594 Das Königreich Sardinien.
( 4 . Aug.) erlag. Auf die frivolen Nevolutionsstürme Toscanas folgte die Restaura-tion durch östreichische Waffen. Modena, Parma, Piacenza fiele» in das alte We-sen zurück. Am längsten und verzweifeltsten vertheidigte sich Venedig. Die helden-müthigen Kämpfe der kleinen, von aller fremden Hülse verlassenen Republik wurdendurch ein furchtbares, 25 Tage dauerndes Bombardement beschlossen. Doch diesWar nicht die größte Geißel. Lange Wochen kämpften die Venctiancr mit dem na-gendsten Hunger; schlechtes und in unzureichenden Portionen vcrthciltcs Brot warihre einzige Nahrung. Dazu kam. daß die Cholera täglich ät>0 Personen wegraffte.Nur die seltenste Einigkeit und Aufopferungsfähigkeit aller Bürger machte den Wi-derstand gegen so ungeheures Leiden möglich. So siel Venedig am Tage des 22.Aug. Von den Ufern, des Ticino bis zu den Ufern der Adria, und von dorr biszu den Abhängen des Ätna war somit der Restauration und ihren Folgen die Bahnwieder geöffnet.
Unter solchen Verhältnissen mußte auch Picmonl das Haupt beugen und sichden Friedensbedingunge» des Siegers unterwerfen. Wenn es sich aber bereit zeigte,materielle Vortheile zu opfern, so hielt es doch mit Festigkeit an der Unverletzlichkcitder Nationalehre. Es verzichtete aus die Lombardei und Venedig, auf die Herzog-thümer Modena und Parma; seine Grenzen blieben die frühern. Es verlangte underhielt die Amnestie der Lombarden und Venekianer, welche neben den piemontcsischcnWaffen gekämpft hatten. Als Kriegsentschädigung verlangte Östreich 21» MillionenFrancs und 20 Millionen Entschädigung für die Eigenthümer der Lombardei, diewährend der beiden Fcldzüge Schaden gelitten. Über diese Fodcrung stellte Piemontdie Unterhandlungen ein, bis Östreich auf 75 Millionen im Ganzen herabging, undgleichzeitig sich auS Alessandria zurückzuziehen bereit erklärte. Am 0. Aug. wurdendiese Bedingungen von Piemont (Graf Pralormo, General Dabormida, KavaliereBuoncompagni) und Östreich (Baron von Brück) zu Mailand gezeichnet.
Die ncugewähltc Deputirtenkammcr bestand durchweg aus den liberalen undzun, Theil radicalcn Kammerclcmentcn von 1848. Sie wurde am -">0. Juli vondem Ministerium Pinelli-d'Azcglio eröffnet, welcher Letztere, dem Könige persönlichbefreundet, von allen Parteien gleich sehr geachtet, dem unpopulären General De-Launay in der Präsidentschaft und Verwaltung de- Äußern gefolgt war. DasProgramm des Ministerium- blieb das frühere, und versprach: Unversehrte Auf-rechterhaltung der Verfassung; innere Verwaltung und Reform im liberale» Geistederselben; unabhängige und würdige Stellung nach außen. Große Popularitätund dauernden Bestand erwarb sich die Politik d'Azcglio'- namentlich durch die Be-kämpfung de- französischen Einflüsse-. Mit de» ersten gemeinschaftlichen Acten be-traten Regierung und Parlament den Weg der Reform, und Östreich, welches i>»übrige» Italien mächtig war, konnte auS seinem Waffensiegc über Piemont keinemoralischen oder politischen Früchte ziehen. Freilich war die Politik d'Azeglio'sder Ausdruck des mit neuer Kraft sich wicdcrcrkcbcndcn NativnalgeistcS und des »»diesen, Geiste im vollsten Einklänge stehenden königlichen Wille»-. .
Eine düstere Episode unterbrach da- aufblühende politische Leben Piemont -Am 8. Aug. kam die Traucrkunde von dem Tode Karl Alberk'S (2!>. Juli) "" :Turin, und ein langhallender Klageruf ertönte von den Ufern der Dora über ganzItalien. Dir zu seinen letzten Augenblicken hatte der verbannte König eine ft'>"Unglücke würdige Scelcnstärke gezeigt. Mitten unter den unsäglichste»
Leiden, die nur sei» hinsterbender Körper, nie eine Klage aus seinen Lippe»halte er in den letzten Tagen mit den wenigen Freunden, dir ihm der ^e»>n ^Depukation sandte, viel über die Schicksale »nd Hoffnungen Italien«starb i„ der freudigen Überzeugung, daß er sich nicht umsonst»f"r scm ^
daß die Geschicke desselben in der Schule de- Unglück- . „,hc.
daß in Piemont und dem Hause Savoyrn die Kraft und Jnkunft Italien
Am frühen Morgen de- t. Let. brachte der sardinische Krieg-dampferzambano" die tNiseelie Hülle Karl Albert « »ach Genua, in dessen mall