756 Alexander von Humboldt.
nach Philadelphia ein. Die Überfahrt dauerte 20 Tage, sie war in der Bahania-straße bei Nordwinden gefahrvoll stürmisch. Humboldt konnte nur wenige Wochenlang in Washington sich der freundschaftlichen Aufnahme bei dem edeln PräsidentenZefferson erfreuen. Er verließ ungern den Neuen Kontinent den 9. Juli in der Mün-dung des Delaware und landete den 3. Aug. 1804 in Bordeaux, an Sammlungen,besonders aber an Beobachtungen aus dem großen Gebiete der Naturwissenschaften,der Geographie und Statistik vielleicht reicher als irgend ein früherer Reisender."
„Humboldt wählte Paris zum Aufenthalte, indem kein Ort des Continents da-mals einen gleich zugänglichen Schatz von wissenschaftlichen Hülfsmitteln darbot, keinerebenso viel große und thätige Forscher einschloß als jene Hauptstadt. Er hatte beiseiner Ankunft die Freude, dort die geistreiche Gattin seines Bruders mit ihrenKindern zu finden. Den Bruder selbst fesselten gelehrte Arbeiten und Geschäfteals preußischer Gesandter in Nom. Die vorläufige Anordnung der Sammlungenund zahlreichen Manuskripte, mehr aber noch chemische Arbeiten über das Verhält-niß der Bestandtheile der Atmosphäre, gemeinschaftlich mit seinem Freunde Gay-Lussac in dem Laboratorium der Üeole polyieolnngus unternommen, verlängertenHumboldt's Aufenthalt in Paris bis zum März 1805. Er trat nun, begleitet vonGay-Lussac, der einen langdauernden Einfluß auf seine chemische Thätigkeit ausgeübthat, ein« Reise nach Italien (Rom und Neapel) an, wo sie vom 1. Mai bis 17.Sept. 1805 verblieben. Leopold von Bück war ihr Gefährte in Neapel und auf derRückreise durch die Schweiz nach Berlin, welches Humboldt am 16. Nov. nach einerneunjährigen Abwesenheit wiedersah. Gay-Lussac verließ seinen Freund und Mit-arbeiter im Winter 1806. Das Unglück des Vaterlandes im Octobvr 1806 unddie Hoffnung, die durch den schmachvollen Tilsiter Frieden aufgelegten Lasten mittelseiner Negociation zu vermindern, brachte die Regierung zu dem Entschluß, den jüng-sten Bruder des Königs, den durch persönliche Tapferkeit und Anmuth der Sittengleich ausgezeichneten Prinzen Wilhelm von Preußen zum Kaiser Napoleon imFrühjahr 1808 nach Paris zu senden. Humboldt, der sich während der französischenBesetzung von Berlin in einem einsamen Garte» eifrigst mit stündlichen magnetischenDeclinationsbeobachtungen beschäftigte, erhielt sehr unvermuthet den Befehl des Kö-nigs, den Prinzen Wilhelm auf seiner schwierigen politischen Mission zu begleiten,und ihn, durch seine genaue Bekanntschaft mit damals einflußreichen Personen wiedurch größere Welterfahrung nützlich zu werden. Der Aufenthalt des Prinzen Wil-helm, dem als Adjutant ein nachmals lieber Verwandter F. von Hedemann beigege-ben war, dauerte bis zum Herbst 1809, und da der Zustand von Deutschland es un-möglich machte, die Herausgabe so viclumfassender, von keinem Gouvernement unter-stützter Neisewerke (in der Folio- und Quartausgabe 29 Bände mit 1425 gestoche-nen, zum Theil farbigen Kupfertaseln) auf deutschem Boden zu wagen, so erhieltHumboldt von dem Könige Friedrich Wilhelm M., der ihm persönliches Wohlwollenschenkte, die Erlaubniß, als eines der acht auswärtigen Mitglieder der pariser Aka-demie der Wissenschaften, in Frankreich zu verbleiben. Er hat so seinen dauerndenWohnsitz, kleine Abwesenheiten abgerechnet, fast 20 Jahre lang (von 1808—27) i"Paris gehabt. Als sein älterer Bruder nach vollbrachter Stiftung der berliner Univer-sität als Gesandter (1810) nach Wien ging und die oberste Leitung des Unterrichts'Wesens im preußischen Staate aufgab, wurde dem jüngern Bruder dieselbe von demStaatskanzler Freiherrn von Hardenberg sehr dringend (ohne oder auch mit deniM'"^stertitel) angeboten. Humboldt zog es vor, sich eine freie, unabhängige Lage als Gcl^>r-ter zu erhalten, weil die Herausgabe seiner astronomischen, zoologischen und botanijcheWerke, trotz der treuen Hülfe von Oltmanns, Bonpland und Kunth »och nicht wgenug vorgerückt war. (Seine lateinische Schrift: «He ciistribulions ^vgrsp nplantarum sseunclum ooeli temperiern et riltitucknem montiurn» erschien erst 'Dazu hatte er den bestimmten Entschluß gefaßt, eine zweite wissenschaftliche ppdition nach Oberindien, dem Himalaya und Tibet zu unternehmen. Um sich i