entwerfen.

_ r > > nr ^ Sp've der beiden Hauptcorps standen zwei anerkannt tüchtige Generale:Euscbw Bava, der sich unter Napoleon vom Gemeinen zum Hökern Ofsiüersgrad em-porgeschwungen hatte, voller Charakterfestigkeit, soldatischer Strenge und Kühnheit,und der Graf GerbaiS de Sonnaz, aus einer altadeligen savoyischen Familie stammend,seine militärische Schule ebenfalls unter Napoleon durchgemacht hatte und vonaber"' ö""' Ritter der Ehrenlegion ernannt worden war. Ergraut im Militärdienst,sch. lebhaft und jugendlich an Geist, schreckte Sonnaz vor keiner Gefahr zurück,kerne Strapaze ihn zu ermüden. Human von Charakter, doch auf gute Dis-

^ Dgl. „I volonlari in bamliseciis. Lenni »torioi tlol generalo XII,-,„,nr1i" (Turin ItiG).

Du Gegenwart. V>„. 36