740 Das Angloindische Reich.
statthaltcrs im Rathe bekannt zu machen. Viele Gesetze sind, wie das über Prü-fungen (1844), auf diesem Wege ins Leben gerufen worden. Wer immer seineKenntnisse und Fähigkeiten durch öffentliche Prüfungen beurkundet, erlangt durchjene- Prüfungsgeseh eine Anwartschaft aus eine Anstellung. Herkunft und religiö-ses Bekenntniß sollen keinen Unterschied mehr machen. Auch ist es gleichgültig, wound wie man seine Bildung erlangt hat, ob in einer Staatsanstalt, durch einzelneLehrer oder Privatinstitute. Junge Männer von Erziehung und Anlagen erhaltenallenthalben vor Andern den Vorzug. Die Einsetzung eines aus sieben Mitgliedernbestehenden, jährlich wechselnden Gemeinderaths zu Kalkutta (1847), wovon dreivon der Regierung ernannt und vier von den Häuscrbesihern gewählt werden, ver-dient noch aus der Menge unbedeutender Gesetze im Gerichts- und Polizeiwescn, inHandels- und Skcuerangelegenheiten besonders hervorgehoben zu werden, weil dies einvortheilhastes Zeugniß gibt für die Einsicht und Befähigung der einheimischen Be-völkerung. Hindu und Muselmänner hielten zusammen und wählten kundige Män-ner guter Erziehung und guten Leumunds; nur ein einziger Engländer, und, wiees scheint, nicht ganz mit Ordnung, ist in. den Gemeinderath gekommen. DiesesErgebniß, so natürlich es ist (von den 230000 Bewohnern Kalkuttas zählt die eng-lische Bevölkerung blos 3000), erregte großes Misbehagen bei den Machthabernund stimmte sie gegen jede Ausdehnung der Municipalversassung. Man sah in die-sen Wahlen, und zwar nicht mit Unrecht, einen bedeutsamen Fingerzeig für dieganze Zukunft des angloindischen Reichs.
Hardinge hatte bereits vor längerer Zeit um Enthebung von seinem Amte ge-beten. Sein Nachfolger, Lord Dalhousie, landete am 12. Jan. 1848 in Bengalenund übernahm alsbald die Regierung. In England rechnete man ebenfalls so sicherauf den dauernden Frieden im östlichen Reiche, daß bei der Wahl des neuen Ober-statthalters vorzüglich seine Handels- und Geschäftskenntnisse berücksichtigt wurden.Ein neuer Zeitraum der innern Verbesserungen sollte beginnen, und Lord Dalhousieschien hierzu trefflich geeignet. Der 70jährige Lord Gough blieb Oberbefehlshaber,obgleich es offenkundig war, daß ihm alle höher» militärischen Talente fehlten. Soließen sich die verschiedenen Behörden Indiens und Großbritanniens in Betreff desPendschab nicht geringe Fehler und Nachlässigkeiten zu Schulden kommen; ebensoin den Kriegen gegen Afghanistan. Die englische Nation würde bald von ihrerHöhe herabsteigcn müssen, wollte man ihre Interessen den ebenbürtigen europäischenMächten gegenüber ebenso schlecht berücksichtigen, wie es in manchen ihrer Colonienund auswärtigen Besitzungen geschieht.
Muselmänner und Sikh hatten unterdessen ihre herkömmliche, in der Religionund dem Herrschgelüste begründete Feindschaft überwunden, und sich gegen den ge-meinschaftlichen Unterdrücker verschworen. Dost Muhammed, Emir von Kabul, undandere Häuptlinge versprachen Zuzug zum heiligen Kriege. Hingegen gelobten dieSikh das ehemalige Besitzthum der Afghanen, die Provinz Peschawer, herauszuge-ben. Bereits im Beginn des Jahres 1848 ward, ohne daß die indische Regierungetwas ahnte, eine allgemeine Erhebung verabredet. Malradsch, Häuptling des Fur-stenthums Multan, mit einer muselmännischen Bevölkerung von 80000 Seelen (derSikh sind nur wenige), war der Erste, welcher das Joch der verhaßten Frcngis ab-zuschütteln suchte. Sein Vater, Sawan Mal, wurde von Ranadschit als Dewanoder Statthalter (dieses Wort bedeutet ursprünglich Rentmeister) eingesetzt. Sawgnerlangte bald — was bei der östlichen Verwaltungssorm, die alle Gewalt in einerPerson vereinigt, leicht möglich ist — solch eine Macht, daß der Maharadschas enicht wagte, ihn zu entfernen. Ihm folgte sein Sohn. Zwei englische Offiziergingen nach Multan mit dem Austrage, dem Statthalter die Absetzung zu ve -künden und, dem Gebote der Regierung zu Lahor gemäß, das Fürstenthum neu iordnen. Die Sendlinge wurden anfangs freundlich aufgenommen, .
her (April 1848) ermordet. Ihre Sikhbedcckung half den meuterischen Mustlmnern. Selbst die neuen Truppenabtheilungen, welche von Lahor aus gegen