Das Königreich Sardinien. 593
unser Bestreben sein-, unverletzt und rein unsere Ehre zu erhalten, die WundendeS öffentlichen Unglücks zu heilen und unsere verfassungsmäßigen Institutionen zubefestigen."
Am Abende desselben Tags trat das Parlament zusammen, noch tief bewegtdurch den Wechsel der Dinge. Die Deputirtenkammer wählte vor allem eine De-putation an Karl Albert, die ihm in der Verbannung die Gefühle des dankbare»und trauernden Vaterlandes ausdrücken sollte. Welch ein Moment! Mehrmalswurde die Stimme der Redner durch lautes Schluchzen von allen Seiten unterbro-chen; mit heißen Thränen schrieb das Vaterland die Adresse an den umherirrendenKönig, über dessen Reiseziel in jener Stunde noch Ungewißheit herrschte. Die neuenMinister wurden mit Mistraue» empfangen. General De-Launay (Präsident undÄußeres), General dclla Nocca (Krieg), der jedoch nach wenigen Tagen durch dentrefflichen Dabormida ersetzt wurde, Mameli (Unterricht) und Dcmargherita (Justiz)bildeten daS conservativ-coustitutionellc, Pinelli (Inneres), Nigra (Finanzen) undGalvagno (öffentliche Bauten) das liberal-konstitutionelle Element deS Cabineks.Gioberti wurde mit dem Titel eines Ministers ohne Portefeuille schon in den näch-sten Tagen in einer Mission nach Paris gesendet, von wo er, in seinem Ehrgeizverletzt, nicht mehr nach Piemont zurückkehrte. Ein Sturm von Interpellationenüber die Ereignisse von Novara und die Ranke der Absolutsten brach von den De-putirtenbänken los, aus welchen der allseitig beliebte Nigra mit wenigen, aber wür-digen Worten antwortete. „Sobald die Verfassung", schloß er, „im mindesten ver-letzt wird, kehre ich in daS Privatleben zurück." Pinelli übernahm da- schwereAmt, die Bedingungen des Waffenstillstands zu verlesen, worauf stürmische Protesteantworteten. Die Schwere des Augenblicks verwandelte die Kammer in einen Cvn-vcnt. Nur der Leidenschaft, freilich der edelsten, Gehör gebend, decretirte die Kam-mer ihre Permanenz, federte sie die Regierung aus, alle militärischen Streitkräste umAlessandria zu versammeln, und, das Vaterland in Gefahr erklärend, alle waffenfä-higen Männer zum äußersten Kampfe aufzurufen. Der Waffenstillstand wurde fürunconstitutioncll erklärt; eine Untcrsuchungsconimissioii sollte die verdächtigen Generalevor sich laden. Schließlich wurde das Ministerium mit der Anklage des Hochver-raths bedroht, im Falle es die Besetzung AlessandriaS durch Ostrcicher gestatten sollte.Aber alle diese Beschlüsse mußte die Kammer bei kälterer Erwägung schon am näch-sten Tage als unausführbar erkennen.
In wenigen Tagen erwarb sich Victor Emanuel das feste Vertrauen des Lan-des, dessen Liebe er bereits seit dem Augenblicke besaß, wo er an der Seite seinesVatcrs zum Kampf ausgezogen war. Feierlich huldigte ihm die Nationalgarde aufder Piazza Castrllo in Turin. Am 7,1). März schwur er, nach schlichten, patrioti-schen Worten, im Angesicht« der Senatoren und Deputirten, die Verfassung inTreue aufreche erhalten und beobachten zu wollen. Er hat auch seinerr Schwur ge-wissenhaft gehalten, und in den schwierigsten Momenten nicht gewankt, wo sich Allesverband, um ihn auf denselben Weg zu drängen, den andere Fürsten Italiens frei-willig betraten.
Die schwere Aufgabe, die das Ministerium De-Launay-Pinelli übernahm, er-schien bei der Stimmung der demokratischen Kammer unlösbar. Noch am 30. Märzprorogirte man daS Parlament, indem man gleichzeitig die Depulirtcnkanimer auf-löste und den Zusammentritt der Wahlcollegien um Mitte Juli festsetzte. Über vierMonate dauerten die Friedcnsverhandlungen mit Östreich. Allmälig richtete sich dieStimmung in Piemont wieder auf. Bei allem Unglück hatte daS Land wenigsten-ver, Trost einer loyalen Regierung, der unverletzten Erhaltung der freien Jnstitutio-
""d der polit'chchen und nationalen Selbständigkeit. Was dir übrigen Staatenaiscker"mi>^ 5° "lag die Insel Sicilien zuerst: vergeblich war ihr langer und euer-»vorn "stch'd. Vier feindliche Corps (Neapel, Spanien, Frankreich und Östreick)° ö g gen die Römische Republik, die nach männlichem Kampfe der Übermackk
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