575
Das Königreich Sardinien.
dessen Mauern der letzte verzweifelte Kampf geführt werden sollte. Mehre Deputa-tionen von Bürgern Mailands halten ihm die Unterstützung der Stadt zugesagt.„Der Feind", rief er den Soldaten in einer Proklamation von Bozzolo zu, „hat dieEroberung seiner neuen Positionen theuer bezahlen müssen. Bei unserm Rückzügeführen wir 2000 Gefangene und zwei Fahnen ab: er kann sich nicht einer einzigenTrophäe rühmen... In wenigen Tagen werde» wir wieder im Angesichte diesesFeindes stehen, den wir so oft vor uns her haben fliehen sehen!" In einer andernProklamation an die Bevölkerung rief er diese zum äußersten Kampfe auf, und schloßmit den Worten: „Italiener! bewaffnet euch, und mag die Große der Gefahr ineuch, den Erben so vielen RuhmS, nur desto größere Energie erzeugen. Zieht dieäußersten Opfer der Demüthigung, dem Verluste eurer Unabhängigkeit vor. Unter-stützt von dem PatriotiSmuS der Bürger ist daS Heer mitten in Leid und Unglücknoch bereit, für das Vaterland sein letzter Blut zu vergießen, und ich hoffe, daß dieVorsehung unS nicht in der Vertheidigung der heiligen Sache verlassen wird, wel-cher mein Leben und da- meiner Söhne geweiht ist." So fest und unverzagt be-wies sich Karl Albert in dem entscheidendsten Momente des FeldzugS. Im größtenUnglück trat die ganze Größe seines Charakters hervor. Die besten Patrioten rich-teten sich an seiner Standhaftigkeit und Entschlossenheit aus, und die es nicht ver-mochten, oder von FactionSgeist statt von PatriotiSmuS erfüllt waren, mußtenspäter ihre Feigheit hinter Schmähungen auf den ersten Bürger Italiens, auf denedelsten Fürsten Europas zu verstecken suchen. Nach fünftägigem Marsch, auf welchemder Hitze, Entbehrung und Strapaze außerordentlich viele Opfer fielen, kam KarlAlbert mit dem Neste seines Heeres vor den Thoren Mailands an. Das blühendeherrliche Kriegsherr Karl Albert'S war auf 25000 Mann zusammengeschmolzen!*)
Die Ereignisse zu Mailand in den ersten Augustlagen; die Capitulatien der Stadt; der
Rückzug und der Waffenstillstand.
Die Nachrichten von Eustozza, und mehr »och das Herannahen der Ostrcichrr,welche den Picmontesc» auf 8 —10 Stunden Entfernung folgten, hatten in Mai-land unbeschreibliche Bestürzung, Aufregung und Verwirrung hervorgerufen. DieProvisorische Regierung wurde gestürzt, eine Volksversammlung setzte an ihre Stelleein „Comiti der öffentlichen Vertheidigung" ein, bestehend au« dem General Fonti,dem Advocatcn Nestel!! und dem Arzte Maestri: die Wortführer der republikanischenElubS, der großen Mehrzahl der Bürger unbekannt, in deren Ratlosigkeit die ein-zige Gcwajt der Republikaner bestand. Auf die jämmerliche Sorglosigkeit und Le-thargie der Provisorischen Regierung folgte nun die regellose Thätigkeit des Verrhci-digungScomitö, dessen Decrcte meist nur bei der Jugend Unterstützung fanden. Dielesich aus Furcht vor dem völligen Siege der Republikaner, zahl-reiche Bürger, die freudig die schwersten Opfer würden gebracht haben, wenn sien allgemeine» Vertrauen« an der Spitze der Bewegung gesehen hätten,der borkir Zuschauer. Die politischen Spaltungen lähmten so in der Stundeaarde das Zusammen,»irkcn für die nationale Sache. Die Nakional-
revublikanii^?« wwerstandlo« auflösen und wurde vorn Vertheidigungscomits unterPuw sa2n ,,re°rgamsirt". Die Spezereiläden verwandelten sich in
aeavlH-n- k ,» /"Straßen wurden, wie in den fünf Befreiung-ragen, Kugeln^ ^ damals die Straßen verbarrikadiern, wahrend da»
2°>m, d.e militarssche V-rtbeidigung bis zum Äußersten anrie.h-von n ^ tstgeil Abend des 3. Aug. standen die Pitmonresen vor Mailand, wo sieDas M dcl Sevese bis z«r Ehjesa Rossa die wichtigsten Thore vtkupirien.
Doch lud Karl Albert ein, in einem mailLnder Palast zu übernachten.
^ ' "g er ,»it stoischer Resignation in einer ärmlichen Herberge vor der Porla
terien^ackÄ- ^°""«ariva hatte IMlllli Piemcntescn von der Lperalionsarmee «>r tret »at--w Piacenza geführt, und in Pctchikra war die pieinvntesische Besatzung zurückgeblieben.